Hans Joachim Schädlich las im ausverkauften Düsseldorfer Heine Haus

Hans Joachim Schädlich, Rudolf Müller

Hans Joachim Schädlich (Foto) im ausverkauften Düsseldorfer Heine Haus“: So lautete die Überschrift auf buchmarkt.de im Jahr 2010 [mehr…] – (fast) so lautet sie heute. Einfallslos? Vielleicht – aber die reine Wahrheit:

Die Befürchtung des Autors, daß man ihn am Rhein nicht „schon wieder“ sehen und hören wolle, strafte der vollbesetzte Saal Lügen. 2010 hatte Schädlich aus seinem inzwischen mehrfach ausgezeichneten Roman Kokoschkins Reise (Rowohlt) gelesen (Rudolf Müller: „Eines der am besten verkauften Bücher bei uns“), gestern stellte er seine Novelle Sire, ich eile… (Rowohlt) vor. Im Gespräch mit Buchhändler Rudolf Müller ging es zunächst um Genrefragen (wieso eigentlich Novelle, da doch heutzutage jeder Verlag bemüht ist, alle Texte von über 80 Seiten als Roman zu deklarieren?) und die unterschiedliche Herangehensweise von Historiker und Schriftsteller.

Mit dem Bild von Émilie du Châtelet

Letzteres erklärte Schädlich mit einem schlagenden Bonmot: Ob nun Historiker oder Schriftsteller – Geschichte ist immer etwas Erzähltes. Schließlich: Die Historiker waren auch nicht dabei, wenn „etwas“ geschah.

Dieses „Etwas“ ist in Schädlichs neuer Novelle ist die Geschichte von Friedrich II., Voltaire und seiner geliebten Émilie du Châtelet. Akribisch recherchiert, wie man es von Schädlich gewöhnt ist, wird die „unerhörte Begebenheit“ (weshalb die Genrezeichnung Novelle korrekt ist) erzählt, wie die doch sehr ungleichen Herren zueinander finden – und wie der Preußenkönig schließlich seinen ehemaligen Gast in Frankfurt aufs unwürdigste behandeln lassen wird. Wohltuend unterscheidet sich Schädlichs Sicht auf den Preußenkönig von der landläufigen Anhimmelei, die besonders zu runden Jubiläen Konjunktur hat: „Friedrich ist gar nicht so sehr sympathisch“, erklärte der Autor, der sein Buch auch viel eher als Sympathieerklärung an Voltaire verstanden wissen möchte. Aber: „Mache sich jeder sein eigenes Bild.“

Das sollte man in der Tat. Immerhin ist Schädlichs Buch das einzige belletristische „Friedrich-Unternehmen“ im Jubiläumsjahr. Vor allem aber ist es großartige Literatur.

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