Gut besuchte Premierenlesung mit Martin Walser

Eine Premierenlesung gestern Abend in Berlin. Im ausverkauften Berliner Ensemble stellte Martin Walser seinen neuen Roman Das dreizehnte Kapitel (Rowohlt) vor und sprach mit Wolfgang Herles auf dem Blauen Sofa.

Martin Walser signiert.

Eine knappe Stunde las der 85-Jährige stehend am Lesepult aus dem „Dreizehnten Kapitel“: Ein Schriftsteller trifft bei einem Empfang des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue eine Frau, deren Anblick ihn fasziniert. Er entschließt sich, ihr zu schreiben. Daraus entsteht ein Briefwechsel, der von Mal zu Mal intensiver wird. Zwar sind beide glücklich verheiratet, doch sie stellen fest, dass sie in ihren Briefen eine Intimität ausleben können, die selbst lang verheirateten Paaren verwehrt ist. „Unsere Buchstabenketten sind Hängebrücken über einen Abgrund namens Wirklichkeit“, heißt es in dem Roman.

Die Verbindung der beiden Protagonisten lebe von ihrer Unmöglichkeit, sagte Walser im anschließenden Gespräch mit Wolfgang Herles. Das Publikum erfuhr, dass Walser Notizen aus seinem Tagebuch für den Roman verwendet hat. „Jeder Mensch ist eine Fülle an Erinnerung“, sagte er. Er sei früher tatsächlich einmal bei einem Empfang im Schloss Bellevue gewesen, gab Walser zu. Und er habe dort eine faszinierende Frau gesehen. Das habe er aufgegriffen. „Dann ernährt sich der Roman selbst weiter.“

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus und im Foyer signierte Martin Walser anschließend noch sehr lange.

ML

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