Frankfurt: Bewegender Abschluss des Lesemarathons

Silvia Tennenbaum

Der Direktor des Hauses am Dom in Frankfurt, Dr. Joachim Valentin, begrüßte am Sonntag, 29. April, die zahlreichen Gäste zur Abschlussveranstaltung von Frankfurt liest ein Buch.

„Das Buch Straßen von gestern trägt zur Neufassung des Selbstverständnisses einer Stadt bei“, urteilte er über das Werk, das während des 14-tägigen Lesemarathons [mehr…] im Mittelpunkt stand.

Die erstaunliche Leistung der 84-jährigen Autorin Silvia Tennenbaum, die nicht nur an vielen Veranstaltungen selbst teilgenommen hatte, sondern sich außerdem noch bedeutende Einrichtungen der Stadt ansah – dazu gehörten für sie nicht nur das Städel Museum, sie besuchte auch das Occupy Camp vor der EZB und war eigentlich ständig unterwegs – würdigte Gerwig Epkes, SWR, der die Matinee moderierte.

Außerdem dankte er dem Verleger Klaus Schöffling, der gleichzeitig Vorsitzender des Vereins Frankfurt liest ein Buch ist, und dem Organisator Lothar Ruske.

Nach der Sonate für Klavier und Geige e-Moll von Wolfgang Amadé Mozart (KV 304), interpretiert von Dr. Rüdiger Volhard am Piano und Edith Peinemann, Violine, las Corinna Harfouch eines der letzten und berührendsten Kapitel aus dem Buch, das mit der Erschießung von Lore in der Nähe des Konzentrationslagers Buchenwald und der Ermordung ihres Mannes Jacob wenige Tage später in Auschwitz im Juli 1944 endete. Für einen kurzen Augenblick hatten sich beide noch einmal gesehen, von weitem nur und nach unsäglichen Strapazen.

Nach diesen Worten war es schwer, ein Gespräch zu beginnen. Silvia Tennenbaum erzählte von ihrer großen Müdigkeit beim Schreiben dieser Seiten. Sie sei selbst auf Knien durch den Garten gekrochen, um zu spüren, was das bedeutet.

Yesterday’s streets, 1981 in den USA erschienen, war dort kein Erfolg. „Ein glückliches Ende fehlt im Buch. Aber der Holocaust hat natürlich kein glückliches Ende. Andere beschreiben das Geschehen so, dass man sich als Opfer fühlen kann. Das war nie meine Haltung“, versuchte die Autorin eine Erklärung. Und ist dankbar für das, was sie in und um Frankfurt in den letzten 14 Tagen erlebte: „Es waren die schönsten Wochen meines Lebens. Vielleicht werde ich das alles ans Leo Baeck Institute in New York schicken, wenn ich wieder in den USA bin. Die haben nie Notiz von mir genommen“, sagt sie ohne Bitterkeit, im Gegenteil – eine Spur Humor und viel Aufrichtigkeit stecken in diesem Gedanken.

Verleger Klaus Schöffling zog eine erste erfolgreiche Bilanz: 13.000 Menschen besuchten die mehr als 80 Veranstaltungen, 12.000 Bücher – und damit die erste Auflage – wurden verkauft. Er dankte der Autorin Silvia Tennenbaum, der Oberbürgermeisterin Petra Roth – sie wird sich auch nach dem Ausscheiden aus ihrem Amt weiter an der Aktion Frankfurt liest ein Buch beteiligen – und den Mitarbeitern des Verlags und des Vereins.

Noch einmal bekundeten die Besucher ihre Hochachtung vor der Schriftstellerin: Alle standen zum Abschluss der Matinee auf und applaudierten.

JF

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