Dieter Kühn las aus „Ich war Hitlers Schutzengel“

Gestern Abend konnte Geschäftsführer Jörg Bong im Lesesaal des S. Fischer Verlags in Frankfurt den langjährigen Autor des Hauses Dieter Kühn begrüßen.

Jörg Bong zitierte in seiner Einleitung Denis Scheck, der anlässlich der TV-Präsentation des jüngsten Buches bemerkte: „Dieter Kühn hat die Kunst des historischen Erzählens in seinen großen Biographien für die Gegenwart neu erfunden. Mit Ich war Hitlers Schutzengel legt er jetzt allerdings ein Gedankenspiel gegen alle historische Überlieferung vor. Dieter Kühn erzählt von Hitlers Ende in verschiedenen fiktiven Versionen, parallelgeschaltet zur historischen Realität.“

Kühns Biografien über Napoleon, Sibylla Merian und Clara Schumann gehören zu den „Hausbüchern“, die in jedem Bücherschrank stehen sollten. Jörg Bong würdigte ebenfalls die phantasievollen und innovativen Übertragungen Dieter Kühns aus dem Mittelhochdeutschen. Dieter Kühn wurde u.a. mit dem Herrmann-Hesse-Preis, dem Großen Literaturpreis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste geehrt und war 1980/81 der siebente Stadtschreiber von Bergen-Enkheim.

Im neuesten Buch des Autors, der am 1. Februar seinen 75. Geburtstag feierte, biegt die Geschichte plötzlich ab. Vier Fiktionen eines „was wäre wenn“ werden erzählt.

Dieter Kühn las die letzte Version, in der es um den angemessen Umgang mit NS-Hinterlassenschaften geht.

Ein Metallbauer und Hobbytaucher findet im Schlick eines Sees nicht nur das Tafelsilber Görings, das sich eigentlich als Tafelgold entpuppt, sondern auch zwei von drei Hitlerstatuen. Nur dem Taucher mit dem besonderen Hörvermögen ist es möglich, diese Statuen zielgenau zu orten und schließlich zu bergen. Während das Tafelgold nach einem kurzen Picknick mit demselben dem Seegrund wieder überantwortet wird, werden die monumentalen Statuen abtransportiert und verantwortungsvoll gevierteilt bzw. platt gemacht. Leider kommt eine dem Vorhaben nicht wohl gesonnene Gruppe dem Taucher auf die Spur und verletzt dessen unvergleichliches Gehör. Kann er sich nun als spätes NS-Opfer betrachten?

Der lange Beifall nach dieser Geschichte überzeugte den Schriftsteller, noch den Anfang einer zweiten Fiktion, der des Schutzengels, zu lesen.

Dieter Kühn, Autor von mittlerweile etwa 50 Büchern, bringt mit seinem jüngsten Werk die Vergangenheit in die Gegenwart, verbindet Zeiten auf vergnügliche Erzählweise miteinander, ohne die notwendige historische Distanz zu verlieren.

JF

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