Das Tempo-Buch – ein Resümee

„Morgens geschrieben, abends gedruckt und verschickt“. Ein schnelles Buch sollte es werden. So hatte es sich die Stiftung Lesen zum Welttag des Buches ausgedacht und wurde zunächst verlacht. Schnell gemacht, schnell verkauft war es dann aber auch. Am 23.4. gegen acht gab’s das Thema: Tempo. Das lag in der Luft. Und doch war keiner der 40 ausgewählten Autoren drauf gekommen. 10.28 Uhr imprematur, zumindestens bei Christian Pfarr. Der Mainzer Autor und SWR-Musikredakteur hatte nämlich nur ganze 10 Minuten gebraucht für seine Geschichte „Sonata in blue“, Günter Kunert schaffte es in 37 Minuten. Die anderen hatten sich für ihren Beitrag zum schnellsten Buch der Welt auf zwei Stunden eingependelt. Von Köln aus wurde dann gegen 19 Uhr das fertig lektorierte Buch – grün eingebunden mit illustrierter Vignette – in zehn Städte losgeschickt. Um ins Literaturhaus nach Wiesbaden zu gelangen, mussten die ersten 25 Exemplare erst mit der Bahn reisen und immerhin einmal umsteigen. Kurz nach neun wurde das Paket von Kamerateams am Bahnhof empfangen und der Kulturdezernentin Rita Thies und dem Geschäftsführer des buchhändlerischen Landesverbandes, Klaus Feld, ausgehändigt. Ein Mitsubishi – der japanische Autohersteller gehörte neben der Bahn zu den Sponsoren – brachte es dann eiligst in die Villa Clementine, das Wiesbadener Literaturhaus.
Etwas verblüfft und erstaunt war die Kulturdezernentin schon: „Immerhin steckt doch in jedem Buch ein Stück Muße. Insofern ist bei dem Projekt ein Augenzwinkern dabei. Aber es ist lektoriert und handwerklich ordentlich verarbeitet. Sogar ein Hardcover. Jetzt ist natürlich umso spannender, was drinsteht“. Für den Autor Christian Pfarr ist Tempo etwas Selbstverständliches. Er hat Mozart in seiner Geschichte „Sonata in blue“ zum Protagonisten gemacht, um dem Genie im Traum wie selbstverständlich andere Rhythmen und einen anderen Sound einzugeben. Denn irgendetwas war dem vergesslichen und verluderten Mozart diesmal ganz anders erschienen. Er, der sonst in den drei Grundharmonien, in Dur und moll denkt, fängt auf einmal an, englisch zu träumen. Und am Schluss klingt alles aus im „Let it be“ der Beatles. Und man summt zufrieden mit. Das Publikum reagiert begeistert. Und in Null komma nichts ist die erste Partie der von Landpresse angelieferten Bücher verkauft und von Pfarr auch schon signiert. „Gutenbergs Erbe“ – als Mainzer ist das fast jeder – kann mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein.
Die Bewunderung war umso größer, als zuvor auf dem Abend den Besuchern der keineswegs Allerweltsveranstaltung die ganze Mühe der Buchherstellung und bewusster Buchgestaltung vor Augen geführt worden war. Mit Dias hatten im Gespräch die Leiterin der Stiftung Buchkunst, Uta Schneider, und die erfahrene Herstellerin der Büchergilde Gutenberg und Jurorin, Grit Fischer, dem Publikum die schönsten und preisgekürten Bücher des letzten Jahres nahegebracht. Was ein gut gestaltetes schönes Buch – gleich welcher Gattung – ausmacht, liegt jedenfalls nicht am Budget. Der Reisebuchverleger Peter Meyer hatte das Publikum dazu animiert, selbst einen Druckbogen richtig zu falten. Gar nicht so einfach. Büchermachen will gelernt sein. Bei 48 Seiten kann, wenn man nicht aufpasst, alles ganz schnell durcheinandergeraten. Oder, schlimmer noch – so seine jüngste eigene schmerzliche Erfahrung – kann ein Seitenblock auf einmal im falschen Umschlag stecken. Dann steht „Spessart“ drauf und ist „Pfalz“ drin.
„Homer ist, wenn man trotzdem lacht“ sangen bei der Auflösung des Welttags-Preisrätsels Wolfgang Vater und Ursula Illert im Duett, die Klassiker parodierend. Des Rätsels wahre Lösung allerdings: Shakespeare. „Schlägst Du nach bei Shakespeare und die Frauen sind alle hin.“ Genial.

Petra Kammann

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