Horacio Castellanos Moya in Frankfurt, der “Stadt der Zuflucht”

Horacio Castellanos Moya

Der salvadorianische Schriftsteller Horacio Castellanos Moya (*1957 in Honduras) wird als dritter Autor von der Stadt Frankfurt und der Frankfurter Buchmesse im Rahmen des Programms “Stadt der Zuflucht” aufgenommen; Castellanos Moya ist gestern in Frankfurt eingetroffen.

1998 hatte sich die Stadt mit Unterstützung der Frankfurter Buchmesse dem Netzwerk der Städte der Zuflucht angeschlossen, das vom Internationalen Schriftstellerparlament (Gründungspräsident Salman Rushdie) aufgebaut worden war. Als erster Autor wurde 1998 der Iraner Faradsch Sarkuhi in Frankfurt aufgenommen, anschließend der weißrussische Romancier Vasil Bykov.

1981 vor dem Bürgerkrieg aus seiner Heimat geflohen, begann Castellanos Moya in Mexiko mit seiner literarischen Tätigkeit. Nach zwei Erzählbänden veröffentlichte er 1989 mit „La Diaspora“ seinen ersten Roman, der mit dem nationalen Romanpreis der Universidad Centroamericana in San Salvador (UCA) ausgezeichnet wurde. Doch sein Werk verschaffte ihm auch Feinde: Im August 1997, nach der Veröffentlichung der Novelle „El Asco. Thomas Bernhard en San Salvador“, in der er die Frustration über das sogenannte “Nachkriegs”-El Salvador in heftige und erbarmungslos kritische Worte verpackte, erhielt seine Mutter Morddrohungen gegen den Sohn. Da diese Drohungen aus durchaus mächtigen Kreisen kamen, sah der in Guatemala arbeitende Autor genug Gründe, nicht mehr in seine Heimat zurückzukehren.

Seitdem verdient er seinen Lebensunterhalt mit journalistischer Arbeit für verschiedene salvadorianische, mexikanische und guatemaltekische Zeitungen und Zeitschriften.

Sein literarisches Schaffen bleibt weiterhin der Kritik an den Mißständen in seinem Heimatland verpflichtet. Das Thema Gewalt herrscht in allen seinen Romanen vor, schonungslos beschreibt er Korruption und Kriminalität der salvadorianischen Oberschicht und provoziert damit immer wieder heftige Reaktionen. Castellanos Moya selbst erklärt dies so: “Was die Leute an meinen Büchern überrascht: dass es in ihnen weder Gut noch Böse gibt. Alle sind schlecht.”

Die gradlinig erzählten Romane, von denen bisher zwei in deutscher Übersetzung im Züricher Rotpunktverlag erschienen sind (Die Spiegelbeichte und Der Waffengänger, beide 2003 in der Übersetzung von Jan Weiz), verunsichern durch die scheinbare Verharmlosung von Gewalt und durch die Sprache, einmal schnodderig-unterkühlt, einmal kitschig bis brutal. So gelingt es dem Autor, das schonungslose Psychogramm einer zerstörten Gesellschaft zu skizzieren.

In Frankfurt möchte Horacio Castellanos Moya an einem neuen Roman arbeiten, der am Beispiel zweier Familien – eine aus El Salvador und eine aus Honduras – die bewegte Geschichte El Salvadors in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachzeichnen soll. Ein weiteres Projekt des Autors ist eine Aphorismensammlung.

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