Ehrengastprogramm Flandern und die Niederlande / Arnon Grunberg und Charlotte van den Broeck eröffnen Buchmesse

Plakat zur Frankfurter Buchmesse

Heute Vormittag fand im Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt eine Pressekonferenz zum gemeinsamen Ehrengastauftritt von Flandern und den Niederlanden zur Frankfurter Buchmesse 2016 statt.

Vertreter der Buchmesse und des Ehrengast-Teams informierten über das rund 400 Veranstaltungen umfassende Programm rund um die Messe, den Pavillon und über diverse Kulturevents im Umfeld der Frankfurter Buchmesse. Matthias Pees, Intendant und Geschäftsführer des Künstlerhauses Mousonturm, begrüßte die Medienvertreter und verwies darauf, dass im Mousonturm das Festival-Zentrum mit einem Gastland-Café, das bereits am 17. September öffnet, eingerichtet wird.

Außerdem werden im Mousonturm ab 17. September unter dem Titel Tolle Künste zehn Positionen aus den Bereichen Theater, Tanz und Performance gezeigt.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, erinnerte sich daran, dass er 1993, als Flandern und die Niederland schon einmal Ehrengast der Buchmesse waren, einen Reader zu niederländischer Literatur zusammengestellt hatte. Nun, 23 Jahre später, habe das Ehrengast-Motto Dies ist, was wir teilen/Dit is wat wij delen eine große Bedeutung in schwierigen Zeiten. Das niederländische delen beinhalte auch teilhaben lassen – eine wichtiger Aspekt.

Boos freute sich, zwei Autoren – Arnon Grünberg und Charlotte Van den Broeck als Festredner zur Messeeröffnung am 18. Oktober begrüßen zu können.

Bart Moeyaert, Künstlerischer Leiter des Ehrengast-Teams, erläuterte seine Gedanken zum Messeauftritt: „Ausgangspunkte waren erstens, dass wir die nächsten Nachbarn von Deutschland sind, zweitens, dass wir bereits einmal Ehrengast waren. Das hat Vor- und Nachteile. Ein Nachteil ist, dass man annehmen könnte, man kenne schon alles. So stellte sich mir die Frage: Wie präsentiert man sich neu?“ Moeyaert und sein Team suchten nach einer Verbindung zwischen allen drei Ländern und fanden die Nordsee und damit das Motto. Er zitierte Heinrich Heine, der in seinen Reisebildern schrieb: „Oft wird mir sogar zumute, als sei das Meer eigentlich meine Seele selbst …“

Flandern und die Niederlande verbinden eine gemeinsame Sprache und eine gemeinsame Geschichte – und die Nordsee, die gleichzeitig die Dynamik beider Regionen symbolisiert.

„Im Fokus unseres Auftritts steht die Idee, das Beste aus allen Genres vorzustellen“, sagte Moeyaert. Außerdem gibt es eine Ausschreibung für neue Texte, die dann auf der Buchmesse präsentiert werden sollen.

Über die Deutschland-Tour des Ehrengastes informierte Judith Uyterlinde, Koordinatorin des literarischen Programms. Vor zwei Jahren habe man mit der Vorbereitung der Buchmesse begonnen und sei in Deutschland auf großes Interesse für neue Literaturformen gestoßen. Autoren aus Flandern und den Niederlanden beteiligen sich seit März 2016 an zahlreichen Literaturfestivals in Deutschland, der Auftakt war bei der lit.Cologne. Insgesamt stehen acht Städte in Deutschland auf dem Programm.

Außerdem gibt es eine Veranstaltungsreihe der Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz, bei der flämische und niederländische mit deutschen Autoren in Gesprächen zusammentreffen – keine Wasserglaslesungen also. Mehr wird dazu bald auf www.literaturhaus.net veröffentlicht werden.

Bart Moeyaert machte auf Architektur und Programm im Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse aufmerksam. Der Horizont an der Nordseeküste ist für die flache niederländisch-flämische Landschaft Ankerpunkt und visuelle Grenze der Aussicht gleichermaßen. Die Struktur des 2300 Quadratmeter großen Pavillons lenkt das Interesse der Besucher an die Ränder; da gibt es die Ausstellung books on mit über 800 Büchern aus den und über die Ehrengastregionen. Weitere Expositionen, ein Lesungstheater und ein Atelier für Graphic Novelists vervollständigen den äußeren Bereich. Zudem wird in diesem Atelier die Zeitung Parade entstehen – jeden Tag wir live von verschiedenen Autoren und Künstlern daran gearbeitet.

Gert Kwekkeboom, Designer des Pavillons, Architekturbüro The Cloud Collective, ergänzte, dass die offene Landschaft im Inneren durch transparente Wände unterteilt wird, die Erlebnis- und Ruhebereiche schaffen und wie optische Linsen funktionieren.
Der Boden des Pavillons ist mit Backsteinen gestaltet. Es gibt Liegestühle und Hörmöbel sowie eine „Wunderkammer“, in der sich Gegenstände von Schriftstellern befinden.
Herzstück des Pavillons ist das Theater, das ein abwechslungsreiches Programm in zehn Formaten bietet.
Ein Pavillon im Pavillon ist der Absent Room, der an das Barcelona-Haus von Mies van der Rohe zur Weltausstellung im Jahr 1929 erinnert.
Im Pavillon wird auch die Buchhandlung Land in Sicht aus Frankfurt vertreten sein und etwa 250 Titel aus Flandern und den Niederlanden anbieten, die in diesem Jahr auf Deutsch erschienen sind.

Judith Uyterlinde fügte hinzu, das der Tag im Pavillon von Mittwoch bis Sonntag um 9.30 Uhr mit Goeiemorgen starte, einem 20-minütigen Live-Radioprogramm mit einem aktuellen Ausblick auf den Tag.

Am Samstag, 22. Oktober wird im Pavillon außerdem der Else Otten Übersetzerpreis überreicht, der alle zwei Jahre für die beste deutsche Übersetzung eines niederländischsprachigen literarischen Werks vergeben wird.

Der Ehrengast ist selbstverständlich nicht nur im Pavillon präsent, sondern beispielsweise auch auf der Agora, im Lesezelt, auf der Kunstmeile in Halle 4.1, im Klassenzimmer der Zukunft in Halle 4.2 und auf der Lowlands-Bühne in Halle 5.0.

Das Kulturprogramm in Frankfurt startet am 3. September mit der Ausstellung Laure Prouvost. All behind, we’ll go deeper, deep down and she will say im Museum für Moderne Kunst 3. Am 10. September wird am Schauspiel Frankfurt die Deutschlandpremiere von Königin Lear zu sehen sein. Vom 17. September bis 15. Januar 2017 ist im Museum für Moderne Kunst Fiona Tan. Geografie der Zeit zu erleben. Im Fotografie Forum Frankfurt stellt Hanne von der Woude Emmy’s World vom 24. September bis zum 4. Dezember aus. Vom 28. September bis zum 6. November präsentiert das Städel Museum im Garten David Claerbout. Untitled (anonymous). Das Deutsche Architekturmuseum zeigt vom 8. Oktober bis zum 29. Januar 2017 Maatwerk/Maßarbeit. Architektur aus Flandern und den Niederlanden. Das Projekt State of the City kann vom 14. Oktober bis zum 18. Dezember im Verein Basis besucht werden. Verfilmungen flämischer und niederländischer Literatur bietet das Deutsche Filmmuseum vom 15. bis zum 20. Oktober an. Eine Exposition zu Willem de Rooij steht im Museum für Moderne Kunst 2 vom 15. Oktober bis zum 16. April 2017 im Mittelpunkt.

Bas Pauw, Projektleiter, informierte über Zahlen und Fakten: Die meisten Übersetzungen aus der niederländischen Sprache erscheinen seit Jahren in Deutschland. Bislang konnten flämische und niederländische Verlage 230 Übersetzungen an deutsche Editionshäuser verkaufen, es wird bis zur Messe mit über 250 Titeln gerechnet. 376 Neuerscheinungen aller Genres aus den Gastregionen werden auf der Messe vorgestellt. „Die Zahl der deutschen Verlage, die Übersetzungen aus Flandern und den Niederlanden veröffentlicht, ist um 25 Prozent gestiegen“, unterstrich Pauw, 132 deutsche Verlage haben entsprechende Werke in ihrem Portfolio. 70 flämische und niederländische Autoren werden zur Frankfurter Buchmesse erwartet.

Gesucht wird außerdem Die schönste Gastbuchhandlung. Bereits Mitte Juli ist der Kick-off für München, Berlin und Frankfurt geplant, eine Kampagne begleitet vor, während und nach der Buchmesse den Ehrengast-Auftritt in den Buchhandlungen. Bis spätestens 8. Juli sollten sich Buchhandlungen dafür anmelden, den Gewinnern winkt ein Wochenende in Antwerpen.

JF

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