Die 39. Kinderbuchmesse in Bologna ging am Samstag zu Ende

Kalt war’s, darin waren sich alle einig, und was im Wetterbericht ergiebiger Regen genannt wird, führte ausgerechnet der Himmel über Bologna eindrucksvoll vor. Das schlechte Wetter und der geringe Publikumsverkehr der Fachmesse rund um Medien für Kinder und Jugendliche waren gute Voraussetzungen für intensive Gespräche: Niemand musste das Standinventar gegen Schülerherden verteidigen und keiner wagte sich freiwillig nach draußen.
Ruhig war’s und dennoch angespannt in Halle 30, in der die deutschsprachigen Verlage vertreten waren. Von Zukäufen wurde noch nichts verlautbart, allerdings ist auch nicht mehr allzu viel aufzuteilen, wenn man allein die rund 70 Einträge unter der Rubrik Germany im Messekatalog den Verlagsgruppen zuordnet.
Beim Lizenzgeschäft herrschte allgemeine Zufriedenheit, vor allem Koreaner zeigten großes Interesse am deutschsprachigen Angebot. Fritz Panzer, Verlagsleiter Ueberreuter, erhielt allein von fünf griechischen Verlagen Angebote für den derzeit in Österreich heiß diskutierten Jesus-Comic von Gerhard Haderer.
Jeanette Hammerschmidt, Leitung Presse und Lizenzen bei Loewe, freute sich, dass sie die Bände der Trilogie von Kai Meyer nun in Bologna anbieten konnte. Die Rechte hatte sie drei Wochen vorher vom Agenten Michael Meller bekommen, der den Autor international vertreten hatte.
Für Joost Nijhoff, der Lizenzen für Tivola verkauft, war auffällig, dass sich im Bereich Neue Medien die Anzahl der Aussteller deutlich verringert hatte, einige Anbieter mussten im Zuge der Börseneinbrüche aufgeben.
Der Hans Christian Andersen Award war in diesem Jahr vor allem für den Ravensburger Verlag Grund zu Freude, der den größten Teil der Bücher von Aidan Chambers im Programm hat. Er erhielt die höchste Auszeichnung im Kinderbuch-Bereich als Autor, als Illustrator wurde Quentin Blake geehrt, der in Deutschland vor allem durch die Zeichnungen zu den Roald Dahl-Büchern bekannt ist.
Bei Altberliner freute sich Verleger Stefan Schmidt über die hohe Akzeptanz eines neuen Characters von Andreas Schlüter. „Mörfi“ wird die neue Buchreihe heißen, die von Karoline Kehr illustriert wird. Und eine zweite Nachricht sorgte für besondere Begeisterung: Gleich am ersten Tag hatte Illustrator Klaus Ensikat feierlich versprochen, sich nun endlich dem Weihnachtsmärchen von Dickens zu widmen, ein Band, auf den der Handel schon seit Jahren wartet und mit dem nun fest im Herbst 2003 zu rechnen ist.
Überhaupt: die Illustratoren, sie stehen im Mittelpunkt der Messe. Für das Illustratoren-Archiv Filu, das seit 1998 von Michael Etter, Edition Inkognito, betreut wird, ist Bologna der wichtigste Treffpunkt, „leider, weil es so teuer ist.“ Aber die Mappen der rund 500 Künstler, die sich dem Archiv angeschlossen haben, werden dort von einem internationalen Publikum gründlich wahrgenommen.
Die Illustratorenschau zeigte in diesem Jahr 93 Künstler im Bereich Fiction und 66 Künstler im Bereich Non Fiction – von einer Jury ausgewählt aus insgesamt 2460 Bewerbern. Die Veranstaltungen des Illustratorencafés waren deutlich besser besucht als in den Vorjahren, Michael Neugebauer, Verleger Neugebauer Verlag, der gemeinsam mit Grimm Press Verleger K.T. Hao, Tipps gab, wie Illustratoren an Verlage herantreten sollten, freute sich über den hohen Aufmerksamkeitsgrad des Publikums.
Das schwarze Brett vorm Eingang des Cafés, an dem unzählige Künstler ihre Visitenkarten und kleine Arbeitsproben anbrachten, war permanent umlagert. Christine Paxmann, Leiv Verlag, hatte dort im vergangenen Jahr Katalin Szegedi entdeckt, von der inzwischen ein Bilderbuch in der Reihe Mondino erschienen ist, und begab sich in diesem Jahr wieder auf Talentsuche.
Unzählige Nachwuchs-Illustratoren suchten während der vier Messetage auch den persönlichen Kontakt zu Verlegern und warteten geduldig auf Kritik und Anregungen zu ihren Mappen. Sie sind die eigentlichen Helden von Bologna, ganz besonders die, die in diesem Jahr auf dem Campingplatz nahe der Messe zelteten.

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