Der Bericht von der 51. Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna – mit vielen Fotos!

Der Regen war wärmer als im vergangenen Jahr, und es gibt jede Menge neue Geschichten zu erzählen. Unser Bericht von der 51. Kinderbuchmesse in Bologna, die am gestrigen Donnerstag zu Ende ging, ist wie immer unvollständig, dafür mit vielen Bildern versehen. Die meisten Messe-Gäste dürften die Heimreise inzwischen bewältigt haben, trotz Streiks an den deutschen Flughäfen. Willkommen daheim!

Wer mit dem Auto über den Brenner anreiste, konnte beim traditionellen Empfang der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) am Sonntag Abend von Schnee- und Stau-Chaos berichten. avj-Vorsitzende Renate Reichstein begrüßte die Gäste mit einer kurzen Ansprache, in der sie u.a. die Marktentwicklung und die Konkurrenz der Kinder- und Jugendbücher zu anderen Unterhaltungsmedien ansprach – „Die Messlatte liegt hoch.“

Nach Angaben der Veranstalter hatten sich 1.200 Aussteller angemeldet, davon 1.100 aus dem Ausland, 74 Länder waren vertreten. Erstmals hatte man in der Halle 33 eine Buchhandlung auf die Beine gestellt, in der internationale Titel zu erwerben waren und Veranstaltungen für Kinder stattfanden. Das Motto: „Don’t tell the Grown-Ups“. Hatten die natürlich trotzdem mitbekommen. Der erfreuliche Trubel dort kam aber nicht in Berührung mit der Fachbesucher-Messe. Zugleich hätte die Umsätze der Buchhandlung wohl jeder gern in der Kasse gehabt. Lange Schlangen an der Kasse.

Der neue deutsche Gemeinschaftsstand

Der deutsche Gemeinschaftsstand der Frankfurter Buchmesse hat sich in diesem Jahr neu aufgestellt, ist offener geworden und gibt Besuchern bessere Möglichkeiten, sich die präsentierten Bücher anzusehen. Für ein schwarzes Brett in der Lounge hat Standchefin Imke Buhre fleißig Polaroids von Besuchern gefertigt und aufgehängt.


Der Bilderbuch-Herbst
Isol, Kitty Crowther

Bologna ist die Messe der Illustratoren. Zahlreiche von ihnen waren angereist, darunter Isol, Rotraut Susanne Berner, Axel Scheffler und ebenso Newcomer wie Julie Völk www.julievoelk.de und Laura von Husen www.lauravonhusen.de. Die zentrale Ausstellung im Eingangsbereich ist jedes Mal anders. In diesem Jahr eher malerisch, kaum Collagen, einiges Grafisches. Anna Castagnoli, Kitty Crowther, Isabel Minhòs und Errol Van de Werdt haben als Juroren aus 3.190 Einsendungen aus 59 Ländern über die Zusammenstellung von 75 Künstlern entschieden. Aus dem deutschsprachigen Raum waren Tom Eigenhufe, Verena Hochleitner, Martina Liebig und Natascha Rosenberg vertreten.

Das Cover des Annuals, des Katalogs, der alle Teilnehmer der Ausstellung zeigt, stammt von zwei Schweizerinnen: Evelyne Laube und Nina Wehrle arbeiten unter dem Namen It’s raining Elephants www.itsrainingelephants.ch zusammen und haben schon eine Reihe von Preisen abgeräumt, zuletzt den Grand Prix der Biennale der Illustration in Bratislava. Wir werden sie später wieder treffen.

Denn zunächst hören wir uns um, wie der Bilderbuchherbst in den deutschen Programmen aussehen wird. Markus Weber erzählt von einer dicken Pappe, die im Moritz Verlag erscheinen wird: Blau wie Pfau von Kimiko zeigt jeweils auf einer Doppelseite links das ganze Tier und rechts die Teile, aus denen es sich zusammensetzt.

Im neuen Magellan Verlag kommt die Pappe Lotti und Theo von Annabelle von Sperber www.annabellevonsperber.de, Carlsen bringt eine neue Produktform, Pappen mit Filz, unter dem Motto Erste Bücher leicht gemacht. Bei arsEdition kommt ein neuer Titel von Judith Drews www.atelierflora.de/albums/judith-drews/, die auf der Messe unterwegs ist, Das kleine Buch der großen Gefühle.

Auch Sonja Danowski www.sonjadanowski.com treffen wir in Bologna wieder. Ein Bilderbuch über die Nachkriegszeit von ihr, das bei Kalandraka erschien, ist im Herbst beim Auftakt des neu aufgestellten Bohem-Programms dabei, das von Annabel Lammers verantwortet wird: Der Anfang ist eine kleine Kostbarkeit, der Text stammt von Paula Carballeira, das Cover hat die Illustratorin für die deutsche Ausgabe neu gestaltet. Eine hochwertige Ausstattung mit Leineneinband soll das Kennzeichen der neuen Bohem-Bücher im Vertrieb von Coppenrath werden.

Ein weiterer Titel bei Bohem: Marie und die Dinge des Lebens von Tine Mortier und Kaatje Vermerre handelt u.a. von Demenz. Dieses Thema wird uns in den Herbst-Programmen noch öfter begegnen. arsEdition zum Beispiel bringt das Bilderbuch Oma isst Zement von Daniel Kratzke www.kratzke.info. Am 21. September ist übrigens Weltalzheimertag.

Und weiter geht’s: Klett Kinderbuch feiert fünfjährigen Geburtstag, mit einer Anke Kuhl-Sonderaktion. U.a. wird das erstmals bei Carlsen erschienene und vielfach vermisste Bilderbuch Cowboy will nicht reiten wieder aufgelegt, außerdem gibt es einen Schaufensterwettbewerb und ein Kunden-Gewinnspiel. Beltz & Gelberg bringt Julia Donaldsons und Axel Schefflers Vogelscheuchenhochzeit sowie Johannes Vogts und Felicitas Horstschäfers Pop-up Schattenmonster – mit beiliegender Taschenlampe. Ganz besonders freuen kann man sich auf zwei Revivals von Nikolaus Heidelbach: Was machen die Mädchen heute? und Was machen die Jungen heute?. Das wird ein Spaß.

Aladin verspricht einen neuen Titel von Atak, der von der letzten Wandertaube handeln wird, außerdem einen neuen Peter Sís über Antoine de Saint-Exupéry und Aladin und die Wunderlampe von Philip Pullman und Lorenzo Mattotti. Bei Jungbrunnen erscheint ein neuer Titel des Dreamteams Helga Bansch und Heinz Janisch, Arena bringt Igel Pavarotti von Sophie Schmid. Bei mixtvision erscheint ein neuer Einar Turkowski www.einarturkowski.de: Die Nachtwandlerin ist zunächst in besonderer Ausstattung und limitierter Auflage erhältlich. Was wir auf dem iPad sehen konnten, wird den Originalen nicht gerecht, die diesmal im Grundton Blau entstanden sind.

Auch bei mixtvision: Ulf, die Backenhörnchen und eine irre Verfolgungsjagd von Katja Alves und Trixi Schneefuß ist mit einer Folie versehen, die Scanimation-Effekte hervorzaubert. Als neue Illustratorin hat man Lena Schall www.wesenkammer.de im Programm, von der es Erzählbilder geben wird. Bei Lappan ein wunderschön illustriertes Bilderbuch von Anna Walker, Hilde.

Im musikalischen Bilderbuch bei Betz gibt es Eine kleine Nachtmusik. Autorin ist Kristina Dumas, illustriert hat Julia Dürr cargocollective.com/juliaduerr. Außerdem kommen Peer Gynt und Der Karneval der Tiere. Sowie Tierisches von Hubert Schirneck und Ina Hattenhauer: Der Waschbär putzt sein Badezimmer, darin werden Tiernamen wörtlich genommen.

Einen Blick auf das Cover von Ein Pflaster für den Zackenbarsch – Geschichten vom Doktorfisch hat uns Programmleiterin Cornelia Hjladej gewährt, und gerade in dem Moment kommt Autor und Illustrator Jens Rassmus persönlich vorbei. NordSüd-Verlagsleiter Herwig Bitsche freut sich (u.a.) über den Erfolg von Torben Kuhlmann, der ebenfalls nach Bologna gereist ist, und dessen Lindbergh im In- wie Ausland überaus gut ankommt. Für das Herbstprogramm kündigt Herwig Bitsche Willy Puchners ABC der fantastischen Prinzen an, dazu wird es eine Ausstellung auf Schloss Blutenberg geben. Und eine neue Binette Schröder: Der Zauberling.

Bärbel Dorweiler

Esslinger ist jetzt am Stand von Thienemann, und die neue Programmleiterin für beide Verlage Bärbel Dorweiler schwärmt u.a. von Sebastian Meschenmoser. Zu Recht. Gordon und Tapir ist wieder ganz großes Kino. Wer weiß, welche Seiten dieses Talents wir in Zukunft noch entdecken dürfen.

Bei Oetinger freut sich Verlagsleiterin Doris Janhsen auf den neuen Wurf von Susan Opel-Götz, in dem sich ein Hund fragt, wie es wäre, jemand anders zu sein. Eine Promi-Produktion gibt es bei Loewe, eine sympathische, wie Lizenz- und Pressefrau Jeannette Hammerschmidt verspricht: Heinz Rudolf Kunze hat sich mit Jens Carstens die Figur Quentin Qualle ausgedacht, das erste Bilderbuch mit Liedern heißt Die Moräne hat Migräne und ist von Julia Ginsbach illustriert. Parallel erscheint bei Edel das Hörspiel mit den von Kunze eingesungenen Liedern.

Wie immer mit einem großen Stand in Halle 30 vertreten: minedition von Michael Neugebauer, dort stellen sich besonders viele Illustratoren mit ihren Mappen an. Und werden entdeckt. Von Sybille Schenker wird nach Hänsel und Gretel nun Rotkäppchen erscheinen, man bastelt noch an den Ausstanzunge. Von der russischen Illustratorin Yana Sedova kommt Die Schneekönigin, von Keiko Kaichi Der Wolf und die sieben Geißlein.

Und dann gibt es die Momente, in denen wir uns freuen, bei den deutschen Ankündigungen Bücher wiederzufinden, die wir zuvor an den ausländischen Ständen begeistert betrachtet haben. Gerstenberg-Verlagsleiterin kündigt Øyvind Torseters Das Loch an. Bei Cappelen Damm ist es ein Pappband mit gelbem Rand, in Deutschland wird es auffälliger präsentiert mit gelbem Cover. Der Clou ist eine Lochstanzung in der Mitte des Buches, die in der Geschichte unterschiedlichste Rollen spielt, mit jeder Menge Situationskomik. Ganz anders als Papas Arme sind ein Boot.

Carlsen bringt Der Löwe und der Vogel, das am Stand von La Pastèque prominent ausgestellt ist, eine Geschichte mit viel Herzenswärme. Und Peter Hammer-Verlegerin Monika Bilstein erzählt von Allessandro Sannas Der Fluss. Die Originalausgabe von Rizzoli ist uns am ersten Abend in der Kinderbuchhandlung Stoppani an der Piazza Maggiore in die Hände gefallen. Ohne Worte in Panels erzählt der Italiener die Geschichte eines Flusses über die Jahreszeiten. Ein ganz besonderes Projekt.

bild(m, 33381)Vielleicht schafft es auch das mit einer lobenden Erwähnung bei den Bologna Ragazzi Awards [mehr…] versehene L’ombre de chacun von Mélanie Rutten (Editions MeMo) nach Deutschland. Beltz & Gelberg hatte bereits die wunderschönen Jahreszeiten-Bücher veröffentlicht, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.


Das Kinderbuch lebt

Es hat wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten, und viele richten ihr Augenmerk auf den Bereich „Middlegrade“. Die Annahme, dass Kinder schneller älter werden, führt zu neuen Reihenpositionierungen und vielen Diskussionen über die Covergestaltung, vor allem was den Bereich der etwa Elfjährigen angeht – der Kinder, die noch keine Jugendlichen sind, aber Abstand von Kinderkram nehmen.

Ob letztlich nicht doch die Geschichten zählen? Eine Wiederentdeckung dürfte in diesem Jahr den Mumins gewiss sein, denn zum einen ist Finnland Gastland auf der Frankfurter Buchmesse, zum anderen jährt sich der 100. Geburtstag von Tove Jansson. Ihre Bücher und die Merchandising-Produkte wurden in Bologna zwischen Halle 29 und 30 gegenüber vom Authors’ Café präsentiert und lassen manchen Besucher verzückt stehen bleiben. Die Geschichten bei Arena und die Comics bei Reprodukt sind zweifelsohne einen Thementisch wert.

Vielleicht werden auch weitere Titel der schwedischen Schriftstellerin Barbro Lindgren wieder auftauchen [mehr…]. Oetinger-Verlegerin Silke Weitendorf war anwesend, als im Illustrator’s Café die ALMA-Preisverkündung aus Stockholm übertragen wurde. Der Preis ist mit 445.000 Euro dotiert. Bei Oetinger ist Die Geschichte vom kleinen Onkel und die Max-Reihe erschienen.

Mit Spannung erwartet wird das erste Programm der Königskinder von Barbara König unter dem Dach von Carlsen. Soviel ist klar: Es wird einen neuen Andreas Steinhöfel geben, der Anders heißt. Aber weitere Details werden erst im Mai verkündet.

Bei Beltz & Gelberg gibt des den Ursuppenprinz von Christina Erbertz mit Illustrationen von Daniel Napp, bei Thienemann erscheint ein zweiter Ben-Band von Oliver Scherz. Franziska Gehm startet bei Loewe eine neue Reihe mit den Vulkanos. Die Vulkanos pupsen los heißt der erste Band. Es wird viel gepupst im aktuellen Kinderbuch, so scheint es.

Außerdem bei Loewe: Der neunte Lola-Band von Isabel Abedi. Hanser-Verlagsleiter Ulrich Störiko-Blume schwärmt vom dritten Maulina-Buch von Finn-Ole Heinrich, bloomoon wiederum hat Wolfgang und Heike Hohlbein für Kinderbücher ab zehn Jahren gewonnen: Die wilden Schwäne nach Hans Christian Andersen sind der erste Band von möglichen weiteren.

Gerstenberg bringt Martha Heesens Hunde muss man gar nicht mögen mit Illustrationen von Maja Bohn, Residenz Marjaleena Lembckes Eva im Haus der Geschichten mit Bildern von Elsa Klever sowie Saskia Hulas Das größte Geheimnis der Welt, illustriert von Ina Hattenauer.

Katja Krieger, Alexandra Borisch

Bei Kerle freuen sich Programmleiterin Alexandra Borisch und Marketing-Leiterin Katja Krieger darüber, dass sie schneller älter geworden sind als gedacht. Was tatsächlich heißt: Man hat jetzt auch Kinderbücher für eine ältere Zielgruppe im Angebot und möchte dort weiter wachsen. Lese-Exemplar wird Carlanca Carlsons Hilary und der fast ganz ehrbare Club der Piraten, eine Geschichte ab zehn Jahren. Freude mache auch die Arbeit mit Jeannette Biedermann und Katharina Wieker, erzählen die Kerle-Kolleginnen. Das gemeinsame Kinderbuch soll im September kommen.

Das Herzensbuch von Eva Kutter, Programmleiterin für erzählendes Kinder- und Jugendbuch bei Fischer, ist Kathrine Catmulls Vogelherz (Fischer KJB), und Kosmos-Programmleiterin Birgitta Barlet freut sich auf den zweiten Band von Uli Leistenschneider. Die Kosmos-Lektorin legt mit Nashörner haben auch Gefühle nach. Und Drei ???-Nerds können sich auf eine Pracht-Ausgabe freuen: Die drei ??? und die geheimen Bilder präsentiert 175 Fälle im Überblick mit unveröffentlichten Coverentwürfe zum Preis von 39,99 Euro.

Ueberreuter bringt Eine Messerspitze voll Magie von Lisa Graff, und vergleicht es mit dem Kinofilm „Die fabelhafte Welt der Amélie“, Kuchenrezepte inklusive, ab elf Jahren. Und bei Magellan begegnet uns das Thema Demenz wieder: Das Lieblingsbuch von Pressefrau Katharina Nüßlein ist Uticha Marmons Als Opapi das Denken vergaß.

mixtvision setzt die bemerkenswerte Reihe „Dramatiker erzählen für Kinder“ fort. Martin Heckmanns ist begeistert über die Illustrationen von Stefanie Harjes zu seiner Geschichte Konstantin im Wörterwald, „weil das Suchende, auch Fragmentarische, leicht Unheimliche und Sehnsuchtsvolle drin ist“.


Diskussionen über das Jugendbuch

Was darf es, was soll es, und wer soll das bezahlen? In Bologna wurde vor allem über die Entwicklungen im Jugendbuch diskutiert. Da sind zum einen die zum Teil horrenden Vorstellungen von lizenzgebenden Verlagen bzw. Agenten, was die Vorschüsse betrifft. Immer mehr deuten an, dass sie sich nicht mehr an Auktionen beteiligen, die einen Tag zuvor mit einem dürftigen Proposal angekündigt werden. Und auch bei längeren Entscheidungszeiträumen überlegt man sich gut, ob man die Summen wieder einspielen kann.

Matthias Siebel

Dabei bleibt das Feld lukrativ, was die Neugründung des Labels „one“ unter dem Dach von Bastei Lübbe zeigt [mehr…]. Der Gesamtleiter Kinder- und Jugendbuch Matthias Siebel schaute sich gemeinsam mit Verlagsleiterin Paula Peretti und Baumhaus-Verleger Bodo Horn-Rumold nach neuen Stoffen um. Auch wenn das meiste vor der Messe entschieden wurde, in Bologna gibt es immer wieder auch zufällige Begegnungen abseits der bekannten Adressen, die zu Erfolgstiteln führen können.

Zum anderen wurde ein Artikel der Journalistin Christine Knödler diskutiert, der zur Leipziger Buchmesse in der Welt erschienen war www.welt.de/kultur/literarischewelt/article125685437/Wir-haben-da-ein-Problem-fuer-dich.html. Darin bezog sie Stellung zu den Grenzen von Jugendliteratur, hinterfragte, was dem Leser zumutbar sei und distanzierte sich von Titeln wie Bunker Diary des mehrfach ausgezeichneten Kevin Brooks (dtv) in der Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn und Friedrich Anis Die unterirdische Sonne (cbt). Ein Artikel, der polarisiert, und wen immer man traf in Bologna, jeder hat eine Meinung dazu, nicht selten eine konträre. Bleibt abzuwarten, ob kommende Titel ähnlichen Gesprächsstoff bieten werden.

Einiges Historisches ist dabei, rotfuchs-Programmleiterin Christiane Steen hat Phillip Kerrs Winterhorses eingekauft, der Hintergrund ist der Zweite Weltkrieg. Und William Sutcliffs Auf der richtigen Seite thematisiert die Konflikte in der Westbank und wird derzeit vom Jugendtheater in Bonn aufbereitet. Bei Gerstenberg erscheint Galgenmädchen von Pat Beirs und Jean Claude Rijckeghem, übersetzt von Mirjam Pressler. Und auch Gerd Ruebenstrunks Schattensammler (bloomoon) hat einen historischen Hintergrund mit Jahrmarkt-Setting.

Aus dem Finnischen kommen Wir fallen nicht von Seita Vuroela beim Ravensburger Buchverlag und So rot wie Blut von Salla Simukka bei Arena. Krimis bleiben Thema, wie bei Ravensburger mit Andreas Jungwirths Kein einziges Wort oder bei Loewe Ursula Poznanski, die ihre Trilogie mit dem Titel Die Vernichteten beendet. Und Thienemann bringt die Liebesgeschichte zwischen zwei Jungen, Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums von Benjamin Alire Saenz in der Übersetzung von Brigitte Jakobeit.

Fischer Taschenbuch-Programmleiterin Antje Keil arbeitet an der Neuaufstellung [mehr…] und kann im Herbst sowohl die Romane zur TV-Serie Nymphs anbieten als auch den Roman eines Holocaust-Überlebenden: Der Junge auf der Holzkiste. Mehr Realismus konstatieren die meisten Programm-Macher bei den gesichteten Angeboten im Jugendbuch. Und Ulrike Metzger, Leiterin des Kinder- und Jugendbuchs bei Fischer, freut sich besonders auf Ich bin Malala. Auf ihre Anregung hin hatte der Originalverlag die Autorin Patricia McCormick dafür gewinnen können, die Lebensgeschichte des weltweit bekannt gewordenen mutigen Mädchens aufzuschreiben. Man arbeitet daran, Malala im Herbst für einige wenige Veranstaltungen nach Deutschland zu holen.


Sachbuch – Die Suche geht weiter

Ja, es ist schwierig, das Sachbuch für die etwas ältere junge Zielgruppe, aber es geht weiter. Tessloff hat an der Was ist Was-Reihe gearbeitet, bei Dorling Kindersley feilen Programmleiterin Monika Schlitzer und Lektorin Martina Glöde am Ausbau der memo-Reihe. Abseits davon verspricht ein besonderes Projekt Umsatz fürs Weihnachtsgeschäft: Wissen heißt der umfangreiche Bildband, in dem einzelne Themen mit aufwändigen 3D-Illustrationen erklärt werden. 40 Jahre DK ist das Thema am internationalen Stand in Halle 26, und der Schwung, den ein viertägiger Workshop in London mit 570 Mitarbeitern des Verlags aus aller Welt gebracht hat, ist allen Anwesenden noch anzumerken.

Am Egmont-Stand freut sich Verlagsleiter Volker Busch über den Erfolg der ersten beiden Minecraft-Bände (Schneiderbuch), die auf Anhieb auf den Spitzenplätzen der Spiegel-Bestseller-Liste Kindersachbuch gelandet sind. Gerstenberg kündigt Das große Wimmel-Kochbuch von Dagmar von Cramm und Rotraut Susanne Berner an, das die Wimmlingen-Welt erweitern wird. Einen besonderen Band haben die Hildesheimer auch mit Jan Paul Schuttens und Floor Rieders Evolution oder das Rätsel von allem, was lebt im Programm.

Klett Kinderbuch-Verlagsleiterin Monika Osberghaus ist begeistert von Katharina van der Getlens Klär mich auf – 100 echte Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema, in dem die Grundschul- und Sexualpädagogin anonyme Fragen von Kindern beantwortet.

Und bei Coppenrath bereitet man den 75. Geburtstag von Antje Vogel im November vor – jener Illustratorin, mit der das Münsteraner Kinderbuchprogramm begann, ihr Liederbuch wird neu aufgelegt. Musik auch bei Gabriel, Jan von Holleben hat mit seinem besonderen Look 50 Kinderlieder aus Deutschland und Europa aufbereitet, ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Berliner Philharmonie.


Was noch?

Um ehrlich zu sein, eitel Sonnenschein herrschte auch innerhalb der Hallen der Bologna-Messe nur begrenzt. Tatsächlich werden die deutschsprachigen Verlage vom Ausland immer noch beneidet, und man traut ihnen utopische Summen für vermeintliche Bestseller zu. Zugleich wurden sie aber immer wieder auf das Thema Weltbild angesprochen. Während die Programme vielfältig bleiben, wird die Personaldecke in einigen Häusern dünner, und einige Kollegen musste man in diesem Jahr vermissen.

Das Thema Digitalisierung hingegen macht die Kinderbuchszene weniger nervös, so zumindest unser Eindruck aus vielen Gesprächen. Rund um Leipzig kam die Meldung aus dem Hause Oetinger, dass man das Projekt Oetinger34 starte, das sich noch in einer Beta-Phase befindet und als Antwort auf Self-Publisher verstanden werden darf [mehr…]. Doris Janhsen hat während der Messe viele Fragen dazu beantwortet. U.a. jene, was die 34 bedeuten soll – es ist die Hausnummer der Niederlassung in der Hamburger Max-Brauer-Allee.

Aber auch kleinere Projekte entstehen, wie der Tilda Marleen Verlag www.tildamarleen.com von Anna Karina Birkenstock und Caspar Armster, der Bilderbücher auf den Bildschirm bringt und derzeit an der Umsetzung von rund 800 Cartoons von Marunde als App arbeitet.

Traditioneller geht es Matthias Glatzel aus Berlin an, der mit seinem ersten Buch nach Bologna gereist ist und es am Gemeinschaftsstand aufgebaut hat: Zooloori Fuchs-Tour bietet Anleitungen für jede Menge Falttiere und liefert Bastelbögen mit, zooloori.de.

Sascha Simon sehen wir in Bologna wieder, und das wird seinen Grund haben. Wir sind gespannt, was wir demnächst melden dürfen, nach ihrer Trennung von Tulipan [mehr…]. Neuigkeiten wird es in Kürze auch aus dem Hause cbj/cbt geben, dann erfahren wir mehr über die Herbsttitel. Georg Glöckler arbeitet an der Neuausrichtung von Ueberreuter [mehr…].

Hendrik Hellige wiederum, langjähriger Bologna-Gast, hält nun Ausschau nach geeigneten Titeln für das neue Kinderbuchprogramm Die kleinen Gestalten. Dass er da einen guten Spürsinn hat, beweist die lobende Ragazzi-Award-Erwähnung von Icinoris Issun Bôshi aus dem Hause Actes Sud junior, das die Gestalten bei uns bringen werden. Auch Abgefahrenes greifen wir am Rande auf: „Dino Romance“ werde angeboten, verrät uns eine Verlagsleiterin, „als wenn man als Teenager nicht schon genug Probleme hätte, da muss man auch noch ein halber Dinosaurier sein“.

Und die Hans-Christian-Andersen-Preise tragen wir an dieser Stelle noch nach, sie gingen an Nahoko Uehashi aus Japan und Roger Mello aus Brasilien. Brasilien war in diesem Jahr Gastland in Bologna, die Präsentationsform der Illustrationen wurde den Künstlern nicht gerecht. Eingelassen auf Tische verschwanden sie ein wenig im Gesamtbild der Messe.

Ausgezeichnet: Catarina Sobral

Die Portugiesin Catarina Sobral konnte sich über den Preis der Fundación SM freuen, der im Rahmen der Bologna-Messe an einen Teilnehmer der Illustratoren-Ausstellung verliehen wird. Vor zwei Jahren waren übrigens Evelyne Laube und Nina Wehrle die Glücklichen, die für SM dann das Bilderbuch ¿Quien es Guillermo Tell? gestalteten. Eingereicht hatten sie damals das Projekt Die große Flut, erschienen beim Schweizerischen Jugendschriftenwerk.

Wie die Künstlerinnen zusammenarbeiten und was sie ausmacht, ist eine ganz eigene Geschichte. Bislang gibt es keine Publikation in einem deutschen Verlag von ihnen, aber vielleicht hat der ein oder andere Programm-Macher ihre Werke in der Bologna-Ausstellung gesehen. Allein ihr Annual-Cover ist ein Anlass, sich näher mit It’s raining Elephants zu beschäftigen: The Bookflood ist der Titel des Bildes, das gespickt ist mit jeder Menge Assoziationen und Anspielungen zur Messe, ihrem Inhalt und dem ganzen Drumherum.

Wir haben es uns ganz genau angesehen, als wir auf dem Heimweg in der nicht enden wollenden Schlange vor dem Security-Check-In am Bologneser Flughafen standen. Genau darum geht es – um solche Bilder, um solche Ideen. Wenige Stunden zuvor waren wir mit Evelyne Laubes und Nina Wehrles „Großer Flut“ in der Hand vom Illustratoren-Café über den Hof zur Halle 30 gelaufen, ganz in Gedanken. Genau auf der Mitte des Weges setzte ein wild entschlossener Platzregen ein.

Bis zum nächsten Jahr, bis dahin sonnige Zeiten wünscht uns allen

Susanna Wengeler

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