Brasilien ist 2013 Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse / Fördersumme für Übersetzungsprogramm erhöht

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde heute der offizielle Vertrag mit dem Ehrengast Brasilien für 2013 geschlossen, nachdem die Absichtserklärung zwischen dem brasilianischen Kulturminister Juca Ferreira und Buchmesse-Direktor Juergen Boos schon im Juni in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia unterzeichnet worden war.

Die Präsenz auf der Frankfurter Buchmesse wird in Kooperation zwischen dem brasilianischen Kulturministerium und dem Außenministerium verantwortet. Das brasilianische Generalkonsulat in Frankfurt ist verantwortlich für die Durchführung vor Ort. „Brasilianische Autoren werden – außer den Klassikern wie Jorge Amado und dem Ausnahmefall Paulo Coelho – in den letzten Jahren in Deutschland so gut wie nicht übersetzt. Hier gibt es natürlich einiges aufzuholen“, so Juergen Boos. Zeitgenössische Autoren wie Patrícia Melo, Bernardo Carvalho, Milton Hatoum und Paulo Lins liegen in deutscher Übersetzung vor, weitere wie Adriana Lisboa, Ronaldo Corria Debrito, Marta Medeiros, Joấo Paulo Cuenca und Santiago Nazarian sind bislang noch unentdeckt.

Das brasilianische Kulturministerium hat beschlossen, die Übersetzung brasilianischer Werke in Sprachen aus aller Welt mit einer Summe von rund 160.000 Euro zu fördern. Damit verzehnfache sich die ursprünglich vorgesehene Fördersumme, wie der brasilianische Generalkonsul in Frankfurt, Cézar Amaral, auf der Frankfurter Buchmesse mitteilte.

Das Programm „Literature Translation Grant“ richtet sich an brasilianische und internationale Verlage und wurde vom brasilianischen Kulturministerium zusammen mit der Stiftung der Brasilianischen Nationalbibliothek (Fundação Biblioteca Nacional) sowie dem Referat für Buch und Literatur im Kulturministerium (Diretoria de Livro, Leitura e Literatura) in Kooperation mit dem General Department of Research and Publishing (Coordenadoria Geral de Pesquisa e Editoração) aufgelegt. Bewerbungen für das Förderprogramm können noch bis zum 23. Oktober eingereicht werden. Mehr Informationen finden sich auf der Website der Brasilianischen Nationalbibliothek unter www.bn.br.

Brasilien bereitet sich schon jetzt auf seinen Auftritt vor. Die brasilianische Buchkammer (Camara Brasileira do Livro) startet zusammen mit der Export- und Investitionsförderungsagentur Apex Brasil unter dem Motto „Brazilian Publishers“ mit einer Promotion-Kampagne für die brasilianische Verlagsbranche. 56 Verlage stellen am Brasilianischen Nationalstand (Halle 5.1 E 961) aus, rund 120 brasilianische Verleger sind persönlich vor Ort – darunter Companhia das Letras, Cosac Naisy, der Kinderbuchverlag Callis, zwei der größten Bildungsverleger Brasiliens, FTD und Scipione, sowie der Literatuverlag Rocco. Auf der Buchmesse findet eine Reihe von Veranstaltungen zu Brasilien statt, so etwa eine Kunstbuchausstellung in der Halle 4.1 (Foyer), organisiert vom brasilianischen Verlag Imprensa Oficial. Eine Präsentation des brasilianischen Fotografen Valdir Cruz widmet sich dem Thema Bäume in der Region Sao Paulo (8. Oktober, 12.35 Uhr, Forum Dialog, Halle 6.1 E 913). Am gleichen Tag geht es auch um die „Historischen Beziehungen Brasiliens und Argentiniens“ (17.30 Uhr, Forum Dialog, 6.1 E 913).

Brasilien ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Südamerika. Der brasilianische Buchmarkt zeichnet sich durch eine rege Übersetzungsaktivität aus. Rund 45.000 Titel erscheinen pro Jahr neu, es gibt rund 3.000 Verlage. Die Hauptlizenzgeber für Brasilien stammen aus dem englischsprachigen Raum. Für Deutschland ist Brasilien mit 134 Lizenzen der größte Lizenzabnehmer auf dem amerikanischen Kontinent – noch vor den USA (113). Während spanischsprachige Länder Lateinamerikas unter dem Einfluss spanischer Verlagsgruppen stehen, agiert der brasilianische Buchmarkt völlig autark vom portugiesischen Buchmarkt. „Seit 1994, als Brasilien das erste Mal Gastland der Frankfurter Buchmesse war, hat sich der brasilianische Buchmarkt sehr dynamisch entwickelt“, so Fabiano dos Santos, Direktor für Buch und Literatur im brasilianischen Kulturministerium. „Wir freuen uns, 2013 auch die Verbundenheit Brasiliens mit anderen portugiesischsprachigen Ländern auf einer internationalen Bühne zeigen zu können.“

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