Brasilien – ein Land voller Stimmen

Daniela Thomas, Renato Lessa, Juergen Boos

Im Restaurant „Margarete“ am Haus des Buches in Frankfurt stellten Vertreter des brasilianischen Organisationskomitees heute erste Programmpunkte ihres Messeauftritts vor.
Erstmals präsentierte sich der Ehrengast im Rahmen eines Round Tables an diesem Ort.

Juergen Boos, Direktor der Ausstellungs- und Messe GmbH, verwies auf die fast 40-jährige Geschichte der Ehrengast-Programme, die Peter Weidhaas, von 1975 bis 2000 Buchmesse-Direktor, 1976 ins Leben rief. Erste Gastregion war Lateinamerika, 1994 war Brasilien schon einmal Gastland.

Zunächst, so erinnerte Boos, seien die Ehrengast-Programme von der Buchmesse selbst gestaltet worden, später übernahmen das die betreffenden Länder bzw. Regionen. „In den letzten Jahren haben sich die Programme noch einmal verändert. Die Buchmesse entwickelte sich auch zu einem Kulturfestival und wird in die Stadt getragen“, stellte der Messedirektor fest. Die Veranstaltungen auf der Messe wandeln sich zunehmend von Lesungen zu Diskussionen. „Die Auftritte der Ehrengäste sind gleichzeitig eine Kulturkarte der Welt.“

Das Programm versucht, alle Facetten abzudecken. „Was jetzt in Brasilien los ist, ist ein spannendes Thema. Es hat auch mit Bildung und Kultur zu tun“, ging Boos auf die aktuelle Situation ein.

Neu beim diesjährigen Ehrengast: Es wird Street Art live geben.

Renato Lessa, Projektleiter des Organisationskomitees Brasilien, unterstrich, dass dem Gremium Vertreter aus Ministerien, von Institutionen und aus verschiedenen Branchen angehören. 92 brasilianische Autoren werden in diesem Jahr in Deutschland sein, 70 davon auf der Frankfurter Buchmesse.
48 Übersetzungen ins Deutsche werden zur Buchmesse veröffentlicht.

„Die Autoren repräsentieren die literarische Vielfalt in Brasilien“, betonte Lessa. Sie werden auch die Beziehungen zwischen brasilianischer und internationaler Literatur widerspiegeln.
Etwa 150 Veranstaltungen, sowohl auf dem Messegelände als auch in der Stadt, sind bisher geplant. Ende Juli wird das Programm, das bislang zu 90 Prozent steht, veröffentlicht werden. Die Schriftsteller Ana Maria Machado und Luiz Ruffato werden zur Eröffnung der Messe anwesend sein.

„Wir werden unseren Auftritt bereits zum Museumsuferfest vom 23. bis 25. August 2013 in Frankfurt starten“, kündigte Antonio Grassi, Präsident der Stiftung Funarte, an und versprach musikalische Impressionen aus Brasilien zum Auftakt.
Street Art und Graffiti aus dem lateinamerikanischen Land wird es in der ganzen Stadt geben, daneben präsentieren sich Künstler in diversen Ausstellungen in der Schirn Kunsthalle und im Museum für Moderne Kunst sowie im Museum Angewandte Kunst und im Portikus. Literaturverfilmungen werden im Filmmuseum zu sehen sein, Tanz, Theater und Videoinstallationen werden im Künstlerhaus Mousonturm Einblicke in brasilianische Gegenwartskunst ermöglichen.

Über den 2.500 Quadratmeter großen brasilianischen Pavillon sprach Daniela Thomas, die das Projekt gemeinsam mit Felipe Tassara entwickelte. An diesem besonderen System aus flexiblen Materialien wird seit 2006 gearbeitet. Der Pavillon bezieht sich auf indigene, afrikanische und portugiesische Formen und Farben und setzt diese kreativ um. Der Pavillon besteht aus verschiedenen Zonen mit unterschiedlichen Angeboten. So gibt es beispielsweise eine Videostation, die man selbst „zum Laufen“ bringen muss – mit einem Fahrrad.

Buchumschläge spielen ebenfalls eine Rolle – die Installation ist eine Hommage an die Buchgestaltung.
Mit Hilfe von Schablonen aus Karton stellt Daniela Thomas das Stecksystem plastisch vor. „Sie können sich vorstellen, wie schwer es war, feuerresistenten Karton zu finden“, ergänzt Juergen Boos.

Frankfurt und seine Besucher können sich auf ein buntes Kaleidoskop brasilianischer Kunst und Kultur freuen, nicht erst zur Buchmesse, sondern bereits im Vorfeld gibt es viel zu entdecken.

JF

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