Buchmesse-Ehrengast Georgien präsentiert kulturelle Vielfalt

Ana Kordzaia-Samadaschwili, Juergen Boos, Mikheil Giorgadze, Medea Metreveli, George Bokhua

Gestern fand im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt die Pressekonferenz zur Vorstellung des Rahmenprogramms anlässlich des Ehrengastauftritts Georgiens zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse statt.

Zur Einstimmung war ein Film über das berühmte georgische Alphabet zu sehen.

Hausherr Peter Cachola Schmal begrüßte die Medienvertreter und machte auf die Ausstellung Hybrid Tbilisi – Betrachtungen zur Architektur in Georgien, die vom 28. September 2018 bis zum 13. Januar 2019 zu sehen sein wird, aufmerksam. Riesige leere Garagen und Luxushotels sind in Georgiens Hauptstadt genauso zu finden wie spektakuläre Neubauten und verfallende Paläste. „Tbilisi ist ein spannender Ort“, schätzte der DAM-Direktor ein.

„Von meiner ersten Reise nach Tbilisi sind mir folgende Gebäude im Kopf geblieben: das Verkehrsministerium, der Präsidentenpalast und das Writers’ House“, erklärte Buchmesse-Direktor Juergen Boos.

Die Frankfurter Buchmesse sei inzwischen auch zu einem der größten Kulturfestivals geworden. Gerade in Bezug auf den künftigen Ehrengast Georgien sei der Austausch keine Einbahnstraße, die Frankfurter Buchmesse wird auf der Tbilisi International Book Fair vom 31. Mai bis zum 3. Juni 2018 mit einem deutschen Gemeinschaftsstand vertreten sein. „In den letzten Jahren haben sich viele Verbindungen entwickelt, und in Georgien hat sich viel verändert“, bemerkte Boos und ergänzte: „Literatur ist das beste Mittel, um ein Land kennen zu lernen.“

Mikheil Giorgadze, Minister für Kultur und Sport in Georgien und Leiter des Ehrengast-Projekts, unterstrich: „Wir freuen uns auf Oktober, um die große Geschichte und Kultur Georgiens zeigen zu können.“ Frauen spielten eine große Rolle im öffentlichen Leben, Giorgadze erinnerte an den (weiblichen) „König Tamar“, der (die) Ende des zwölften und Anfang des 13. Jahrhunderts herrschte und beliebt war.

In Georgien gäbe es schon immer ein friedliches Nebeneinander verschiedener Religionen. „Unsere Sprache mag ein bisschen fremd und ungewohnt klingen, aber das georgische Alphabet ist Weltkulturerbe“, sagte der Minister und verwies auf das Ehrengast-Motto: Georgia – Made by Characters.

2018 werde Georgien in Deutschland mit etwa 100 Kulturveranstaltungen – Theater, Musik, Filme und Ausstellungen – in acht Städten präsent sein. Beispielsweise werde das berühmte Rustaweli-Theater mit deutschen Theatern kooperieren.

Außerdem zeige der Fernsehsender Arte Beiträge über das Land zwischen Europa und Asien.

„Georgische Autoren wurden in den letzten Jahren weltweit bekannt“, äußerte Medea Metreveli, Direktorin Georgian National Book Center. Seit dem Frühjahr 2018 befinden sich einige auf Lesetour durch 34 deutschsprachige Städte. So nehmen beispielsweise Aka Morchiladze, Davit Gabunia und Nana Ekvtimishvili am Festival literaTurm Anfang Juni in Frankfurt teil.

130 Übersetzungen sind geplant und 450 Literaturveranstaltungen, davon 250 während der Frankfurter Buchmesse.

Die Autoren Aka Morchiladze und Nino Haratischwili werden als Hauptredner die Frankfurter Buchmesse am Dienstagabend, 9. Oktober, eröffnen.

George Bokhua, Designer des Ehrengast-Pavillons, stellte erste Entwürfe vor. Das 33 Buchstaben umfassende georgische Alphabet wird dabei eine große Rolle spielen: Es wird 33 Türen mit 33 Schlüsseln geben, 33 Berge und 33 Täler werden zu begehen, 33 Schiffe und 33 Burgen zu bewundern sein. Geplant sind eine Hauptbühne, eine kleine Bühne und ein Café sowie die Ausstellung Books on Georgia mit 800 Titeln. Zudem gibt es einen Photographie Hub mit einer besonderen Exposition, einen Lettering Hub mit einer Druckstation und einen Multimedia Experience Hub mit georgischen Sprachbeispielen. Ob der Pavillon weiß bleiben wird wie auf dem Modell, will Bokhua nicht verraten: „Lassen Sie sich überraschen“, sagte er.

Die Autorin, Übersetzerin und Kulturjournalistin Ana Kordzaia-Samadaschwili und Juergen Boos unterhielten sich anschließend. „Wir sind zwar etwa eine Generation, aber wurden sehr unterschiedlich sozialisiert“, schickte der Messedirektor voran und fragte: „Sie arbeiten als Übersetzerin und Schriftstellerin. Beeinflusst sich das gegenseitig?“ „Oh ja, man könnte geradezu verrückt werden“, antwortete Kordzaia-Samadaschwili, „aber die Übersetzungsarbeit ist eine gute Schule.“ Boos wollte außerdem etwas über die Beziehung der Autorin zu Frankfurt wissen. Sie sagte: „1997 war ich zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse. Mein Kollege und ich spielten, wie es wäre, wenn Georgien Gastland wäre. Das war damals unvorstellbar. Und jetzt ist es tatsächlich so und ein Stückchen Glück für mich.“

Auf die Frage, wie sie das Motto Georgia – Made by Characters ins Deutsche übersetzen würde, antwortete Kordzaia-Samadaschwili: „Die Übersetzung ist schwierig, weil es nicht nur um Buchstaben geht, sondern um die Identität eines Landes. Es lässt sich auch nicht wirklich aus dem Englischen ins Georgische übersetzen.“ „Für mich bedeuten Characters auch eher Menschen. Jeder kann es für sich interpretieren“, ergänzte Boos.

Der Messeauftritt kostet sechs Millionen Euro, teilte Mikheil Giorgadze auf Anfrage mit. „Aber er bietet eine große Chance und ist eine große Verantwortung“, fügte er hinzu.

Georgien, so bemerkte er auf eine Frage nach dem Miteinander der Religionen, sei ein sehr altes christliches Land und besonders stolz auf Jahrhunderte des friedlichen Zusammenlebens. „26 Jahrhunderte lebten Juden mit uns, ohne Verfolgung und ohne Probleme“, unterstrich der Minister.

75 Prozent der Georgier würden sich als Europa zugehörend empfinden. Aber Westen sei nicht gleich Westen: Die Unterschiede zwischen Europa und den USA würden sehr wohl wahrgenommen.

JF

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