Berlin: Liao Yiwu eröffnete das Internationale Literaturfestival

Mit einer Rede des chinesischen Exilautors Liao Yiwu wurde gestern Abend im ausverkauften Haus der Berliner Festspiele das 12. Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) eröffnet. Lia Yiwu, der seit einem Jahr in Berlin lebt, sprach sich darin für die Selbstbestimmung von Tibet aus.

„Seit dem 14. März 2008, an dem die Kommunistische Partei erneut das ungeheure Verbrechen einer Blasphemie an den Göttern und eines Massakers an Mönchen auf sich geladen hat, haben sich in Tibet immer wieder Menschen mit Benzin übergossen und mit dem Ruf ‚Freiheit für Tibet‘ selbst verbrannt“, sagte der diesjährige Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels [mehr…]. „Bis zum Juli dieses Jahres starben auf diese Weise bereits 49 Menschen. Ach, Welt, schau auf diese verkohlten Hüllen.“

Mehrere hundert Menschen nahmen an der Eröffnung teil und genossen im Anschluss den milden Spätsommerabend im Garten des Festspielhauses oder die Lesung des amerikanischen Regisseur Robert Wilson, der aus Einstein on the Beach las. Die Berliner Festspiele seien stolz, Gastgeber des Literaturfestivals zu sein, sagte der neue Intendant Thomas Oberender und bewunderte die Fülle des Angebots. Insgesamt nehmen 186 Autoren aus 56 Ländern an dem Festival teil, das in diesem Jahr unter dem Motto „Europe now“ steht. Junge noch zu entdeckende Autoren werden ebenso in Berlin erwartet wie Stars der Szene, darunter Isabell Allende, Zeruya Shalev, Herta Müller und Tim Parks.

Traditionell gehören auch politische Themen zum Programm des Festivals, das Festivalleiter Ulrich Schreiber vor 13 Jahren aus der Taufe hob. So findet am kommenden Samstag eine Benefiz-Veranstaltung für Pussy Riot statt. Programm des Abends ist Michail Bulgakows Roman Meister und Margarita, den Alexander Nitzberg im Galiani Verlag neu übersetzt hat. Die Gefangenen und ihr Umfeld hatten während des Prozesses wiederholt dieses Werk zitiert, das auch als künstlerische Auseinandersetzung mit dem Stalinismus gelesen werden kann. Die Teilnehmenden des Abends – u.a. Marion Brasch, Jakob Hein, Wladimer Kaminer, Janne Teller, die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot – verzichten auf ihre Gagen, die Einnahmen werden Pussy Riot zur Verfügung gestellt.

In diesem Jahr, in dem Thomas Böhm erstmals die Programmleitung hat, wird auch ein „literarischer Rettungsschirm für Europa“ aufgespannt, Das ilb konnte mehr als 40 Autoren gewinnen, Texte zu verfassen, in denen sie ihre Biografie Erinnerungen und Sehnsüchte verknüpfen. Die Texte stehen auf der Website des Festivals bereit.

Auch sonst hat das ilb wieder viel zu bieten. Unter anderem geben Jonathan Meese und Durs Grünbein einander eine Pressekonferenz zur „Diktatur der Kunst“, es gibt einen Graphic Novel Day und im Festspielhaus ist die Ausstellung „Die sichtbaren und die unsichtbaren Gefängnisse“ zu sehen, die Arbeiten von Ai Weiwei, Liao Yiwu, Liu Xia, Meng Huang und Tsering Dorjee präsentiert.

Die Sparte Internationale Kinder- und Jugendliteratur, die wieder Christoph Peter verantwortet, ist in diesem Jahr noch einmal deutlich gewachsen. Erwartet werden 27 Gäste, u.a. Janne Teller, Uri Orlev, Iva Procházková, Maria Parr und Robert Paul Weston.

Daneben kann man auch Entdeckungen machen. So ist beispielsweise die mehrfach ausgezeichnete iranische Autorin Farideh Chalatbarie angekündigt, eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen in Ihrem Land. Darüber hinaus ist sie Verlegerin des Shabaviz Verlags. Auf Deutsch erscheinen ihre Bücher in der Edition Orient.

Erstmalig wird die Sparte in diesem Jahr zu einer Art Fachmesse: Dank einer Förderung durch die EU thematisiert das Kinder- und Jugendprogramm in verschiedenen Panels die Fragestellung „Eine Geschichte für Europa – Welche Kinder- und Jugendliteratur braucht Europa?“ Mehrere Autoren haben bereits ihre Gedanken zum Thema aufgeschrieben. Die Texte sind ebenfalls auf der Website des Festivals nachzulesen. Dort – und im Foyer des Festspielhauses ist außerdem eine Bibliothek mit Buchempfehlungen der beteiligten Autoren aufgebaut.

Das Festival dauert bis zum 16. September. Der Katalog ist wie in den Vorjahren im Verlag Vorwerk 8 erschienen. Den Büchertisch gestalten die BuchBox und die Kinderbuchhandlung Le Matou.

www.literaturfestival.org

ML

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