Berlin: Gut besuchtes Nachwuchstreffen der Branche

Am vergangenen Samstag veranstaltete der Landesverband Berlin-Brandenburg im Börsenverein wieder sein traditionelles Nachwuchstreffen. In diesem Jahr stand die Begegnung ganz im Zeichen der Themen Community und Vernetzung.

Gut bestückter Büchertisch für den Nachwuchs

Die Keynote im gut besuchten Oberstufenzentrum Wirtschaft in Berlin-Wilmersdorf sprach Karla Paul (Edel AG), und sie baute in ihren Vortrag gleich ein interaktives Element ein: Wer ist schon bei Twitter, wer hat sich im Facebook-Event zur Veranstaltung als Teilnehmer eingetragen? Für Karla Paul ist das Kontakteknüpfen unweigerlich auch mit Aktivität in den sozialen Netzwerken verbunden und Aufgewecktsein Pflicht.

Ob und wie YouTube für den Verlagsbereich ein entscheidender Faktor sein kann, führte Robert Vossen von dem im ProSiebenSat.1-Media-Bereich angesiedelten Studio71 anschaulich vor: Nicht nur die Arbeit mit kommenden YouTube-Stars, auch die Realisierung von Buchprojekten stehen hier im Fokus – hier wurden besonders die VerlagskollegInnen hellhörig.

In der parallel stattfindenden Session „Wir sind viele – So geht Communitybuilding“ blieb das Augenmerk auf Buchhandel und Verlag – allerdings repräsentiert durch zwei Persönlichkeiten, die ihre Geschäftsmodelle mit frischem Wind angehen: Jean-Marie Dhur, der mit seiner Partnerin Lorena Carràs seit zweieinhalb Jahren die Buchhhandlung Zabriskie betreibt, sowie Jo Frank, dessen Verlagshaus Berlin sich ganz der Poesie verschrieben hat. Beide gehen mit starkem Einsatz von Web-Kanälen wie Instagram offensiv digitale Wege, schaffen es so aber auch, für volle Sitzreihen bei Veranstaltungen zu sorgen. Modellhaft? Wenn man mit voller Leidenschaft dabei und bereit ist, auch privat viel Zeit in sein Projekt zu stecken, dann ja, so der Tenor.

Auf neue Lese- und Autorenmodelle wiederum konnte man sich in der zweiten Hälfte des Nachwuchstreffens einlassen: Tilman Rammstedt berichtete von den Erfahrungen mit seinem Abo-Roman Morgen mehr, der mittlerweile auch als herkömmliches Buch zu haben ist: „Das tägliche Schreiben ist ja eigentlich eine uralte Sache«, so Rammstedt.

Vorreiter in einer ganz neuen Art des Lesens sind Thomas Böhm und Carsten Sommerfeldt, die sich gerade intensiv mit der heilenden Kraft des Lesens via Shared Reading beschäftigen – ganz ohne Netz trifft man sich hier, um reihum kurze Erzählungen und Gedichte laut zu lesen. „Eine Erfahrung, die verändert“, so das Versprechen.

Ein erneuter Publikumsmagnet war die Gesprächsrunde „Wege in die Branche“, in der dieses Jahr Beate Klemm (Buchhandlung Lesen und lesen lassen), Kerstin Maiazza (Verlag De Gruyter) und Anne Pias (Nachwuchsparlement) Rede und Antwort standen. Neben spannenden Fragen nach Sackgassen im Karriereweg und einem Gedankenspiel, was man heute beim Brancheneinstieg anders machen würde, war Authentizität in der Bewerbung eines der zentralen Schlagwörter – keine Phrasendrescherei, sondern Persönlichkeit ist gefragt.

Nach einer kurzen Stärkung am Büffet und der Enthüllung des dank großzügiger Spenden wieder reichhaltig bestückten Büchertischs bot Tilman Rammstedt zum Abschluss noch einige Kostproben aus seinem Roman.

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