Berlin: C.H. Beck Sommerfest – ohne Regen

Das Sommerfest im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) hat Tradition. In diesem Jahr war aus Anlass seines 250-jährigen Jubiläums der Münchner C.H. Beck Verlag zu Gast und lockte schon am Nachmittag die Literaturfreunde an den Wannsee.

250 Jahre C.H. Beck und 50 Jahre LCB, wenn das kein Grund zu feiern ist. Verleger Wolfgang Beck begrüßte die zahlreichen Gäste und freute sich über den Auftritt im LCB, dieser „segensreichen Einrichtung für Sprache, Dichtung und Literatur.“ In seiner Begrüßung verwies Beck auf die zweibändige, über 1000 Seiten starke Verlagsgeschichte, die Anfang September erscheinen wird. Die Gäste konnten schon einmal eine kleine Chronik des Verlags „Die Welt im Buch“ mit nach Hause nehmen, die 1763 mit dem aus Sachsen zugewanderten Buchdrucker Carl Gottlob Beck beginnt, der damals in Nördlingen eine Druckerei und Buchhandlung übernahm, aus der der Verlag C. H. Beck hervorging. Gut hundert Jahre später, 1889, zog der Verlag nach dann nach Schwabing, wo er heute noch residiert.

Die Planung eines Sommerfestes sei in diesem Jahr ein tollkühnes Unterfangen, sagte Beck, der aber offenbar ein feines meteorologisches Gespür besitzt. Schirme und Strickjacken konnten jedenfalls in der Tasche bleiben. Im Warmen und Trockenen wurde es ein langer Abend in guter Stimmung und angenehmer Atmosphäre. Einziger Wermutstropfen: Der Historiker Fritz Stern und seine Frau Elisabeth Sifton konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen, schickten aber per Brief Grüße und Wünsche für ein gelungenes Fest. Vorgesehen war eine Präsentation ihrer Doppelbiografie Keine gewöhnlichen Männer. Dietrich Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi im Widerstand gegen Hitler, die im Herbst erscheint. Das Publikum musste dennoch nicht auf Informationen aus erster Hand verzichten. Der Politiker Klaus von Dohnany sprach mit Ijoma Mangold über seinen Vater Hans von Dohnany und dessen Schwager Dietrich Bonhoeffer.

Überhaupt standen Novitäten des Verlags im Fokus des Programms, das bis zum abendlichen Tanzvergnügen Lesungen im Halbstundentakt auf der Terrasse und an der Rotunde am See bot. Edgar Wolfrum, dessen Buch Rot-Grün an der Macht im Juli erscheint, diskutierte mit Jürgen Kocka und Hans-Ulrich Wehler über die Frage, ob es in Deutschland sozial gerecht zugeht. Hubert Wolf zog das Publikum mit Die Nonnen von Sant’ Ambrogio, einer wahren Geschichte über einen Inquisitionsprozess im 19. Jahrhundert, in seinen Bann und der Brite Adam Fletcher, der seit drei Jahren in Berlin lebt und sich als „ehrenamtlichen Deutschen“ sieht, machte Lust auf sein humorvolles Buch How to be German in 50 easy steps. Konzentriert lauschten die Gäste den Gedichten von Nico Bleutge aus verdrecktes gelände.

Wolfgang Beck hatte zu Beginn ein vielgestaltiges und buntes Programm angekündigt. Er hatte nicht zu viel versprochen.
ml

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