Buchwelten erleben

Papas Arme sind ein Boot:
3D-Installation von Øyvind Torseter

Heute wird im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt die Ausstellung Kindheitsräume, Kindheitsträume eröffnet. Im Mittelpunkt stehen die Arbeiten von vier herausragenden Illustratoren.

Shaun Tan, der gerade mit dem Illustrationspreis für Kinder- und Jugendbücher der GEP [mehr…] ausgezeichnet wurde, Øyvind Torseter, der den Preis 2012 erhielt [mehr…], sowie Anouk Boisrobert und Louis Rigaud ermöglichen Einblicke in wunderbare Kinderbuchwelten.

Die Ausstellung in der ersten Etage des Hauses zieht den Besucher sofort in die Welt von Papas Arme sind ein Boot von Stein Erik Lunde (Text) und Øyvind Torseter, 2010 auf Deutsch im Gerstenberg Verlag erschienen. Ein großes, dreidimensionales Wohnzimmer aus Papier und Pappe nimmt uns in die Geschichte hinein. Gegenüber sind in Vitrinen Torseters dreidimensionale Kompositionen ausgestellt, jedes Detail ist liebevoll gestaltet, Licht und Schatten werden bewusst eingesetzt.

Auf der linken Seite stehen wie riesige Bücher 12 Boxen. Darin sind nicht nur die von Shaun Tan entwickelten Figuren, die Grimms Märchen auf den Kern der Geschichten konzentrieren, sondern auch Hocker und Kopfhörer. So kann man die Figuren anschauen und gleichzeitig den Märchen in der Hörbuchversion lauschen. Philip Pullman bearbeitete die Texte, Shaun Tan schuf die Illustrationen zu Grimms Märchen, publiziert auf Deutsch 2013 im Aladin Verlag.

Eine weiße Treppe führt auf eine Empore mitten im Raum. Der Besucher kann sich ein bisschen wie auf der Titanic fühlen und über das Eismeer schauen. Aber er sieht nicht nur die obersten 15 Prozent des Eisbergs, die über dem Wasser liegen, er kann auch einen Blick in die Tiefen des Ozeans werfen und allerlei entdecken. Das Kinderbuch Pop-up Ozean von Anouk Boisrobert und Louis Rigaud, erschienen im Verlagshaus Jacoby & Stuart 2013, öffnet den Kindern die Augen für die faszinierende Welt der Meere. Das Boot, mit dem die kleinen Forscher auf Entdeckungsreise gehen, heißt Oceano und nicht Titanic – so bringt es die Meereskundler auch wieder sicher in den Heimathafen.

„Diese Ausstellung bietet Spielorte“, sagt Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst. Inmitten digitaler Welten zeigt die Exposition die große Handwerkskunst der Illustratoren, die dreidimensionale Bilderwelten entstehen und hier zu begehbaren Erfahrungsräumen werden lässt. „Alles dreht sich ganz zentral um das Buch“, unterstreicht Kurator Thomas Linden. Das Haus ermögliche eine kongeniale Korrespondenz der Räume mit den Arbeiten der Künstler. Der Besucher entscheide selbst über die für ihn richtige Perspektive, könne so die Illustrationen aus den Büchern auf neue Weise entdecken und später, in der bequem eingerichteten Leseecke, zu den Büchern – nicht nur den drei exponierten, sondern weiteren Titeln der Illustratoren –zurückkehren. Dabei wurde die Typografie der Bücher in der Schau aufgenommen.

Die Ausstellung ist bis zum 15. Februar 2015 am Schaumainkai 17 in Frankfurt zu sehen und wird von einem Rahmenprogramm mit öffentlichen Führungen für Erwachsene und Kinder, Aktionen und verschiedenen Workshops begleitet.

JF

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