Berlin: Erste Werkschau von Ilon Wikland in Deutschland eröffnet

Anlässlich des 85. Geburtstags von Ilon Wikland wurde heute Nachmittag in den Räumen von LesArt, dem Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur, die Ausstellung Über Tisch und Bänke – die einzigartige Bilderwelt der Ilon Wikland eröffnet.

Ilon Wikland und Kuratorin Kathrin Buchmann (r.)

Mehr als 150 Gäste kamen in die Weinmeisterstraße in Berlin Mitte um das Ereignis mit der Illustratorin zu feiern, die in Estland geboren wurde und seit über 70 Jahren in Schweden lebt. Weltberühmt wurde sie durch ihre Illustrationen der Bücher von Astrid Lindgren.

Bis zum 30. Juni sind in Deutschland erstmals an die 200 Originale von Ilon Wikland zu sehen, Aquarelle, Kohle-, Feder-und Tuschezeichnungen sowie Skizzen und Buchcover aus dem über siebzigjährigen Schaffen der Künstlerin. Und jede Menge Bücher. Die Ausstellung sei phantastisch geworden, lobte Ilon Wikland vorab in einem Pressegespräch. „Ich fühle mich sehr geehrt.“

Ihre Zusammenarbeit mit Astrid Lindgren begann 1954 mit Mio, mein Mio, in den folgenden Jahren gab Ilon Wikland auch Karlsson vom Dach, den Kindern aus Bullerbü und aus der Krachmacherstraße, den Brüdern Löwenherz, Räubertochter Ronja und vielen anderen ihr Gesicht. Auf Deutsch sind die Bücher im Oetinger Verlag erschienen. Ilon Wikland arbeitet aber auch mit anderen Autoren zusammen. Zuletzt erschien 2014 in Schweden ihre Ausgabe von Peter und der Wolf, die bisher nicht auf Deutsch veröffentlicht ist.

Den Anstoß zu der Werkschau gab die Botschaft von Estland, dem Land, in dem Ilon Wikland am 5. Februar 1930 geboren wurde. Als sie 14 war, floh sie vor den Besatzern nach Stockholm, wo sie heute noch lebt. 1989 reiste sie zum ersten Mal wieder nach Estland, zusammen mit Astrid Lindgren. Im Jahr 2004 schenkte sie ihr Lebenswerk, mehr als 800 Originalzeichnungen, einem Museum in der estnischen Kleinstadt Haapsalu, wo sie ihre Kindheit verbrachte. 2015 wurde „Ilons Wunderland“ in Haapsalu mit einem estnischen Museumspreis ausgezeichnet.

Kathrin Buchmann, Kuratorin der Berliner Ausstellung, hat die Exponate in Haapsalu ausgewählt, durfte aber auch in den Schubladen von Ilon Wikland in Stockholm stöbern. Mehr als 1000 Originale hat sie bei ihren Recherchen in den Händen gehabt. Da fiel die Auswahl nicht leicht. Kathrin Buchmann entschied sich für einen Querschnitt durch das vielfältige Werk der Künstlerin und legt den Schwerpunkt auf einen Vergleich der Stile. Es ist auffällig, wie sich Ilon Wiklands Stil im Laufe der Jahrzehnte entwickelt und verändert hat. So sind die Kinder in ihren Illustrationen seit der Geburt ihrer eigenen vier Kinder lebhafter und lebendiger geworden.

„Lotta ist eigentlich meine jüngste Tochter Anna. Sie sah genauso aus“, erzählte Ilon Wikland. Beim Illustrieren habe ihr Astrid Lindgren fast völlige Freiheit gelassen, nur zweimal habe sie sie gebeten Figuren zu ändern. „Astrid fand, dass mein Karlsson wie ein Bürovorsteher aussah“, verriet Ilon Wikland. Das Vorbild für Karlsson, wie wir ihn kennen, fand sie dann zufällig auf einem Markt in Paris. „Plötzlich sah ich einen kleinen dicken Mann mit kariertem Hemd, Latzhose und verstrubbelten Haaren. Er wurde Karlsson.“ Der zweite Fall betraf die Figur Ronja Räubertochter, die Ilon Wikland zunächst mit langem Haar gezeichnet hat. Aber Astrid Lindgren habe sich kurzes, krauses Haar gewünscht. Der Originalentwurf und weitere Studien zu Ronja sind ebenfalls in Berlin zu sehen.

Die Ausstellung, zu der ein 64-seitiger Katalog erschienen ist, ist für alle Besucher dienstags, mittwochs und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet und wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm für Schulklassen und Familien begleitet. Ergänzend zeigt die Staatsbibliothek zu Berlin in ihrer Reihe Literatur im Foyer vom 23. bis zum 28. Februar eine Vitrinenausstellung zu Ilon Wiklands Werk.

Im September wandert „Über Tische und Bänke“ in die Internationale Jugendbibliothek München, wo sie bis Januar 2016 zu sehen ist. Anschließend zeigt das Internationale Kulturaustausch-Zentrum e. V. (IKAZ) in Greifswald die Ausstellung.

Weitere Informationen: www.lesart.org

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