Ausstellung „Poth für die Welt“ im caricatura museum frankfurt

Achim Frenz, Anna Poth

Heute Abend wurde im caricatura, Museum für Komische Kunst, die sechste Wechselausstellung und gleichzeitig die zum vierten Mal veränderte Dauerausstellung zu den Zeichnern der Neuen Frankfurter Schule – dieses Mal trägt sie den Titel Frankfurter Federlese – eröffnet.

Zu Beginn stimmten Percussionist Armin Wild und Cellist Frank Wolff musikalisch mit „Der Himmel über Sossenheim“ auf die Exposition ein.

Für Museumsleiter Achim Frenz ist es bereits die zweite Chlodwig-Poth-Exposition, die er mit organisiert; bereits im Jahr 2000, als Achim Frenz das Museum für Komische Kunst aufbaute, fand eine Ausstellung mit Werken des Künstlers im Historischen Museum in Frankfurt statt.

Am 4. April dieses Jahres wäre Chlodwig Poth (1930 bis 2004) 80 Jahre alt geworden. Etwa 350 Originale – Zeichnungen, Stadtlandschaften, Cartoons, Hassblätter und getuschte Aquarelle – bieten einen konzentrierten Blick auf sein umfangreiches Werk, zu dem auch über 40 Bücher gehören.

Kulturdezernent Felix Semmelroth würdigte Chlodwig Poth als Karikaturisten und Satiriker, der eine ganze Generation prägte.

Der Kooperationspartner bei dieser Ausstellung ist das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt. Die Direktorin, Dr. Evelyn Brockhoff, wies darauf hin, dass bereits in den 90er Jahren vom Institut begonnen wurde, Karikaturen zu sammeln. Mit der Familie Poth wurde ein Depositalvertrag abgeschlossen, so besitzt das Institut etwa 3.500 Blätter und 500 Druckschriften von Chlodwig Poth und stellte für die Ausstellung rund 400 Blätter zur Verfügung. „Die Zeichnungen des Künstlers sind für uns auch wichtige Dokumente zur Stadtentwicklung, denn mit seinen Werken charakterisierte der Künstler den Stadtteil, in dem er 14 Jahre gelebt hat und der nicht zu den Top Ten Frankfurts gehört“, unterstrich Evelyn Brockhoff.

In seiner Laudatio begrüßte Hans Zippert zu Beginn launig viele Personen, die hier inkognito erschienen seien.
Er erinnerte sich an seine erste Begegnung mit Chlodwig Poth im Jahr 1987 auf einer Montagskonferenz der Titanic. Zippert, damals Volontär, wunderte sich über diesen Mann, der sich nicht an der Diskussion beteiligte. Aber es arbeitete in ihm. Sein Arbeitsplatz war nicht die Redaktionsrunde, sondern der Zeichentisch. Chlodwig Poth, ein Miss-Stands-Geißler, einer, der auf seinen Wimmelbildern und Hassblättern über 100.000 Personen hat auftreten lassen.

Der in Wuppertal geborene und in Berlin aufgewachsene Chlodwig Poth begann schon mit 14 Jahren, satirische Bilderbögen gegen den Krieg zu zeichnen, mit 16 veröffentlichte er die ersten politischen Karikaturen, mit 17 gründete er seine erste Zeitschrift, Der Igel. Poth studierte an der DDR-Kunstakademie in Berlin-Weißensee, wurde von dort wegen politischer Unzuverlässigkeit verwiesen und setzte seine Studien an der Hochschule der Künste in West-Berlin fort. Die Stelle als Redakteur der Werkszeitung von Dunlop in Hanau führte Chlodwig Poth 1955 nach Frankfurt.

Gemeinsam mit Hans A. Nikel gründete er 1962 das Satiremagazin Pardon. 1979 gehörte er mit Robert Gernhardt, F. K. Waechter, Peter Knorr, Hans Traxler, F. W. Bernstein, Eckhard Henscheid und Bernd Eilert zu den Gründern der Titanic.

1990 zog das Ehepaar Poth in den Frankfurter Vorort Sossenheim. „Er war schon damals fasziniert vom verwilderten Sossenheim“, erinnerte sich seine Frau Anna auf der Pressekonferenz vor der Vernissage. Aber die Sossenheimer liebten ihren Künstler nicht, nahmen ihm seine beißende Satire übel; nur zwei Bilder hat er im Ort verkauft.

Zum Thema Humor bemerkte Anna Poth über ihren Mann: „Wer meinem Mann begegnete, hielt ihn wohl für humorlos. Er musste sich ärgern, um jeden Tag ein Blatt zu machen.“ Chlodwig Poth war also ein Berufsärgerer der Kreativität wegen.

Die Ausstellung ist bis zum 25. April zu sehen und wird vom letzten Buch des Künstlers, Poth für die Welt. Sossenheim ist überall, erschienen im Verlag Antje Kunstmann – die Verlegerin war zur Vernissage auch anwesend –, begleitet.

JF

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