Amos Oz als Ehrengast bei der Matinee der Literarischen Welt zum 60-jährigen Bestehen des Staates Israel / Heute Verleihung des Stefan-Heym-Preises der Stadt Chemnitz an Amos Oz

Aus Anlass der Staatsgründung Israels vor 60 Jahren hatte die Literarische WELT

v.l.: Michael Krüger, Katharina Hacker, Rachel
Salamander, Amos Oz

gestern zu einer Matinee in den 19. Stock des Berliner Verlagshaus der Axel Springer AG geladen. Rachel Salamander, die Herausgeberin der Literarischen WELT begrüßte Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien. „Israel ist voller Geschichten, es hat viel zu erzählen, und die Israelis sind gute Erzähler“, sagte sie. Bis heute seien mehr hebräische Titel ins Deutsche übersetzt als in jede andere Sprache.

Über das Bild der Deutschen in der israelischen und das Bild Israels in der deutschen Literatur ging es in dem anschließenden Podiumsgespräch mit Ehrengast Amos Oz, WELT-Literaturpreisträger des Jahres 2004. Neben ihm saßen Michael Krüger, der Verleger des Hanser Verlags, der als einer der ersten in Deutschland mit Yoram Kaniuk und David Grossman hebräische Literatur in sein Programm aufnahm, und Katharina Hacker, eine der wenigen deutschen Autoren, die sich mit israelischen Themen beschäftigt, beispielsweise in ihrem Roman „Eine Art Liebe“ (Suhrkamp).

Lebhaft erzählte Amos Oz von dem Tag, als er vor 60 Jahren als neunjähriger die Staatengründung erlebte. Die Literatur sei das beste Mittel um ein Land und seine Leute kennen zu lernen, so Amos Oz. „Fanatiker sind nicht neugierig“, sagte er und forderte zu Neugierde auf. „Neugier macht die Menschen besser.“

Wir haben unser jüdisches Erbe nicht gerettet, bedauerte Michael Krüger und Katharina Hacker schloss sich dieser Ansicht an. Tilman Krause, Redakteur der Literarischen WELT, zitiert sie auf WELT Online so: „Für die heute 30- bis 40-jährigen Schriftsteller gelte nicht minder, dass ihre kreative Fantasie sich an allen möglichen Ländern entzünde, nur eben an Israel nicht, obwohl doch dort nicht nur so viel deutsche, gesamteuropäische Vergangenheit fortlebt, sondern obwohl dort auch die unmittelbare Gegenwart, das Zusammenleben so vieler gesellschaftlicher Gruppen in ihrer permanenten Bedrohung, spannend und faszinierend sei.“ Hier geht es zu dem Artikel von Tilman Krause: http://www.welt.de/kultur/article1897796/Wir_haben_unser_juedisches_Erbe_nicht_gerettet.html

Amos Oz reiste anschließend nach Chemnitz weiter, wo er heute Abend den erstmals ausgelobten Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt entgegennimmt. Die Laudatio auf Amos Oz hält Suhrkamp Verlegerin Ulla Unseld-Berkiéwicz.
Der mit 40.000 Euro dotierte Internationale Stefan-Heym-Preis wird in ehrendem Gedenken an Stefan Heym, den Sohn und Ehrenbürger der Stadt Chemnitz, verliehen und soll künftig alle drei Jahre herausragenden Autoren und Publizisten zuerkannt werden, die sich wie Stefan Heym „in ihrem Wirken als Persönlichkeiten erwiesen haben, die sich in gesellschaftliche wie politische Debatten einmischen, um für moralische Werte zu streiten.“

ML

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