Alexander Nitzberg mit „Meister und Margarita“ in Düsseldorf

Alexander Nitzberg

Das Buch ist Kult. Wir alle haben es wieder und wieder gelesen: Michail Bulgakows Meister und Margarita. Jetzt ist das Werk neu zu entdecken – in der grandiosen Neuübertragung von Alexander Nitzberg bei Galiani. Gestern Abend stellte der Dichter, Übersetzer und Vortragskünstler das Werk im Düsseldorfer Heine Haus vor.

Spätestens seit Swetlana Geiers Dostojewski-Neuübersetzungen hat man eine Vorstellung davon, wie sich ein allbekannter Text verwandeln kann. Eine solche Metamorphose ist jetzt Nitzberg mit dem wohl wichtigsten Buch der russischen Moderne gelungen. Ein schwieriges Unterfangen allemal, handelt es sich doch um ein Werk, in dem sich ständig alles verändert (Professor Woland, Behemoth, Azazello und Korowjew sei’s gedankt). Gearbeitet hat Bulgakow an seinem Roman rund 20 Jahre, und zuletzt wurde es ein Wettlauf mit dem Tod: So gibt es keine „beglaubigte“ Endfassung, eine lektorierte schon gar nicht; Meister und Margarita ist ein Roman voller Brüche.

Als er 1966/67 erstmals in der Sowjetunion aus dem Nachlaß ediert wurde, las man das Buch als ein explizit politisches. Der „Meister“ wurde – vor allem in östlichen Ländern – zum Inbegriff des dissidenten Autors – freilich ist das eher hinein- als aus Bulgakows Text herauszulesen. Ein schönes Beispiel, wie Rezeption die Sichtweise auf einen Text verändern kann…

In beiden Deutschlanden wurde das Werk bekannt durch die Übersetzung von Thomas Reschke, dem Nitzberg gestern seinen Respekt zollte: Reschke hatte gerade mal ein Jahr Zeit, den Text aus der in der Sowjetunion vorliegenden (unvollständigen, weil zensierten) Fassung zu übersetzen – und das Erscheinen des bis dahin unterdrückten Buches war in der DDR ein Politikum ersten Ranges.

Nun aber ist es an der Zeit, Bulgakows Werk als große epische Dichtung zu entdecken – dafür hat Nitzberg den Weg freigemacht. Womit freilich nicht gesagt sein soll, daß „Meister und Margarita“ ein unpolitisches Buch ist. Nitzberg hat die Lautmalereien Bulgakows ins Deutsche transponiert (wie er es gemacht hat, wird im Anhang belegt), und eine der größten Übersetzungs-Hürden war, den Text aus der Sprache der russischen Moderne in die Sprache der deutschen Moderne herüberzubringen. Was schon allein ganz profane technische Schwierigkeiten bereitet: Das Russische kennt keinen Konjunktiv; wie also die für den Standpunkt des Erzählers so wichtige indirekte Rede behandeln?

Wie Nitzberg das gelöst hat, muß man sich Satz für Satz auf der Zunge zergehen lassen. Wieder eintauchen in die absurde und turbulente Welt des Romans, der noch heute zu den absoluten Lieblingsbüchern der Russen zählt. Und im Laufe der Jahre nichts von seinem Zauber verloren hat, ganz im Gegenteil. Nitzberg führte gestern mit seiner Lesung (hat eigentlich jemand mal dran gedacht, mit ihm ein Hörbuch zu machen?) durch den Roman. Las Szenen quer durch den ganzen Roman, die belegten, daß „Meister und Margartia“ auch ein urkomisches Werk ist.

Nitzberg zeigte am Schluß, der er sogar noch mehr kann, als russische Sprache in deutsche zu verwandeln: Wie oft werden im Roman aus harten Dollars wertlose Papierzettel? Alles natürlich Zauberhandwerk des Professors für Schwarze Magie Woland. Auch Nitzberg ist mit dieser Teufels-Kunst wohlvertraut: Unter seinen Händen wandelten sich Papierstreifen in Geldscheine. Daß auf diese Weise allerdings Honorare aufzubessern seien, bestritt er glaubhaft.

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