h.f.ullmann publishing GmbH wird liquidiert, Tandem hat Insolvenz angemeldet Ullmann Gruppe will sich nur noch auf die Marke Ullmann Medien konzentrieren

„Die Ullmann-Gruppe setzt strategische Neuausrichtung fort“ kommt eben als Presseinformation über den Ticker.  Zu dieser Neuausrichtung gehört offensichtlich, unwirtschaftliche  Betriebsteile zu schließen: Für die Tandem Verlag GmbH mit Sitz in Rheinbreitbach ist, wie der Pressemitteilung von heute zu entnehmen ist, bereits am 28.2.2020 ein Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden. Dazu soll jetzt aber auch die h.f.ullmann publishing GmbH  liquidiert werden, wie aus dem Unternehmehmen verlautet sei das alles schon länger geplant gewesen:

Diese Maßnahmen „sind Teil eines vor fünf Jahren eingeleiteten Umstrukturierungsprozesses. Bereits 2015 hatte die Ullmann-Gruppe, zu der heute neben Tandem und h.f.ullmann publishing auch die Vista Point Verlag GmbH und Editionnova GmbH gehören, mit Gründung der Ullmann Medien GmbH begonnen, sich neu aufzustellen. Tandem war in den vergangenen Jahren nur noch im Bereich der Verwertung von Restposten tätig. Da eine Liquidation der Tandem Verlag GmbH aufgrund eines noch laufenden Prozesses nicht wie geplant möglich war, wurde hier der Weg des Insolvenzverfahrens gewählt. Das internationale Buchgeschäft von h.f.ullmann wird sowohl aufgrund der massiven weltweiten Schrumpfungsprozesse im stationären Handel als auch bei den Konsumenten nicht weitergeführt.

Die Abwicklung von Tandem und h.f.ullmann haben keinerlei Auswirkungen auf:

  • Den Fortbestand von Ullmann Medien, Vista Point und Editionnova, eingeschlossen der Entwicklung neuer Bücher und Medienprodukte.
  • Die uneingeschränkte Lieferbarkeit aller Titel von Ullmann Medien, Vista Point und Editionnova sowie die Belieferung des Buchhandels
  • Die Weiterbeschäftigung sämtlicher Mitarbeiter

Ein wesentlicher Aspekt der effizienten Neuausrichtung ist neben der Bündelung der Aktivitäten die Konzentration der Gruppe auf die Marke Ullmann Medien. Die Entscheidung für den Namen Ullmann war unter anderem das Ergebnis einer Marktforschung. Ullmann hatte nationale und internationale Bekanntheit erlangt, nachdem ab 2007 ein breit sortiertes, bebildertes Sachbuchprogramm in bis zu 20 Sprachen und in mehr als 50 Länder erfolgreich vertrieben werden konnte. 

Die bewährte und sehr erfolgreiche Ausrichtung auf den Massenmarkt setzt Ullmann Medien weiterhin konsequent fort. „

Das war Anlass für Fragen an Herbert Ullmann, den Gründer der Medien-Gruppe:

Herbert Ullmann: „Unreflektiert die Welt zu beklagen führt aber nicht zu neuen Ideen und Einnahmen. Eine Unternehmung zu führen hat auch mit Vernunft zu tun und nicht nur mit Empfindungen und Befindlichkeit“

Sie haben die internationale hfu Buchsparte mit Leidenschaft betrieben. Das stellen Sie jetzt einfach so ein? 

Herbert Ullmann: Primär die weltweiten Schrumpfungsprozesse im stationären Handel, bei gleichzeitigem Wegfall von Buchkäufern. Unwiederbringlich, leider. Rückgang der Auflagen teils um 80%. Manche Länder sind komplett ausgefallen. Wir hatten etwa 70% Export.

Deshalb gibt man doch nicht auf nach fast 20 Jahren.

Naja, zunächst mal: es waren  16 Jahre, Ende 2006 haben wir hfu gegründet und neue Programme gemacht. 

Und auch weltweit gut vertrieben…

… in den ersten Jahren lief es passabel. Dann kam leider überraschend die einschneidende Weltwirtschaftskrise in 2008: Lehman etc. Ein erster Rückschlag. Unsere neuen Programme und die umfangreiche Auslandsproduktion in teils über 10 Sprachen in bis zu 50 Länder liefen zunächst weiter gut, aber viele Länder brachen dann auch sukzessive weg und Auflagen reduzierten sich. Dann kam der Wegfall von Weltbild 2013/14 dazu, wofür es auch keinen Ersatz gab.

Aber wo lag das Hauptproblem?

Wir haben leider weiter auf zu viele Sprachen und Länder gesetzt. Das Problem ist jedoch, dass Sie nur spektakuläre Qualität in hohen Auflagen erzielen können, angesichts der beträchtlichen Vorkosten für Texte, Bilder, Übersetzungen und Lektorate. Da braucht man Mengen für einen Druck. Und wir haben immer auf eigene Rechnung verlegt und die Rechnungen auch bezahlt, übrigens ohne Bankkredite. Als aber die Zahlungsmoral in Süd- und Osteuropa, auch Lateinamerika und teils USA immer schlechter wurde, teils eine Katastrophe war, mussten wir Entscheidungen treffen. Wir sind ja keine Bank oder Hasardeure. Verdient wurde nichts.

Wie geht’s mit hfu weiter, was bedeutet das für die Mitarbeiter und für den Buchhandel?

Für hfu eventuell eine Gesamtlösung, oder Einzelteile werden auf andere übertragen, also Titel oder Pakete. Es geht um einige hundert Titel in jeweils vielen Sprachen. Ich habe aber keinen Druck. Für die Mitarbeiter bedeutet das gar nichts. Alle Mitarbeiter werden weiter beschäftigt. Es gibt keine Kündigungen. Und soweit es den Buchhandel betrifft: Die lieferbaren Bücher werden weiterhin ausgeliefert. 

Und was macht das mit Ihnen als Verleger?

Zunächst ein wenig Trauer. Ansonsten sind es ja unausweichliche Entwicklungsprozesse, die man annehmen und denen man sich stellen muss. Man kann nur eine gewisse Zeit dagegen halten. Anders ausgedrückt: niemand kann dauerhaft gegen den Strom schwimmen und gegen den Markt arbeiten. Und generell: Die Papierbuchkunst hat es heute schwer, kreative Dinge können aus wirtschaftlichen Gründen oft nicht weiter verfolgt werden. Leider. Wir haben ja teils sehr schöne Bücher gemacht, aber leider werden auch Druckereien sowie Fotografen und andere Druckzulieferer auf der Strecke bleiben, da Buchabsätze unter der digitalen Vorherrschaft vermutlich weiter schrumpfen. Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Unreflektiert die Welt zu beklagen, führt aber nicht zu neuen Ideen und Einnahmen. Eine Unternehmung zu führen hat auch mit Vernunft zu tun und nicht nur mit Empfindungen und Befindlichkeit.

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