Vornehmlich für ihr Buch "Der Astronom und die Hexe. Johannes Kepler und seine Zeit" (Klett-Cotta) Ulinka Rublack erhält den Preis des Historischen Kollegs 2019

Mit dem Preis des Historischen Kollegs wird in diesem Jahr die Frühneuzeithistorikerin Ulinka Rublack (University of Cambridge) ausgezeichnet. Sie erhält die Auszeichnung vornehmlich für ihr Buch Der Astronom und die Hexe. Johannes Kepler und seine Zeit (Klett-Cotta: Stuttgart, 4. Auflage 2019). Der zum 13. Mal verliehene Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und hat sich als der deutsche Historikerpreis etabliert.

Die in Cambridge lehrende deutsche Historikerin Ulinka Rublack entfaltet auf der Basis einer einzigartig dichten Quellenlage eine bislang wenig bekannte Episode der Biografie des berühmten Astronomen Johannes Kepler (1571–1630): Im Jahr 1615, kurz vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, wird seine verwitwete Mutter Katharina in Leonberg der Hexerei bezichtigt und angeklagt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere übernimmt Kepler ihre Verteidigung vor Gericht. Er will erreichen, dass sie freigesprochen wird.

Was bedeutet der Vorwurf der Hexerei für die Beschuldigten und ihre Angehörigen in einer Zeit, in der Aberglaube und konfessionelle Spannungen den Alltag dominierten und parallel zu aufgeklärter Wissenschaft existierten? Zudem waren die Handlungsspielräume von Frauen durch Ehe, Geburt, Krankheit etc. eng begrenzt. Rublacks Buch, so das Fazit der Besprechung bei H/Soz/Kult (Andra Bendlage, 9.4.2019), verbinde „fundiertes Fachwissen mit angloamerikanischer Erzähltradition und macht ein komplexes wissenschaftliches Thema für ein allgemeines Publikum zugänglich“. Es diente zwischenzeitlich auch schon als Vor-lage für eine Oper (keplers-trial.com). Das preisgekrönte Werk, zuerst in englischer Sprache erschienen unter dem Titel The Astronomer and the Witch: Johannes Kepler’s Fight for his Mother (Oxford 2015), wurde überdies ins Italienische und Chinesische übersetzt.

1967 in Tübingen geboren, studierte Ulinka Rublack in Hamburg und am Clare College in Cambridge. Seit 1996 lehrt sie Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit am St. John’s College. Für ihre Studie Dressing Up: Cultural Identity in Renaissance Europe (Oxford 2010) erhielt sie 2011 den Roland H. Bainton Prize for History. 2017 wurde sie zum Mitglied der British Academy gewählt und 2018 zeichneten sie die Alexander von Humboldt-Stiftung und die Fritz Thyssen Stiftung mit dem Reimar Lüst-Preis für ihre wissenschaftliche Vermittlungsleistung zwischen Großbritannien und Deutschland aus.

Die Verleihung des Preises findet am 8. November 2019 im Rahmen einer Festveranstaltung in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München statt.

 

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