Das Sonntagsgespräch Tony Stubenrauch: “Der Nachwuchs will die Zukunft dieser Branche mitgestalten”

Nächste Woche ist es wieder soweit: Die Buchhändler und Verlagsvertreter zieht es wie jedes Jahr nach Berlin, um sich dort auf den Buchtagen über die neuesten Entwicklungen und Trends der Buchbranche auszutauschen. In diesem Jahr gestaltet der Nachwuchs zum zweiten Mal aktiv das eigene Programm mit und auch sonst haben die Jungen einiges erreicht.

BuchMarkt sprach mit dem Nachwuchssprecher Tony Stubenrauch, bei Aufbau im Marketing tätig, über Veränderungen, das diesjährige Programm und seine Wünsche an den zukünftigen Nachwuchssprecher, der in der nächsten Woche gewählt wird…

BuchMarkt: Herr Stubenrauch, Sie sind seit 2011 Nachwuchssprecher. Mit welchen Zielen sind Sie angetreten?

Tony Stubenrauch:
“Viel gelernt”
© Monique Wüstenhagen

Tony Stubenrauch: In meiner Arbeit als Nachwuchssprecher habe ich versucht auf zwei Pole zu wirken: einerseits auf die Arbeitgeber und den Verband, um beispielsweise die wirtschaftliche Relevanz des Nachwuchses für die Unternehmen deutlich zu machen. Wir jungen Leute bringen neue Ideen und den Blick von außen mit. Das lässt sich im besten Fall in konkrete Projekte umsetzen – dazu muss der Nachwuchs aber die Chance bekommen.

Und andererseits?

Habe ich auf den Nachwuchs selbst gewirkt um – wie meine Vorgängerin Katharina Scholz – ins Bewusstsein zu bringen: Wer sich Beteiligungsmöglichkeiten und den Austausch mit den erfahrenen Branchenteilnehmern wünscht, muss auch selbst die Initiative ergreifen und diese Partizipation einfordern.

Hat sich in den letzten zwei Jahren Ihrer Amtszeit etwas verändert?

Ich glaube auf Seite der Arbeitgeber ist das Bewusstsein gewachsen, mit welcher Begeisterung und Energie Menschen in die Branche einsteigen. Die Veränderungsprozesse im Buchmarkt machen auch die Notwendigkeit deutlich, neue Wege zu gehen, sei es im Marketing, der Produktentwicklung und in den anderen Verlagsbereichen um zukünftig weiter erfolgreich zu sein. Dabei kann der Nachwuchs helfen. Mir scheinen die „alten Hasen“ neugierig auf „diesen Nachwuchs“ zu sein. So habe ich mich gefreut, als der Verlegerausschuss die Nachwuchsarbeit in die Strategie seiner Arbeit aufgenommen hat und das als ein Resultat in ein Patenschaftsprojekt für die diesjährigen Buchtage geführt hat.

Und der Nachwuchs selbst?

In gewisser Weise hat der sich emanzipiert: vom Wunsch und Willen in der Verbandsarbeit das Programm des Nachwuchsparlaments selbst mitzugestalten bis zur Gründung von selbständigen Initiativen wie BuchKarriere oder Blogs wie „Alles fließt“ hat sich hier viel getan. Der Nachwuchs will die Zukunft dieser Branche mitgestalten. Dafür selbst nach dem Heft des Handelns greifen zu müssen, ist angekommen.

Wie sieht denn das Nachwuchsparlament dieses Jahr aus?

Erst einmal bin ich froh, dass sich das Parlament mittlerweile institutionalisiert hat und wir durch geballte Anstrengungen die Attraktivität dieses Programms in den Köpfen der Nachwuchskräfte weiter zu verankern, seien es Praktikanten, Volontäre, Auszubildende, Studenten oder Einsteiger, aber auch bei den etablierten Verlegern und Buchhändlern, die schließlich ihrem Nachwuchs oft die Teilnahme ermöglichen. Ähnlich wie im vergangenen Jahr, sind auch 2013 auf die 100 freien Plätze über 140 Bewerbungen eingegangen.

Wie sieht denn das Programm für dieses Jahr aus?

Wir starten in diesem Jahr mit einer Key Note von Andreas Winiarski, Global Head of Public Relations bei Rocket Internet, einem Inkubator, der Start-ups wie Zalando mit finanziellen Mitteln, Kontakten und Know-how unterstützt. Davor war Winiarski u.a. bei BILD für das digitale Geschäft verantwortlich. Die Besonderheit in diesem Jahr: die Teilnehmer des Parlaments können das Thema des Vortrag selbst entscheiden. Im Organisationsteam haben wir drei Vorschläge erarbeitet, über die auf dem Nachwuchsblog abgestimmt werden kann: http://buchbranchennachwuchs.wordpress.com/ Neben Round-Table-Gesprächen zu Branchenthemen wird es Workshops zu Social Media, Self-Publishing, dem Lesen in der Zukunft und zum digitalen Zeitalter geben. Wir werden die Buchhandlung Uslar & Rai, die Verlage Wagenbach und Metrolit, das Start-up PaperC sowie die Werbeagentur Zum Goldenden Hirschen besuchen.

Außerdem wird dieses Jahr Ihr Nachfolger gewählt?

Genau! Bei der Sitzung des Nachwuchsparlaments wird über meine Nachfolge abgestimmt. Noch eine Neuerung: dieses Jahr werden voraussichtlich zwei Nachwuchssprecherinnen/sprecher gewählt. So wird die Arbeit auf zwei Schultern verteilt und gemeinsam können mehr Projekte angegangen werden.

Was wünschen Sie sich von Ihren Nachfolgerinnen oder Nachfolgern?

Sie sollten natürlich die Branche aktiv mitgestalten wollen und vor allem den Anspruch haben, etwas verändern zu wollen. Die Personen füllen hier immer das Amt und beide werden mit Sicherheit neue Ideen, Ansätze und Sichtweisen mitbringen und andere Wege gehen – darauf freue ich mich und bin gespannt. Wo gewollt oder nützlich, helfe ich natürlich weiterhin gern.

Was nehmen Sie für sich aus der Zeit als Nachwuchssprecher mit?

Es waren zwei Jahre mit vielen neuen Erfahrungen, Begegnungen mit interessanten Menschen, spannenden Aufgaben und Themenfeldern. Nachwuchssprecher zu sein, hat mir Spaß gemacht, aber vor allem kann ich sagen: Ich habe in der Zeit viel gelernt. So manches Projekt bin ich auch zunächst mit Begeisterung angegangen, konnte es aber schlussendlich aus zeitlichen Gründen nicht zum Abschluss bringen. Auch damit umzugehen, musste ich lernen, aber wahrscheinlich ist das doch keine seltene Erfahrung bei ehrenamtlicher Arbeit.

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