Bericht vom Verlagsabend Takis Würger und der Hanser-Verlag präsentieren sich auf der Konstanzer Bücherbörse

Wenn sich im Steigenberger Inselhotel in Konstanz Buchhändler zur Vertretermesse treffen, bildet der Donnerstagabend nicht nur das Bergfest zwischen zwei  arbeitsreichen Tagen; eine wohlgepflegte Tradition der Verlage besteht darin, als Gastgeber aufzutreten und die Vertriebspartner aus Buchhandel und Verlagsvertretungen zu Tisch zu bitten. Bei dieser Gelegenheit werden abseits von Geschäftsabschlüssen Gespräche gepflegt und Erfahrungen ausgetauscht. Am 31. Januar 2019 hatte der Hanser-Verlag eingeladen und den Verlagsabend der Bücherbörse Konstanz für rund hundert Gäste  zum krönenden Höhepunkt werden lassen. 

Als besonderen Gast hatten Verleger Jo Lendle, Vertriebsleiterin Bettina Schubert, Kundenbetreuerin Grit Pieczonka und Verlagsvertreter Dirk Drews den Autor Takis Würger mitgebracht, der seinen neuen Roman Stella vorstellte, sowie über seine Erfahrungen mit dem Werk sprach, das seit Erscheinen ordentlich Staub aufgewirbelt hat.

Es wurde klar: Weder bei den ersten Planungen der Veranstaltung im  Herbst 2017 noch beim Versand der Einladungen zum Verlagsabend im Dezember 2018 war absehbar, dass das Buch in dem Ausmaß Furore machen sollte, wie es dies seit Erscheinen tut. Die Überraschung war auch aus den Begrüßungsworten Jo Lendles herauszuhören:  Ein „tolles, aufregendes Jahr“ wünscht er seinen Gästen und bemerkt, dass es für Hanser auf jeden Fall so begonnen habe, wobei er hier durchaus die ursprüngliche Bedeutung von „toll“, nämlich „leicht verrückt“ im Sinn habe.

Neben Auszeichnungen und Preisen seien hiermit vor allem die Reaktionen auf Takis Würger und „Stella“ gemeint. Er erinnere sich nicht, dass jemals in Deutschland so viel über ein Buch gesprochen oder geschrieben worden sei. „Ich hätte nie gedacht, dass so ein kleines Buch eine solche Debatte entfachen kann. Diesen Furor, den gibt das Buch eigentlich nicht her“, konstatiert er. Wer immer die Frage, ob das Buch noch als Leitmedium gelte, mit „nein“ beantworte, habe Grund, diese Meinung zu revidieren. Er sei zuversichtlich, dass „Stella“ auch dazu diene, viele Leser zu gewinnen und damit insgesamt die um 1,6 Prozent gesteigerten Verkaufszahlen des vergangenen Jahres im Buchhandel weiter zu erhöhen. 

Für den Verlag jedenfalls sei klar:  „Wir stehen fest hinter Stella und seinem Autor.“ 

Takis Würger hat sich mittlerweile unter die Gäste gemischt, die er vor allem aufgrund seiner körperlichen Größe überragt. Ansonsten wirkt er, als sei er gerade mal eben zufällig zum gemeinsamen Essen unter Freunden gelandet und berichtet freimütig über die Wellen, die sein Buch seit wenigen Wochen schlägt. Er bemerkt die „ungeheure, verblüffende Härte der Rezensionen“ einerseits und die „Riesen-Unterstützung der Leser und Buchhändler“ andererseits.  Die beschriebene Diskrepanz äußere sich in Fragen und  Kommentaren. Als Kostprobe zitiert Würger die Mitarbeiterin eines Verlages: „Ich habe dieses Buch geliebt! Bin ich deshalb dumm?“  

Die Erlebnisse seit dem 4. Januar fasst er so zusammen: „Ich weiß gar nicht, wie es mir geht. Es waren ein paar der schlimmsten Tage, die ich je hatte.“ Für ihn komme es darauf an, von den richtigen Menschen umgeben zu sein, von Leuten, die ihm das Gefühl geben,  Verständnis zu haben. 

Den Gästen des Verlagsabends erzählt er, dass ihn nach den Verrissen in den Feuilletons Fluchtgedanken bewegt haben. Doch es waren nicht allein die Rezensionen, die ihn trafen, denn „hinten im Buch steht meine E-Mail-Adresse!“ Vergleiche mit seinem Spiegel-Kollegen Claas Relotius seien  angestellt, „Stella“ gar als das schlechteste Buch der Nachkriegsgeschichte bezeichnet worden. „Doch am nächsten Tag kamen die Mails der Buchhändler. Sie schreiben: Lass dich nicht plattmachen!“ Für die so erfahrene hundertfache Unterstützung  bedankt er sich auch bei den Buchhändlern und Buchhändlerinnen des Börsenabends in Konstanz.  

Seit 14. Januar ist er mit „Stella“ auf Lesereise. Zunächst habe er befürchtet, womöglich Ohrfeigen einstecken zu müssen. Doch: „die Lesungen sind super, weil die Menschen sich reinsetzen, zuhören und Fragen stellen. Bisher ist es nie laut oder unangenehm geworden. Ich freue mich jeden Tag auf die Lesung und ich kann erstaunlicherweise sagen: mir geht’s gut!“ 

Gudrun Schäfer-Burmeister, info@buecherboerse-konstanz.de

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