Sofatest und Cyborg-Schock

Heute früh war ich so zeitig da, dass die blaue aspekte-Couch vom ZDF noch nicht besetzt war. Da habe ich mich sofort mal draufgesetzt. Muss aber einräumen, dass die Rote Couch bei Eichborn doch noch eine Spur bequemer war. Männer sind ja in der Lage, zu Sofas nahezu symbiotische Beziehungen aufzubauen,

Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen

Leider musste ich alleine drauf sitzen, weil die reizende Daniela Ebeling vom Vertrieb meine Kamera bedienen musste. Nächstes mal lasse ich das Foto weg und nehme lieber die Ebeling.

Daniela Ebeling, Eichborn

Und wenn wir schon bei alten Berufsschulseilschaften sind: Ich grüße auch Felix Rudloff vom S. Fischer Verlag. Wenn er sich nur mal meinen Namen merken würde, anstatt mich immer „Max Mütze“ zu nennen. Sehr witzig.

Ein großes Vergnügen bereitet mir der Fachbesuchermythos. Wieviele Sterbliche außerhalb der Buchmesse höre ich klagen, dass sie sooo gerne mal zu den Fachbesuchertagen kommen würden, aber ja nicht dürfen.

Recht so! Das ist strengstens verboten! Wer sich hier reinschmult, kriegt die Hände abgehackt!

Und ich verrate keinem, dass eigentlich jeder Hansel sich Fachbesucher nennen darf, sobald er auch nur annähernd behauptet, er wolle im nächsten Leben mal ein Buch abschreiben.

So. Zum Thema Kugelschreiber habe ich eine Mail bekommen, die ich mich etwas verunsichert hat:
Leser Axel Schmidt lässt mich ohne weiteren Hinweis auf seine buchhändlerische oder verlegerische Provenienz wissen, dass ich seine gebrauchten Kugelschreiber haben könne, die ich mir bei seinem in Rente befindlichen Papa im Taunus abholen könne.

Danke, Herr Schmidt, aber es hat sich bereits erledigt.

(Anm. an die Red.: Können wir diese Seite nicht doch wieder passwortgeschützt einrichten?)

Vor allem also: Danke, GABAL! Geschäftsführerin Ursula Rosengart war in der Lage, mir zwei Kugelschreiber zu überreichen, neu, echt und ganz ohne ihren Papa, und die sollten bis zur nächsten Messe halten.

Und gleich zwei! Nochmals Danke!

Während ich auf die Übergabe wartete, belästigte mich der hauseigene Gabal-Belästigungs-Cyborg. Sie wissen schon: so eine ferngesteuerte rollende Mülltonne, die einen nötigt, Prospekte zu entnehmen. Und stellen Sie sich vor: Er nannte mich beim Namen! Er schmeichelte mir! Ich wusste nicht, dass das Geraet interaktiv ist und mithören kann, sonst hätte ich ihm natürlich niemals gesagt, dass er sich gefälligst verpissen solle.

Höllenmaschine

Der Roboter blieb hartnäckig und tadelte meine Umgangsformen. Dann sah er mir beim Häppchenessen zu. Er begleitete meine Kaubewegungen mit beeindruckend synchronen Schmatzgeräuschen aus seinem Lautsprecher.

Gehen Sie zu GABAL in Halle 3.1 D 100, wenn Sie das mal erleben möchten.

Und Du, RoboCop, strapazier’s nicht. Dein Leben hängt nur an zwei Kugelschreibern, und ich habe immer einen Schraubenzieher bei mir.

Da ich nun mal in der Sachbuchhalle war, bemerkte ich bei Europa das Lexikon der wissenswerten Nebensachen. Es ist eine Art Schotts Sammelsurium bezogen auf Deutschland. Es orientiert sich sogar in Satz, Papier, Umschlag und Aufmachung dermassen konsequent an Schotts Sammelsurium, dass der Verlag ein Versehen nur beharrlich leugnen kann.

Schotts
evil twin

Sehen Sie: So ehrlich kann man trittbrettfahren, und trotzdem kommt ein gutes Buch raus.

Bei Rowohlt saß Birgit Vanderbeke. Es war gar nicht leicht, sie so zu fotografieren, dass das Mikrofonstativ eine optische Korrespondenz mit Frau Vanderbekes Kopf einging.

Birgit Vanderbeke (hinten)

Im Lesezelt trat Dr. Eckart von Hirschhausen für die Stiftung Warentest auf. Herr Dr. von Hirschhausen ist Moderator, Journalist, Kabarettist, Zauberer, Coach und Doktor der Medizin. So alt sieht er gar nicht aus.

Bis er sich denn irgendwann mal für einen Beruf entschieden hat, entspricht diese Kombination wahrscheinlich am ehesten dem Anforderungsprofil, das zum Patienten von heute passt.
Er war jedenfalls sehr unterhaltsam und pointiert und immer irgendwie medizinisch.

sehenswert: rezeptpflichtiger hr-Beitrag

Wenn Sie gerne wissen wollten, was diese floralen Damen verteilen, aber sich nie zu fragen getrauten, dann kann ich Sie beruhigen: Die hochgewachsenen Humantujas schmeißen bloß Kosmetikproben unter die Leute.

Bei dem Enting wäre ich gerne dabei

Und Sie kennen ja diesen Greenpeace-Spruch: „Erst wenn Karasek seine nächste und abernächste Biographie veröffentlicht hat, werdet Ihr merken, dass man Kosmetikproben auch nicht lesen kann.“

Inzwischen musste ich mal auf Toilette. Nicht, dass Sie das etwas angeht, aber beim Betreten ließ mir ein freundlicher Herr den Vortritt mit den Worten „BuchMarkt hat Vorfahrt.“ Ich hoffe, er hat das journalistisch gemeint und nicht etwa auf meinen Harndranggesichtsausdruck bezogen.

In der Herrentoilette habe ich immer solche Probleme mit den Handtuchspendersensoren. (Mit der Damentoilette fehlt mir jegliche Erfahrung.) Zum Glück konnte mir ein Herr von der Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft mbH helfen. Ich wusste nicht, dass das zum Leistungsspektrum der BAG gehört.
Glücklicherweise hat die Firma Brockhaus ein riesengroßes dudenförmiges Gästehandtuch vor Halle 4.1 aufgestellt.

leider nur Kunstfaser

Zum Interview mit Heike Makatsch konnte ich mich wieder an meine gute Freundin, die Journalistin Daniela Klein vom Hessischen Rundfunk hängen. Wir profitieren vom Synergie-Effekt zwischen Presse und Rundfunk: Sie nimmt mich mit zu den Promis, und ich halte dafür während der Interviews mein Maul.

Frau Makatsch duzt mich auf Anhieb. Alte VIVA-Schule. Sie stellte Ihr Buch vor „Keine Lieder über Liebe“ bei Kiepenheuer & Witsch. Es greift die Rolle der Ellen auf, die Makatsch in Lars Kraumes gleichnamigen Film spielte.

Frau Makatsch (oder Heike, wir sind ja per Du) sieht sich nicht als Literatin und empfindet deshalb besondere Ehrfurcht vor den abertausenden Büchern auf dieser Messe, weil hinter jedem Buch ein Kopf voller Gedanken stecke.
Da kann ich Dich beruhigen, Heike: Wir verchecken hier durchaus auch Sachen wie L. Ron Hubbard, Dieter Bohlen oder Peter Hahne.

Allerdings finde ich diese Bescheidenheit ausnehmend sympathisch. Groucho Marx dachte ähnlich über sich und hat dennoch großartige Bücher verfasst, das nur nebenbei.
Ich darf dem Bad Nauheimer Mädsche noch den Gefallen tun, auf die Lesung am Samstag Abend hinzuweisen: 20.30 in der Frankfurter Batschkapp!

Heike Makatsch, Daniela Klein

Es wird Zeit fürs Mittagessen bei Dr. Oetker: Starkoch Johann Lafer (dessen eigentümliches Talent, einfach jeden Menschen wie einen Assistenten zu behandeln, ich sehr unterhaltsam finde) hat mir schnell was gekocht. Es gab:

Wiener Schnitzel mit steirischem Kartoffel-Gurken-Salat an Kürbiskernöl.

Und dass die Buchmesse generell den guten Direktsaft aus der Region ausschenkt, sei mir ebenfalls ein Lob wert.

Ein Thema auf dieser Messe ist der EAN-13, der unsere ISBN ab 2007 ablösen wird (ich berichtete im aktuellen BuchMarkt über dieses spritzige Thema.) Ein Besuch beim Softwarehaus Bookhit GmbH aus Drensteinfurt zeigt, dass man dort bereits emsig daran arbeitet, die Umstellung praktisch unsichtbar und unbemerkt in die Wege zu leiten, z.B. durch Rumsitzen und Grinsen.

Softwareleute im Stress:
Peter Lederer, Michael Spartmann

Ein Unternehmen, dessen Name ich vor Schreck vergessen habe, bot mir eine Mastercard Gold an. Das habe ich natürlich abgelehnt. Ich würde niemals einer Institution vertrauen, die mich für kreditwürdig hält.

Bei Kösel traf ich den Bewusstseinsförderer Clemens Kuby, der sein neuestes Buch „Heilung – Das Wunder in uns“ vorstellte, den Folgeband seines Bestsellers „Unterwegs in die nächste Dimension“. Ein Ansatz zur Förderung des Bewusstseins ist die Entsprechung zwischen Mensch und Atom: Beide bestehen zu 99 % aus Vakuum, und das eine Prozent Materie werden wir ja wohl in den Griff kriegen.

Und ich muss zugeben: Es gibt wirklich Tage, wo ich diesen Ansatz so richtig gut nachvollziehen kann.

Und wussten Sie, dass Herr Kuby der Neffe Werner Heisenbergs ist?

Clemens Kuby und das Magazin
für Heisenbergsche Unschärferelation

Ein Riesenspektakel war Nenas Auftritt bei Lübbe, um ihr Buch „Willst Du mit mir gehn“ vorzustellen. Mir macht der Titel ja nichts aus, aber ob Daliah Lavi das ähnlich sieht, wissen wir nicht und hoffen es mal. Die hatte nämlich diesen schönen Schlager damals kurz nach dem Krieg gesungen.

Nena ist zwar von Natur aus 2,10 m gross, aber Lübbe hat sie vorsichtshalber in einer Bodenvertiefung auftreten lassen, damit sie beim Presseshooting auch ja nicht zu sehen ist.

Nena (34. von links)

Spät am Tag verfolgte ich das Gespräch zwischen Asterixzeichner Albert Uderzo und Asterixleser Ulrich Wickert im Kino in Halle F.0. Wickert ist ja nicht nur ein Womanizer der alten Schule, sondern passenderweise selbst so etwas wie eine nebenberufliche Römerkarikatur.

Habe den neuen Asterix natürlich mal in die Hand genommen und geblättert. Als ich die Raumschiffe und die Aliens sah, habe ich das Heft schneller fallengelassen als des Häuptlings Schildträger ihren Chef.

Wieviele Mangas muss man vorher gelesen haben, um das gutzuheißen?
Weiss René Goschinny, was Uderzo da tut?
Ich muss sofort „Asterix der Gallier“ lesen, um meinen Blutdruck zu senken.

Deshalb also braucht Uderzo Personenschutz
Hier gibt es ein Kino?
Und das erfahre ich jetzt erst?

„Mal mir mal ’nen Schwulen“: Im Comicforum gab Ralf König Autogramme. Da er jedes einzelne mit einer schönen, aufwändigen Zeichnung versah, die er auch noch selbst kolorierte, hat er in den zwei Autogrammstunden auch gut und gerne mindestens sieben, acht Widmungen geschafft.

Malen kann ich nicht,
aber ich habe einen fotografiert
So… und jetzt hier noch ein Strich…

Es wurde extra ein Angestellter der Buchmesse abgestellt, der jedem in der Warteschlange persönlich versicherte, dass er nicht mehr drankomme.

Oder heisst das „drankäme“? Seit Bastian Sick pathologisch auf diese Dinge achtet, habe ich gar keine Lust mehr, mich mit Konjunktiven auszukennen. Der ist übrigens im Azubistro aufgetreten.

Hoffen wir, dass es hilft.

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod &
das Stativ ist dem Azubi im Weg

Fraglos ein Höhepunkt dieser Woche war Helge Schneiders Lesung in der Batschkapp. Aus seinem Buch Globus Dei, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, liest Helge lauter Sachen, die gar nicht in dem Buch stehen. Er sagt, wir Buchhändlerheinis leben von seinem Buch, aber er sagt auch:

Wer lesen will, sollte Bücher nehmen.

Bericht einer Nordpolexpedition

Zum Schluss noch das Anagramm des Tages:

Sortimenterausschuss – Stuss, Resistance, Humor

Wenn das am Wochenende wieder so voll wird (und voller), dann lasse ich mir vom Hausmeister den Schlüssel geben und erledige meine Gänge lieber des Nachts.

Einen schönen Samstag wünscht Ihnen

Ihr

Matthias Mayer…

…und lassen Sie mich endlich mit Ihren Kugelschreibern in Ruhe.

herrmayer@hotmail.com

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