Buchhandlungen Kapitel 43, Lesezeichen und Schutt sind die Gewinner „Live“: Bilder von der Preisverleihung „Schaufenster Hessen“

Gestern wurden im Frankfurter Haus des Buches die Sieger im Wettbewerb Schaufenster Hessen bekannt gegeben. Dazu hatten die acht teilnehmenden Verlage sowie die IG Regionalia eingeladen.

Annette Sievers (Peter Meyer Verlag) und Simon Marshall, (Verlagshaus Römerweg) begrüßten die Gäste.

Nora Bechler, Stabsbereich Marktforschung beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, sprach über eine erste Auswertung der Studie zu Buchkäufern. Anhand von Tafeln wies sie nach, dass die Absätze im Buchmarkt seit 2014 hinter den Umsätzen liegen, die Preise sind moderat gestiegen. Trotz großer Medienkonkurrenz zeigt sich der Buchmarkt nach Umsätzen in den letzten zehn Jahren weitgehend stabil.

Eine negative Entwicklung ist 2017 zu beobachten, das Sortiment verkaufte 5,1 Prozent weniger, obwohl die Preise um 2,2 Prozent stiegen. Der Umsatz verringerte sich um 3 Prozent.

Beunruhigend sei, dass in den letzten Jahren sechs Millionen Käufer aus dem Buchhandel abgewandert sind. So gab es 2017 rund 600.000 Käufer weniger als 2016. Ein besonders starker Abwärtstrend sei bei den 14- bis 60-Jährigen zu beobachten, das ziehe sich durch alle Bildungsschichten.

In einer Diskussion mit Fokusgruppen in Frankfurt und Leipzig sei festgestellt worden, dass Bücher wohl nicht mehr „cool“ seien. Das Gesamtzeitbudget für Medien sei in den letzten zehn Jahren mit rund neun Stunden pro Tag etwa gleich geblieben, Bücher hätten gegen andere Medien jedoch verloren. „Bücher, so sagten die Gesprächsteilnehmer, verlangten die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lesers. Das sei schwierig in einer Multi-Tasking-Gesellschaft“, erläuterte Nora Bechler. Auch die gesellschaftliche Relevanz von Büchern sei gesunken.

Die komplette Studie werde am 12. Juni auf den Buchtagen in Berlin vorgestellt.

„Vielleicht könnte der Börsenverein ja eine Lese-App mit Vorschlägen entwickeln“, regte Annette Sievers an. Denn in den Fokusgruppen kam auch eine große Unsicherheit gegenüber den jährlich rund 70.000 Neuerscheinungen zur Sprache.

Axel Dielmann vom gleichnamigen Verlag erinnerte zunächst er an Hilmar Hoffmann, der langjährige Frankfurter Kulturdezernent, der „Kultur für alle“ gefordert hatte und mit dem Bau des Museumsufers weit über die Grenzen Frankfurts hinaus bekannt wurde, war am 1. Juni im Alter von 92 Jahren gestorben. Sein letztes und 50. Buch Generation Hitlerjugend war im Januar 2018 im Axel Dielmann-Verlag erschienen.

Dielmann berichtete nun über die Ergebnisse der Umfrage zum Wettbewerb Schaufenster Hessen. Im fünften Jahr von Schaufenster Hessen habe man zunächst vorgehabt, die jeweils drei Gewinner der letzten vier Jahre zu befragen. „Doch von den zwölf Buchhandlungen gibt es leider nur noch neun“, stellte Dielmann fest. Also habe man alle rund 30 Teilnehmer angeschrieben und eine Rücklaufquote von 50 Prozent erreicht.

„Diese hohe Zahl zeigt, dass sich die Buchhandlungen gerne an der Umfrage beteiligten“, bemerkte der Verleger. Es konnte festgestellt werden, dass Schaufenster und Büchertische im Laden gleichermaßen bedeutsam sind. Wer sich eher auf Stammkunden stützt, dem sind Indoor-Präsentationen wichtig, wer Laufkundschaft erreichen will, legt viel Wert auf Schaufenster. Erstaunt zeigte sich Dielmann über die Häufigkeit der Umgestaltung; durchschnittlich etwa alle zweieinhalb Wochen werde neu dekoriert. Dabei übernehmen das die Buchhändler meist selbst, beziehen viele ein und sind sehr erfinderisch. „Schaufenster, die eine Geschichte erzählen, werden am meisten beachtet“, unterstrich Dielmann. Professionelle Dekorateure kann sich aufgrund des knappen Budgets kaum einer leisten, obwohl dadurch Fachwissen ungenutzt bleibt.

Allerdings sei nicht das Schaufenster, sondern die Lesung am wirksamsten für den Verkauf. Deshalb organisieren die Buchhändler Lesungen oft in Kooperationen mit anderen lokalen Einrichtungen.

Anschließend stellte Annette Sievers den diesjährigen Schaufensterwettbewerb vor. Die Teilnehmer hatten die Aufgabe, ein Fenster oder einen Büchertisch mit Novitäten und Büchern aus der Backlist der Editionshäuser pmv, Axel Dielmann-Verlag, Größenwahn Verlag, Henrich Editionen, Edition Federleicht, Societäts Verlag, Lauinger Verlag und Verlagshaus Römerweg zu gestalten.

Auf den dritten Platz kam die Buchhandlung Schutt von Angelika Schleindl in Frankfurt, die einen Tisch mit Bembel und einer Tafel, auf der „Hessischer Lesegenuss“ geschrieben stand, gestaltete.

Platz zwei erreichten Britta Karadzole und Iris Massuthe, Inhaber der Buchhandlung Lesezeichen in Darmstadt. Mit einem Fahrrad, Karten und Wanderausrüstung im Fenster ging es dort auf Hessentour.

Sieger wurde Kapitel 43 aus Rüsselsheim. „Escht … hessisch“ waren die beiden Schaufenster überschrieben. Sonja Fleckenstein war für die Vertretungsberechtigten Melanie Enders und Sara Vazquez anwesend. Alle drei Buchhändlerinnen der Gewinner erhielten Blumensträuße. Der Hauptpreis war eine kostenlose Buchvorstellung aller acht Wettbewerbsverlage während der Regionalbuchtage im September 2018. „Wenn die beiden anderen Buchhandlungen auch den Wunsch nach einer solchen Lesung haben, können wir gerne darüber reden“, bot Sewastos Sampsounis (Größenwahn Verlag) an.

Beim anschließenden kleinen Empfang kam man schnell miteinander ins Gespräch.

JF

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