Veranstaltungen Regionalbuchtage: Ein Frankfurter Abend

Im Rahmen der Regionalbuchtage, die bundesweit vom 15. bis zum 30. September stattfanden, gab es am Freitag, 28. September, einen Frankfurter Abend in der Buchhandlung Schutt in Frankfurt-Bornheim.

Das Frauen-Vokal-Ensemble Klangspeisen des Größenwahn-Verlags, der die Veranstaltung organisierte, leitete den Abend mit Downtown ein.

Die Inhaberin der Buchhandlung Angelika Schleindl begrüßte die vielen Gäste: „Größenwahn-Verleger Sewastos Sampsounis kam auf die Idee und sprach mich an. Das Team der Buchhandlung übernahm den Ticketverkauf, und nun freuen wir uns auf die erste Bornheimer Literaturnacht.“

Sewastos Sampsounis, Michael Herl

Mit Michi Herl, Matthias Arning, Jan Seghers alias Matthias Altenburg und Sewastos Sampsounis saßen gleich vier Autoren im Podium. Der Chef des Stalburg Theaters Michael (Michi) Herl moderierte.

Matthias Arning las zunächst aus dem in diesem Jahr in der von Arning geleiteten Edition Frankfurter Ansichten erschienenen Frankfurt für Anfänger. Es sei eine Handreichung für Ankommende – ganz egal, seit wann sie in der Stadt am Main lebten.

Genau darüber schloss sich ein Gespräch an. „Als ich vor über 30 Jahren zuhause sagte, dass ich nach Frankfurt gehen würde, meinte meine Großmutter skeptisch: ‚Was willst du denn da?’“, berichtete Arning. „Mein Onkel sagte: ‚Man spricht von Wiesbaden, aber über Frankfurt’, und das war auch vor etwa 30 Jahren“, ergänzte Herl. „Mich führten Toleranz und Offenheit nach Frankfurt, ich wollte zudem nicht die Klischees meiner griechischen Familie bedienen“, fügte Sampsounis hinzu. „Ich kam als einer, der irgendwie alles mögliche anfangen wollte, nach Frankfurt und hatte sofort das Gefühl, in der Stadt zuhause zu sein“, schloss sich Matthias Altenburg an. Mit seinen Krimis, die er unter dem Namen Jan Seghers schreibt, sei er der Stadt nochmals näher gekommen, denn: „Als die Krawatten der jungen Banker immer bunter, die Autos immer größer und die Wohnungen zunehmend saniert wurden, dachte ich an Wegzug.“ Seine Familie sei jedoch dagegen gewesen, fügte Altenburg hinzu.

Jan Seghers alias Matthias Altenburg

„Wenn es eine Stadt gibt, wo Multikulti wenigstens auf den Weg gebracht worden ist, dann ist das Frankfurt“, äußerte Arning. „Toleranz ist in Frankfurt ganz weit vorn, das merkt man besonders, wenn man aus anderen Städten zurück an den Main kommt“, unterstrich Michi Herl. „Und dabei soll es bleiben“, betonte er. „Ich bin Deutscher mit Migrationshintergrund. Man kann in Frankfurt als Mensch sein, wie man ist oder sein will.” Sampsounis gründete anlässlich des Jubiläums des Restaurants Café Größenwahn im Jahr 2009 den Verlag, um zunächst die zum Jubiläum gesammelten Gedichte der Kunden zu veröffentlichen.

In den letzten Jahren hat sich in Frankfurt viel verändert. Wasserhäuschen wurden geschlossen, Kneipen wie beispielsweise das „Weserstübchen“ im Bahnhofsviertel, über das Altenburg ein Stück vortrug, ebenfalls.

Dafür gibt es Neues wie einen Wurstautomaten in Kalbach, der Metzger wurde von seinen Kunden dazu inspiriert.

„Aber Fakt ist auch, dass die Leute, die in Supermärkten, Kneipen und Krankenhäusern arbeiten, meist nicht in Frankfurt wohnen, weil sie sich das gar nicht leisten können“, sagte Herl. „Was kann man tun?“

„Es gab schon immer Mäzene, man sollte die Reichen in die Pflicht nehmen“, antwortete Arning. Das brachte Altenburg auf: „Wir wollen doch keine Almosen!“

Außerdem nehme der Antisemitismus zu, das spürten besonders die Sportler des TuS Makkabi. „Wir können soziale Verwerfungen nicht ausblenden“, warnte Altenburg. „Wir tun etwas – diese Veranstaltung ist sehr gut besucht. Nach dem Essen gehen wir nach Hause und reden mit Freunden darüber. Das ist doch schon etwas“, sagte Sampsounis.

Zum Abschluss las Arning ein Kapitel über den wunderbaren Botanischen Garten, ein Kleinod in der Großstadt. Die Klangspeisen setzten den musikalischen Schlusspunkt.

Es war eine gelungene erste Bornheimer Literaturnacht, die immer am letzten Freitag des Monats fortgesetzt werden soll. Etwas zu essen und zu trinken wird es dabei auch stets geben.

Bücher über und aus Frankfurt

Zur Frankfurter Buchmesse ist ein Special geplant, ein georgischer Abend unter dem Titel Literatur und Menschen – Zwischen den Zeilen am 11. Oktober mit Giorgi Lobzhanidze, Zaza Bibilashvili und Kato Jakakishgvili. Am 30. November steht Ein hochprozentiger Abend auf dem Programm, bei dem Literatur mit Whiskey, Likör und Schnaps Verbindungen eingehen wird. Ein Abend der vergessenen Geschenke erwartet die Besucher am 28. Dezember.

JF

 

 

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