Preisverleihung findet am 15 Juni 2018 statt Publizistenpreis der deutschen Bibliotheken 2018 geht an Reto U. Schneider

Der mit 5.000 Euro dotierte Publizistenpreis der Deutschen Bibliotheken (Helmut-Sontag-Preis) geht in diesem Jahr an den Schweizer Wissenschaftsjournalisten Reto U. Schneider. Ausgezeichnet werden seine Beiträge „Besuch bei der alten Dame“ und „Letzte Mahnung“ aus der Sonderausgabe von NZZ-Folio zum Thema Bibliotheken (August 2017).

Die Preisverleihung durch den Deutschen Bibliotheksverband (dbv) und die Wissenschaftliche Buchgesellschaft (wbg) wird am 15. Juni 2018 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Bibliothekartages in Berlin stattfinden. Schneiders Einreichung wurde von einer unabhängigen Jury, bestehend aus Vertreter/innen der bibliothekarischen Verbände (BIB, dbv und VDB ) sowie von Medien und Verlagen, ausgewählt.

In der der Jurybegründung heißt es:

„Dass eine international bekannte Zeitung wie die „Neue Zürcher Zeitung“ ihr auch im Ausland vielgelesenes Magazin „NZZ Folio“ vollständig dem Thema Bibliotheken widmet, dürfte eine absolute Ausnahme sein. Im Zentrum des August-Hefts von NZZ Folio stand im letzten Jahr eine Bibliothek, die 100jährige Zentralbibliothek Zürich, vor
Ort mit liebevollem Understatement auch „ZB“ genannt. Unentbehrlich seien Bibliotheken, titelte das Editorial. Der bekannte Schweizer Wissenschaftsjournalist Reto U. Schneider zeigt in seinem Artikel „Besuch bei der alten Dame“, warum. Er zeigt, dass die ZB gleichermaßen eine ganz ungewöhnliche wie auch ganz gewöhnliche Bibliothek ist. Ungewöhnlich sind vor allem die Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Sie betreiben Schatzsuche, ermöglichen das Kennenlernen des künftigen Lebenspartners, machen verborgene Texte wieder sichtbar und notfalls sogar den Waffenschein. Und sie springen über ihren Schatten, wenn sie Büchern „auf Nimmerwiedersehen“ sagen, weil diese in den Besitz der neugegründeten Speicherbibliothek übergehen, um Platz für neue Angebote zu schaffen. Schneider zeigt aber auch, dass die ZB eine ganz gewöhnliche Bibliothek ist. Sie besitzt Handschriften aus dem 9. oder sogar dem 7. Jahrhundert. Sie kämpft mit dem Platzmangel ebenso wie mit feuchten Kellern und sommerlicher Hitze. Sie hat sonntags geöffnet, und zehn Millionen Franken aus dem Lotteriefonds reichen nicht aus, um die wichtigsten Dokumente zu scannen. Sie sorgt dafür, dass Bücher auch in hundert oder tausend Jahren noch gelesen werden können, gleichgültig ob sie gedruckt oder digitalisiert wurden.

Reto U. Schneider ist es mit seinem ebenso umfangreichen, gut recherchierten wie spannend geschriebenen Artikel über die Zentralbibliothek Zürich gelungen, Bibliotheken ein ganz besonderes Denkmal zu setzen, das überregional wahrgenommen wurde. Schneiders Reportage über die ZB zeigt: Bibliotheken sind wichtig. Sie erfinden sich neu, öffnen sich für neue Nutzergruppen und zugleich bleibt die Grundidee der Bibliotheken bestehen: Informationen sollen gesichert und auch in hundert oder tausend Jahren noch lesbar sein.

Schneider bleibt beim Grundsätzlichen aber nicht stehen, sondern hat sich auch noch mit einem ganz anderen Aspekt der Bibliothekskultur beschäftigt: der „letzten Mahnung“. Er gibt den Bibliotheken mit auf den Weg, sie mögen ihre Mahngebühren drastisch senken oder ganz abschaffen, denn Gebühren bestrafen vor allem diejenigen
Menschen, für die selbst geringe Beträge bedeutend sind.“

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