Buchhandel PEN-Zentrum Deutschland, Verband deutscher Schriftsteller (VS) in Bayern und Kurt Wolff Stiftung melden sich zu Wort: „Die Verhältnisse im Buchhandel können uns nicht gleichgültig sein“

Das PEN-Zentrum Deutschland, der Verband deutscher Schriftsteller (VS) in Bayern und die Kurt Wolff Stiftung haben sich heute zu Wort gemeldet: Der Tenor ihrer gemeinsamen Resolution (n Anlehnung an den historischen „Aufruf der Autoren“ (Frankfurter Buchmesse 1968) ist „Die Verhältnisse im Buchhandel können uns nicht gleichgültig sein“.

Hier die Erklärung, die anknüpft an das, was Pro.Buch-InitiatorBernhard Rieger vorige Woche hier auch im SONNTAGSGESPRÄCH [mehr…] erläutert hatte und ein „positives Gegenbild Pro.Buch.Kultur., eine Zukunftsallianz von Autoren, Verlegern und Buchhändlern“ entwirft, wie Rieger dazu sagt.

Hier der Text der Resolution:
Der Buchhandel in Deutschland befindet sich in einer ernsten Krise; das einst vorbildlich engmaschig geknüpfte Netz „geistiger Tankstellen der Nation“ (so Altbundeskanzler Helmut Schmidt) ist akut gefährdet.

Kapitalkräftige Unternehmen – der Parfümerie-Konzern Douglas und der kirchliche Weltbild-Konzern, die inzwischen mehr als ein Drittel des stationären Sortimentsbuchhandels beherrschen – haben sich ehemalige Traditionsbuchhandlungen (Thalia, Hugendubel) einverleibt und die nationale Buchhandelslandschaft nachhaltig verändert. Sie entzogen ihren Buchhändlern die Gestaltung des Sortiments, degradierten die Filial-Angestellten auf das Niveau von Hilfspersonal und etablierten so einen „Buchhandel ohne Buchhändler“.

Die beiden Branchenriesen expandierten in einem erbitterten Wettbewerb um die Marktführerschaft, investierten in überdimensionierte Verkaufsflächen, be- und verdrängten den lokal/regional verankerten Buchhandel. Aufgrund ihrer Marktmacht sind sie mittlerweile in der Lage, Handelskonditionen zu diktieren und Einfluss auf die Programmgestaltung der Verlage zu nehmen.

Verkäuflichkeit besiegt die einstige Vielfalt, Renditekriterien bedrohen den kulturellen Auftrag. Ökonomische Mechanismen, wie sie den Discounthandel kennzeichnen, bestimmen nun auch den Handel mit Büchern; symptomatisch hierfür sind die „Nonbook-Sortimentserweiterungen“ der vergangenen Jahre durch buchfremde Massenware aller Art.

Auf eine kurze Boomphase folgte alsbald die radikale Kehrtwende: Aktuell ziehen sich die Großfilialisten aus dem Ladengeschäft zurück und verlagern – orientiert am Erfolgsmodell des Online-Marktführers Amazon – ihren Umsatzschwerpunkt in den Internethandel. Somit stehen jetzt radikaler Rückbau, Schließung großer Ladenflächen in den Städten und massive Dezimierung des Personals auf der Agenda.

Wir protestieren gegen ein rein renditeorientiertes Handeln mit Büchern,
das soziale und kulturelle Verantwortung über Bord wirft.

Wir erwarten die politische Stärkung derjenigen Strukturen,
die eine ungehinderte Verbreitung von Literatur ermöglichen und gewährleisten.

Wir fordern den Erhalt des gefährdeten, weltweit einzigartigen deutschen Buchhandelsnetzes –
sowie dessen Fundaments: des Berufs des Buchhändlers.

Wir unterstützen die Zukunftsallianz „Pro.Buch.Kultur.“

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