Absender wittern einen Skandal um die Ausschüttung der Preisgelder Offene Briefe um die Verleihung des Deutschen Verlagspreises 2019

Mehrere „Offene Briefe“ um die Verleihung des Deutschen Verlagspreises 2019 kursieren derzeit in der Branche. Die Absender wittern „einen Skandal“ um die Ausschüttung der Preisgelder in Höhe von insgesamt 1 Mio. Euro an insgesamt 57 deutsche Verlage: 

Der lauteste Vorwurf: „Mindestens 5 der 7 Jurymitglieder sind ganz offensichtlich mit ausgezeichneten Verlagen verbandelt. Und: Von den 57 prämierten Verlagen seien mindestens 35 Mitglieder der Kurt-Wolff-Stiftung sind, die als Kooperationspartner für den Preis auftritt…. die Teilnahmebedingungen für den Deutschen Verlagspreis stimmten zudem mit den Bedingen zur Aufnahme in die Kurt-Wolff-Stiftung übereinstimmen – Bedingungen, die wirklich kleine und unabhängige Verlage aber ausschließen (weil hier z.B. gefordert wird, dass man einer Auslieferung angehört und einen Buchhandelsvertreter hat, was sich viele Kleine gar nicht leisten könnten). So sei es auch nicht verwunderlich, dass sich unter den 57 Verlagen zum Großteil altbekannte und auch eher größere befinden, auch, dass ein Verlag  mit einem Jahresumsatz von über 8 Mio. Euro nominiert sei..

Ausführlich nachzulesen ist das alles in diesen Pressemeldungen und offenen Briefen:

https://www.openpr.de/news/1061624/Feiern-oder-fragen-Der-Deutsche-Verlagspreis-2019.html

http://www.edition-schwarzdruck.de/?p=4730&fbclid=IwAR2V5k1gRKMaeWqdh7ILlx4Orj1bMnbhqDCBHOlSZeP01v_ENe5lYxH87sQ

https://verlagmartapress.wordpress.com/2019/09/25/deutscher-verlagspreis-2019-zeigt-maengel-der-strukturen/?fbclid=IwAR0FQ6C2whAm-w8vDGXZaYmuYV34s_CFNHwikOKXyhIzC3bzH-kToUD3RNo

Vanessa von Proff vom Allitera Verlag macht auf diese Stellungnahmen aufmerksam: „Das alles hat leider wenig zu tun mit einer Förderung der Vielfalt der deutschen Verlagswelt und der Anerkennung der Arbeit der unabhängigen Verlage, wie es der Preis sein möchte. Wir möchten nicht den Anschein erwecken, dass wir den Verlagen die Auszeichnung nicht gönnen würden, denn wir schätzen die Kolleginnen und Kollegen allesamt sehr und jeder Verlag hat eine Förderung verdient. Doch kann es nicht sein, dass mit Steuergelder auf eine solch dubiose Weise verfahren wird. Dem muss nachgegangen werden. Denn nur wenn die nun aufgedeckten Missstände in diesem Jahr geklärt werden, kann der Preis in den kommenden Jahren eine angemessene Fortführung erfahren, die wir uns natürlich alle wünschen würden“.

 

 

 

 

Kommentare (2)
  1. An die Kritiker des Deutschen Verlagspreises aus den Reihen unabhängiger Verlage – eine Antwort aus kollegialer Sicht

    Einige unabhängige, kleine bis kleinste Verlage haben sich öffentlich mit beträchtlichem Aplomb gegen die Vergabekriterien und/oder die Gewinner des erstmalig vergebenen Deutschen Verlagspreises gewandt. Sie unterstellen ungerechtfertigten Lobbyismus und sogar Schiebung. Die Vorwürfe richten sich gegen die Schirmherrin des Preises, vor allem aber gegen die Kurt Wolff Stiftung als Kooperationspartner.
    Ich widerspreche hiermit allen Kollegen, die solche Vorwürfe kundgetan haben, entschieden.

    Vorab: Mein eigenes Unternehmen existiert seit nahezu einem Vierteljahrhundert und vertritt ein anspruchsvolles kultur- und zeitgeschichtliches Programm mit über 500 Titeln. Seinen guten Ruf verdankt der Lukas Verlag wichtigen Sach- und Fachbüchern über den Widerstand gegen das NS-Regime, zum Alltag in der DDR, zur Kunst- und Architekturgeschichte seit dem Mittelalter sowie zur Kulturgeschichte Berlins und Brandenburgs. Gelegentlich widmen wir uns auch philosophischen und musikgeschichtlichen Fragestellungen, der Fotografie oder der zeitgenössischen bildenden Kunst. Ungeachtet dieser verlegerischen Kontinuität und Kraft saßen im Büro selbst in den besten Zeiten nie mehr als drei Personen. Wir gehören nach wie vor zu den sehr Kleinen der Branche und sind in jeder Hinsicht in einem Maße unabhängig, dass es am Vogelfreiheit grenzt.
    Obgleich wir das Geld stets dringend gebraucht hätten, sind wir noch niemals! mit einem der einschlägigen Verlagspreise bedacht worden: weder mit dem Preis der KWS noch mit dem Berliner Verlagspreis, und jetzt auch nicht mit dem Deutschen Verlagspreis. Dabei hätten wir zumindest die beiden letzteren, soviel Selbstbewusstsein muss sein, genauso verdient wie die allermeisten unter den glücklicheren Kollegen. Natürlich bin ich traurig und missgestimmt darüber, dass der Lukas Verlag mit seinen wenig glamourösen, eher trockenen Sachbüchern für Jurys regelmäßig offenbar zu unsexy ist, obwohl doch zweifellos auch wir für den intellektuellen Diskurs im Lande verdammt viel und nachhaltig tun. Doch nicht im Traum würde mir einfallen, den Anregern, Ermöglichern, Stiftern, Organisatoren und Juroren all dieser Preise in einer Art ans Bein zu pinkeln und so die Preise insgesamt zu diskreditieren, wie es die eingangs erwähnten Kollegen getan haben.
    Deren Vorwürfe zielen, von ein paar zusätzlichen Petitessen abgesehen, in zwei Richtungen: zum einen gegen das Engagement der Kurt Wolff Stiftung und gegen die Dominanz an Preisträgern aus deren Umfeld, und zum anderen wird der Jury eine unzulässige professionelle Verquickung mit den Gewinnern unterstellt. Beide Vorwürfe sind aus meiner Sicht völlig inakzeptabel, was ich im Folgenden erläutern möchte.

    Ich gründete meinen Verlag Ende 1995. Drei Jahre später, da hatte ich etwa zwanzig lieferbare Titel, unterschrieb ich Verträge mit den Barsortimenten. Es war dies ein wirtschaftlich vernünftiger Schritt, denn nur so waren meine Bücher einigermaßen sicher und unkompliziert im Buchhandel auffindbar. Bis ich mich entschloss, sie über eine Auslieferung zu vertreiben, brauchte es noch einmal zwei Jahre und ungefähr dreißig weitere Titel. Frühestens jetzt, um das Jahr 2000, empfand ich mich als »richtiger« Verleger, verdiente ich mein Geld nicht länger mit externen Brotjobs, war der Lukas Verlag ein ordentliches Unternehmen und nicht mehr nur die bloße Behauptung eines Verlages. Dazu passte schließlich auch, dass ich ab 2003 mein zweifellos »schwieriges« Programm mit Hilfe von Vertretern im Sortiment unterzubringen versuchte. Dass ich mich ungeachtet dessen lange damit schwertat, Mitglied des Börsenvereins zu werden, sei nicht verschwiegen. Zu schwerfällig schien mir dieser Tanker, zu hoch waren mir die Beiträge. Ich trat ihm erst 2010 bei, also fünfzehn Jahre nach Gründung meines Hauses. Und noch etwas länger brauchte es, bis ich endlich auch an die Kurt Wolff Stiftung andockte. Erst jetzt nämlich fand ich, dass der Lukas Verlag ohne Wenn und Aber in den Kreis der darin versammelten Qualitätsverlage gehört. Dass man mich dort von Beginn an akzeptierte und schätzte, macht mich stolz. Was ich mit alldem sagen will: Ein paar Bücher machen kann jeder, einen Verlag beim Gewerbeamt anmelden auch, aber deshalb ist man in meinen Augen längst nicht automatisch ein richtiger Verleger. Diese Bezeichnung muss man sich erst über die Jahre hinweg verdienen. Und schon gar nicht gehört man qua Selbstermächtigung einfach so zur KWS. Ich finde es von den Kritikern des Deutschen Verlagspreises mehr als anmaßend, wie sehr sie sich unsubstantiiert aus dem Fenster lehnen und eine Beachtung einfordern, die sie womöglich überhaupt noch nicht verdient haben. Etwas Bescheidenheit stünde ihnen gut zu Gesicht. Nie und nimmer hätte ich mich vor zwanzig oder selbst noch vor fünfzehn Jahren getraut, meinen Hut in den Ring eines Deutschen Verlagspreises – hätte es ihn damals schon gegeben – zu werfen oder gar mich über dessen Bedingungen zu mokieren.

    Die kleine KWS tut für unabhängige Verlage meiner Überzeugung zufolge viel mehr als der gesamte Börsenverein mit seinem großen Apparat. Ich bewundere sehr den uneigennützigen, ehrenamtlichen Einsatz ihres Vorstandes – ein Einsatz übrigens, von dem beileibe nicht nur die der KWS angeschlossenen Unternehmen selbst profitieren, sondern an vielen Stellen auch die breite Szene der Unabhängigen insgesamt. Jawohl, ein Gutteil der mit dem Deutschen Verlagspreis Ausgezeichneten ist im Umfeld der KWS angesiedelt. Wer denn sonst, bitte sehr, wenn nicht sie?! Abgesehen davon sind aber auch die Leistungen etlicher anderer gestandener Qualitätsverlage mit viel Geld dotiert worden. Ein Geld übrigens, welches ohne das Engagement der rührigen KWS nie und nimmer in die krisengeschüttelte Branche hineingepumpt worden wäre. Jeder unabhängige Verlag, sei er Preisträger oder nicht, sei er bei der KWS oder nicht, sollte ihr also auf Knien dankbar sein für das, was sie erreicht hat, anstatt herumzumosern. Und sollte verdammt noch mal bedenken, was er an mühsam Erreichtem (und meinetwegen auch Verbesserbarem) mit seiner Kritik jetzt eventuell kaputtmacht, noch ehe es sich überhaupt richtig etabliert hat!

    Kommen wir noch kurz zum ehrenrührigen Vorwurf der Kungelei von Jury und Preisträgern. Wer diese äußert, möge doch bitte mit einem qualifizierten Vorschlag um die Ecke kommen, wie eine Jury denn konkret besetzt sein soll, sofern sie unser aller Arbeit und Leistung einigermaßen gerecht und sachkundig beurteilen soll? Wer von uns möchte in einer solchen Jury irgendwelche branchenfremden Schöngeister oder Großkopferten oder Publikum aus RTL II-Nachmittagssendungen sitzen haben? Ist es denn nicht erst einmal toll, dass beim Deutschen Verlagspreis zwei Literaturkritiker, ein Vertriebs- und Marketing-Spezialist, eine Buchgestalterin und Herstellerin, zwei Übersetzer und ein Buchhändler und Blogger, also nur wirklich buchaffine Menschen mit einschlägiger Branchenkenntnis beraten und entscheiden? Und jawohl, unsere Branche ist klein, fast jeder kennt jeden, man arbeitet mal mit diesem, mal mit jenem, und natürlich kann die daraus resultierende Binnensicht schon einmal auch zu einer gewissen Befangenheit führen. Ich selbst hege übrigens zumindest in einem Fall, das möchte ich nicht verschweigen, eine gewisse Skepsis, ob nicht die professionelle Nähe eines Jurymitglieds zu einem bestimmten Preisträger besser hätte von vornherein vermieden werden sollen. Aber ich habe auch erfahren, dass jegliche Debatte und Preisvergabe völlig regelkonform verlaufen sei: Sobald nämlich einer der Juroren halbwegs in die Nähe zum diskutierten Verlag stand, habe er sich der Stimme enthalten oder gar den Raum verlassen. Und wenn das so war, dann ist doch alles wieder gut.

    Ich wünsche dem Deutschen Verlagspreis, egal ob der Lukas Verlag ihn jemals erhalten wird oder nicht, ein langes Leben, gratuliere von Herzen all den glücklichen Gewinnern dieses Jahres, danke den Ermöglichern des Preises und fordere alle neidischen und querulatorischen Kollegen zum Luftanhalten auf!

    Berlin, 28. September 2019
    Frank Böttcher

  2. Ich möchte den Deutschen Verlagspreis verteidigen, obwohl ich ihn selbst nicht bekommen habe, leider. Dazu habe ich bei Facebook heute ein paar Anmerkungen veröffentlicht. Da sie auf die durch diesen Artikel angestoßene Debatte reagieren, möchte ich sie auch hier als Komentar hinterlassen.

    Am 17.9. wurde bekannt gegeben, welche Verlage den erstmals ausgeschriebenen Deutschen Verlagspreis erhalten werden. Danach natürlich große Freude bei den ausgezeichneten Verlagen, große Enttäuschung bei vielen nicht ausgezeichneten Verlagen, auch bei mir. Denn erstmals hatte ich mir bei einer solchen Angelegenheit Chancen ausgerechnet. Obwohl ich nur ein Berliner Kurt-Wolff-Verlag mehr gewesen wäre … aber als Verlag, der zwar ein belletristisches Vollprogramm fährt, aber immer noch einen großen Schwerpunkt auf Humor, Satire, Poetry Slam und Lesebühne hat, gehört man wohl auf ewig zu den Schmuddelkindern des Literaturbetriebs. Wieso eigentlich?

    So enttäuscht ich persönlich bin, ich halte die Debatte um den Preis, die nun in manchen Indie- und Kleinverlagsforen geführt wird und in offenen Briefen ans BKM mündete, für unappetitlich bis schädlich.
    Ein paar Anmerkungen dazu:

    1. Es ist eine Neiddebatte, die vor allem eins belegt: Wie wichtig es ist, dass Indieverlagen finanziell unter die Arme gegriffen wird. Die Auszeichnung von 66 Verlagen reicht hinten und vorne nicht aus. Vielen redlich arbeitenden Verlagen steht das Wasser bis zum Hals, jeder könnte die Förderung durch den Preis gut gebrauchen. Würden doppelt oder dreimal so viele Verlage ausgezeichnet, gäbe es nicht dieses erschreckende Maß an Neid und Missgunst.

    2. Der Deutsche Verlagspreis wird zum ersten Mal vergeben. Natürlich hat eine erste Durchführung Kinderkrankheiten. (Siehe, dass ein Verlag fälschlicherweiset ausgezeichnet werden sollte und sich die BKM korrigieren musste.)
    Ich würde mir wünschen, dass die Kritiker*innen auf diese Kinderkrankheiten sachadäquat hinweisen würden, anstatt zum Frontalangriff zu blasen. Die derzeit geäußerte Kritik – es wird mit Staatsanwälten, Kartellbehörden gedroht, von Korruption und Günstlingswirtschaft ist die Rede -, wird nur dazu führen, dass der Deutsche Verlagspreis komplett eingestampft wird. Es gibt genug politische Kräfte, die die Angriffe auf den Preis umdeuten werden in „Die Branche will den Preis ja gar nicht“, und schon ist der kleine Etat ersatzlos gestrichen und die erste Aktion des Staates, unabhängige Verlage zu fördern passé. Das sollte verhindert werden. Im Gegenteil: Der Deutsche Verlagspreis muss größer werden! Siehe Punkt 1.

    3. Es gibt, verdammt noch mal, keine Kurt-Wolff-Verschwörung! Die Kurt Wolff Stiftung ist eine (zugegeben etwas intransparent organisierte) Interessengemeinschaft von Indieverlagen mit knapp 100 Unterstützer-Verlagen – vornehmlich literarisch-belletristische oder Sachbuchverlage, meiner Wahrnehmung nach großteils im linksliberalen/linksbürgerlichen Spektrum angesiedelt. Die MItglieder des Freundeskreises treffen sich zweimal jährlich am Rande der Buchmessen für 90 Minuten. Das war’s. Wir sind nicht die Illuminaten!
    Die KWS hat jahrelang auf diesen Preis hingearbeitet und Druck gemacht. Ohne sie gäbe es diesen Preis gar nicht! Das könnte man ja mal würdigen. Stattdessen wird eine absurde Verschwörung gebastelt, weil rund 30 KWS-Verlage unter den ausgezeichneten Verlagen sind. Und nein, das ist sicher kein Zufall. Aber es wäre auch kein Zufall, wenn der „Deutsche Fußballvereinspreis“ ins Leben gerufen würde und sich nachher rausstellte, dass die Ausgezeichneten fast alle im DFB Mitglied sind … Hört auf, Indieverlagen vorzuwerfen, dass sie in einer Interessengemeinschaft für Indieverlage sind! Und wieso ist noch niemandem aufgefallen, dass sehr viele ausgezeichnete Verlage über Prolit ausliefern? Wo ist die Prolit-Verschwörung? Die meisten ausgezeichneten Verlage sind in Berlin ansässig. Wo ist die Berlin-Verschwörung?

    5. Die BKM hat die Jury berufen, die Ministerialbeamt*innen haben dabei meines Erachtens nicht sehr viel Fantasie beweisen. Sprich, sie haben Menschen berufen, die sich schon in anderen Jurys bewährt haben oder ihre Nase oft genug ins Fernsehen gehalten haben. Das kann man toll fürs Renommee des Preises finden, oder einfallslos. So wie sie berufen wurde, zielt die Jurybesetzung sehr auf den etablierten Literaturbetrieb. Mit dem Ergebnis, dass vornehmlich Verlage ausgezeichnet wurden, die im Literaturbetrieb schon irgendwie arriviert sind. Die sind aber wiederum größtenteils in der KWS, und schon beißt sich die literarische Katze in den literarischen Schwanz. Siehe Punkt 3.

    6. Es wurden Zweifel an der Unabhängigkeit der Jury geäußert. Das Problem dürfte aber sein, eine Jury zu finden, in der alle Mitglieder fachlich für das Indieverlagswesen qualifiziert sind, die aber selbst noch nie mit Indieverlagen zu tun hatten. Wie soll das gehen? Das war auch der BKM bewusst, weswegen in Abschnitt VIII, Punkt 3 der Teilnahmebedingen und Verfahrensregeln eindeutig geregelt ist: „Jurymitglieder nehmen an der Beratung und Entscheidung in Einzelfällen nicht teil, soweit sie selbst, Angehörige oder natürliche oder juristische Drittpersonen, zu denen eine spezielle Bindung oder Abhängigkeit besteht, vom Gegenstand der Entscheidung unmittelbar oder mittelbar betroffen sind.“ Keiner der Wortführer*innen der Juryverschwörung hat bislang Belege vorgelegt, dass diese Regel gebrochen wurde. Es gab lediglich Unterstellungen und Unkenntnis bzgl. der Verfahrensregeln.

    7. Ein Verlagspreis braucht Teilnahmebedingungen, die für alle gleich sind. Und er muss Mindeststandards festlegen, ab wann ein Verlag als teilnahmeberechtiger Verlag gilt. Denn rein formal ist ein Verlag schon, wer einmal im Leben ein Buch verlegt hat. Die von der BKM festgelegten Kriterien verlangen, dass die Verlage ernsthaft und kontinuierlich publizieren (3 Jahre lang mindestens 4 Titel pro Jahr). Das sind schon sehr weite Bedingungen, finde ich! Wer noch weniger verlegt, sorry, das ist Liebhaberei, das lässt nicht mal das Finanzamt als verlegerische Tätigkeit durchgehen. By the way: Es wurde der Kritikpunkt geäußert, es dürften nur Verlage teilnehmen, die im Börsenverein seien oder Vertreter*innen hätten. In den Teilnahmebedingungen des Preises (vgl. Abschnitt II und III) steht davon nichts.

    8. Der Deutsche Verlagspreis sollte im nächsten Jahr einfacher werden, das sehe ich auch so. Das Verfahren war in diesem Jahr unglaublich bürokratisch. Und ich glaube auch, die Wut der nicht ausgezeichneten Kolleg*innen würde schneller verrauchen, wenn man nicht so viele Tage mit dieser vetrackten Bewerbung zugebracht hätte und sich am Ende sogar noch ein paar Zeilen zu den Zielen der Agenda-2030 aus den Fingern saugen musste. Die enthält hehre Ziele, aber verdammt, ich verlege Bücher! Ich arbeite nicht am kerosinfreien Ferienflieger! Jede Wette: In den Laudatien werden die Jurymitglieder kein Wort über diese Punkte verlieren. Ich wünschte mir, dass das Bewerbungsverfahren diesbezüglich entschlackt würde.

    9. Ich wünsche mir einen Deutschen Verlagspreis, der weniger bürokratisch ist und breiter aufgestellt ist. Ich wünsche mir, dass die Jury in Zukunft etwas weniger Richtung etablierten Literaturbetrieb schaut und offener gegenüber anderen publizistischen Feldern wird. Ich wünschte mir dass die Kritiker*innen mehr für die Weiterentwicklung des Verlagspreises argumentierten, anstatt die erste Indieverlagsförderung, die wir Indieverlage jemals erreichen konnten, gleich nach der ersten Ausgabe sturmreif zu schießen.

    Dr. Volker Surmann
    (Verleger Satyr Verlag)

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