Veranstaltungen Mit Frankfurter Jugend-Literatur-Preisträgern im Gespräch

Es hat eine Weile gedauert, bis ein Termin zu diesem Gespräch gefunden wurde, denn die Veranstaltung zum dritten Frankfurter Jugendliteraturpreis (JuLiP) fand bereits am 4. März 2017 in der Zentralbibliothek statt. Moderatorin Petra Flick unterstrich zu Beginn der Preisverleihung, dass einige Schulen den Wettbewerb unterstützt haben. Zudem konnten weitere Sponsoren gewonnen werden; neben der Zentralbibliothek, in der bereits die ersten beiden Veranstaltungen 2013 und 2015 stattfanden, ist der Wettbewerb von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der Metzler Stiftung, der Chaja-Stiftung, der FAZIT-Stiftung, der Fraport AG, der Athlon Place Stiftung, dem Stadtmagazin Frizz sowie den Unternehmen Ringelsuse und Kreis zu Quadrat gefördert worden.

Insgesamt zwölf Gewinner gab es beim dritten JuLiP in den Altersklassen zehn bis zwölf, dreizehn bis sechzehn und siebzehn bis neunzehn Jahre. Neben den drei ersten Plätzen wurde in allen Altersklassen jeweils ein Ehrenpreis vergeben.

Als der Preis 2012 aus der Taufe gehoben wurde, war es das Anliegen, Kinder und Jugendliche über das Schreiben zu stärken, sie zu mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu führen. Diese Plattform JuLiP wurde angenommen und hat sich in den vergangenen fünf Jahren nicht nur in Frankfurt, sondern darüber hinaus einen Namen erworben. „Es ist eine Bühne für junge Leute, um aus sich heraus zu kommen“, sagte Projektleiter Levend Seyhan, selbst Autor.

Die Jury, der die Preisträger des ersten Wettbewerbs Viviana Iparraguirre De las Casas und Viviana Macaluso sowie Benno Henning von Lange und Heidi Zehentner angehörten, lasen 121 anonyme Texte. Die 30 besten sind im dritten JuLiP-Erzählband vereint. Ein Drittel der Wettbewerbsteilnehmer sind Jungen.

Das Gespräch mit Anna Schuster, Siegerin in der Altersgruppe zehn bis zwölf Jahre, Elisa Hirsch, die den ersten Preis bei den 13- bis 16-Jährigen gewann, und Rania Daoudi sowie Annika Böttcher, erster und zweiter Platz bei den 17- bis 19-Jährigen, fand im Café Ypsilon neben der gleichnamigen Buchhandlung statt. Mit dabei waren Levend Seyhan, Annas Eltern und Elisas Mutter.

Annika Böttcher, Levend Seyhan, Anna Schuster, Rania Saoudi und Elisa Hirsch

 

„Ich habe mich in die Lage der Schülerin Penny hineinversetzt“, erklärte Anna zu ihrer Geschichte über aufkeimende erste Liebe zwischen einem Mädchen und einem Jungen. Anna liest gerne, beispielsweise Tintenherz von Cornelia Funke. „Aber die Bücher müssen spannend sein. Zurzeit habe ich gerade nicht das richtige Buch gefunden“, meinte sie. Die Geschichte hat sie im Deutschunterricht geschrieben und dort auch zum ersten Mal vorgelesen, ihre Mitschüler lobten sie. „Das hat mir Mut für den Wettbewerb gemacht“, bekannte Anna.

Elisa beschäftigt sich seit etwa zwei Jahren mit dem Thema Zweiter Weltkrieg und Holocaust – schwere Kost für eine Vierzehnjährige, die eine Geschichte über ein Mädchen in Auschwitz schrieb. Auch sie wurde in der Schule von der Lehrerin ermuntert, am Wettbewerb teilzunehmen. „Vielleicht ist die Geschichte ja nur ein Zufall und es bleibt bei dieser einen“, sagte Elisa und gab zu: „Die Veranstaltung in der Zentralbibliothek war schön – aber ich war sehr nervös vor dem Vorlesen.“

Rania meinte: „Die Geschichte ist einfach da, wenn man nicht viel Stress hat. Mich interessiert das Zwischenmenschliche.“ Sie beschrieb, wie ein Mädchen ihre Freundin ermordet, nicht zielgerichtet, sondern eher zufällig. Rania besuchte vorher Lyrik- und Prosa-Workshops im Literaturhaus Frankfurt. Zu ihren Lieblingsbüchern gehört Ich dich auch nicht von Sacha Sperling. Historische Krimis und Phantasie mag sie nicht, Kafka und Goethe dagegen schon. Das führt schnell zum Thema Schullektüre, die oft als aufgezwungen erscheint und keinen so guten Ruf hat.

Rania hat vor, Studium und Literatur zu kombinieren. „Klar träumt man von einer Schriftstellerkarriere. Aber ich weiß auch, wie schwierig das ist“, sagte sie offen.

Annika hat bereits zum zweiten Mal am JuLiP-Wettbewerb teilgenommen, bekam 2015 einen Ehrenpreis. „Es war schon mein Ziel, unter die ersten drei zu kommen“, erklärte sie. Das hat 2017 geklappt. Die 18-Jährige würde gerne Literatur studieren, eines ihrer favorisierten Bücher ist Der Mörder weinte von Anne-Laure Bondoux. „Und Lenz von Georg Büchner ist auch cool“, fügte Annika hinzu.

Alle Eltern unterstützen das Schreiben, lasen und lesen zum Teil heute noch vor. Das Umfeld spielt also eine wichtige Rolle.

Levend Seyhan blickte bereits auf den nächsten Wettbewerb: „Der JuLiP wird jetzt jährlich vergeben werden. Und er ist schon in der dritten Auflage über Frankfurt hinaus bekannt geworden.“

JF

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