Poesie liegt auf der Straße Manfred Metzner präsentierte Das Wunderhorn in Düsseldorf

Seit 1978 betreibt er seinen Verlag Das Wunderhorn in Heidelberg, und wer in diesem Namen eine Anspielung an die berühmte Sammlung deutscher Volkspoesie vermutet, liegt nicht falsch. Verleger Manfred Metzner (in den USA als Schauspieler ausgebildet, eine Zeitlang als Jurist tätig) stellte gestern Abend sein Editionshaus im Düsseldorfer Heine Haus vor.

Mit Spaß bei der Sache: v.l.: Manfred Metzner, Ursula Hennigfeld, Rudolf Müller, Selinde Böhm

Auch wenn Frankreich das diesjährige Gastland der Buchmesse und französischsprachige Literatur eine der Programmsäulen bei Wunderhorn ist – es ging gestern nicht allein um die Novitäten zum Schwerpunktthema. Wunderhorn ist ein Verlag, der die ganze (literarische) Welt umfaßt mit Schwergewichten wie z.B. Édouard Glissant oder Philippe Soupault (und natürlich Ré Soupault!). Seit 20 Jahren gibt es auch eine Buchreihe in Kooperation mit dem Künstlerhaus Edenkoben, dazu kommen die Reihen VERSschmuggel oder Poesie der Nachbarn. „Wir präsentieren die Weltkarte der Poesie“ erklärte Metzner ebenso launig wie selbstbewußt im Gespräch mit der Lehrstuhlinhaberin für Romanische Literatur- und Kulturwissenschaft, Prof. Dr. Ursula Hennigfeld, und Buchhändler Rudolf Müller.

Besonderen Wert legt Metzner auf die Literaturen Afrikas. In seiner 2010 ins Leben gerufenen Reihe Afrika Wunderhorn hat er eine neue Künstlergeneration entdeckt; alle Autoren, die hier erscheinen, kommen auch auf Lesereise nach Deutschland. Einziger Wermutstropfen: Andere zahlungskräftigere Verlage sind auch auf diesen Zug aufgesprungen – was nicht ohne Folgen auf die Lizenzkosten geblieben ist. Aber: Jedes Jahr erscheinen bei Wunderhorn in der Afrika-Reihe drei neue Titel.

Vier Schwerpunkttitel hat Metzner zum diesjährigen Messeschwerpunkt vorgelegt (und natürlich gibt es mit Soupaults Die Zeit der Mörder einen Konnex zum Surrealismus, der von Anfang an bei Wunderhorn gepflegt wird. Für Aya Cissoko, die in Ma ihre Lebensgeschichte erzählt, hat sich bereits ZDF aspekte interessiert – die Autorin (und ehemalige Boxmeisterin) wird zur Messe auch auf dem Blauen Sofa sitzen. Dany Laferrière präsentiert mit Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden einen Roman vor, der mit allen rassistischen Klischees spielt: 1986 machte das Buch Frankreich Furore und wurde verfilmt; der in Haiti geborene Autor ist seit 2014 Mitglied der Académie française. Möge das Buch auch in Deutschland reüssieren, damit wir auch in den Genuß der rund 30 anderen Romane kommen, die der Autor noch geschrieben hat…

Widerstand gegen Intoleranz, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen leistet Prix-Goncourt-Preisträger Patrick Chamoiseau in seinem hochaktuellen Essay Migranten.

„Poesie liegt auf der Straße“, lautet ein Motto der Wunderhorn-Verlagsarbeit. Man muß sich nur bücken und aufheben. Verleger Manfred Metzner hat es Zeit seines Lebens getan. Und läßt uns alle an seinen „Fundstücken“ teilhaben.

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