Veranstaltungen Litprom-Literaturtage: Wandern zwischen den Welten

Am 24. und 25. Januar finden die neunten Litprom-Literaturtage im Literaturhaus Frankfurt mit zehn internationalen Gästen und sieben Autoren aus Deutschland statt.

Heute stellten Anita Djafari, Geschäftsführerin von Litprom, und Buchmesse-Direktor Juergen Boos das Festival vor.

„Kanada, Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, kam auf uns zu und fragte, ob wir Unterstützung brauchen. Das Angebot haben wir gerne angenommen: Nun werden die in Kanada lebenden Autorinnen Carmen Aguirre und Sharon Bala und der Schriftsteller Rawi Hage in Frankfurt dabei sein“, erklärte Djafari. Zur Eröffnung wird der Kanadische Botschafter Stéphane Dion sprechen.

Das Motto des Festivals, Migration – Literaturen ohne festen Wohnsitz, passt gut zum Einwandererland Kanada. „Es gibt immer weniger eindeutige Biografien der Autoren. So steht Eduardo Halfon, in Guatemala geboren, in den USA aufgewachsen und mit jüdischen Wurzeln und Vorfahren in Polen und im Libanon exemplarisch für einen Schriftsteller, der sich auf die Spurensuche nach seiner Familie begibt“, berichtete Djafari. Seine Bücher Der polnische Boxer, Signor Hofman und Duell sind im Carl Hanser Verlag erschienen. „Halfon befindet sich in seinen Romanen zwischen Dichtung und Wahrheit und bezieht sich auf indigene Mythen und Menschen“, sagte die Litprom-Geschäftsführerin. Mehrfach stand der Autor mit seinen Romanen auf den Weltempfänger-Bestenlisten.

Vor 40 Jahren, nämlich 1980, wurde die Gesellschaft Litprom auf der Frankfurter Buchmesse gegründet. Inzwischen hat sich die Welt enorm verändert. „Es geht kaum mehr um Nationalliteraturen, wir stoßen vermehrt auf Autoren mit ‚Bindestrich-Biografien‘, die Verbindungen zu mehreren Ländern haben“, erläuterte Djafari. Schon 2005 äußerte sich Ottmar Ette in ZwischenWeltenSchreiben, Kulturverlag Kadmos, über Literaturen ohne festen Wohnsitz. Tomer Gadi, in Galiläa geboren und gegenwärtig in Berlin zuhause, schrieb 2016 sein Debüt Broken German. Inzwischen ist Sonst kriegen Sie ihr Geld zurück erschienen, beides im Droschl Verlag. „Für Broken German wird Gadi angefeindet, man dürfe so nicht schreiben“, bemerkte Djafari. Zum Thema Sprachwechsler und Spracherfinder wird es am Samstag, 24. Januar, ein Werkstattgespräch mit Tomer Gadi und Yoko Tawada geben, Ulrich Noller wird es moderieren.

Pedro Kavidar, im iranischen Shiraz geboren, mit 16 Jahren nach Frankreich gezogen und seit 1996 in Berlin lebend, hat 2017 ein Kleines Buch der Migrationen im Sujet Verlag veröffentlicht. Er befasst sich mit Einwanderung nicht nur in ein Land, sondern auch in eine Sprache.

Sprachen spielen auch bei unserem Ehrengast Kanada eine große Rolle. Es gibt nicht nur Englisch und Französisch, sondern außerdem knapp 50 indigene Sprachen. Wir als Buchmesse führen Menschen aus 150 Nationen zusammen“, ergänzte Juergen Boos. Man müsse übrigens nur in die eigene Familiengeschichte schauen, da fänden sich genügend Belege für Zuwanderung aus anderen Sprachräumen.

Die Litprom-Literaturtage seien ein besonderes Festival, weil es zu den Lesungen und Gesprächen das Werkstatt-Format gebe und Filme. Alles werde moderiert und übersetzt. Mit dem Literaturhaus habe man einen idealen Ort gefunden.

Das Interesse an den Veranstaltungen ist groß – das bewiesen die vorangegangenen Literaturtage.

Zahlreiche Partner unterstützen die Reihe, darunter das Auswärtige Amt, die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt. Die Kosten für das Fest belaufen sich auf etwa 50.000 Euro.

Den Büchertisch wird die Buchhandlung Büchergilde übernehmen. „Wir bemühen uns, auch fremdsprachige Werke der Autoren anzubieten. Das ist jedoch nicht ganz einfach“, fügte Anita Djafari hinzu. Bemerkenswert ist: Noch immer steht das gedruckte Buch hoch im Kurs.

JF

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