Auszeichnungen LiBeraturpreis für Faribā Vafī

Am Messe-Samstag wurde im Zentrum Weltempfang der 29. LiBeraturpreis an die iranische Schriftstellerin Faribā Vafī überreicht. „Zum fünften Mal übergeben wir diesen Preis direkt auf der Buchmesse“, bemerkte Anita Djafari, Geschäftsführerin von Litprom, Literaturen der Welt. Für den LiBeraturpreis nominiert sind automatisch die Titel von Autorinnen, die im Vorjahr auf eine der vier Weltempfänger-Bestenlisten gewählt worden sind – der Frauenanteil beträgt dort etwa 30 Prozent. Seit 2016 ist das Voting öffentlich.

2017 hat Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle, die Schirmherrschaft über den LiBeraturpreis übernommen. Sie konnte zwar nicht dabei sein, schickte jedoch ein Grußwort: „So spielen die Geschichten von Faribā Vafī nur vordergründig fernab der Politik: Ihre Frauenfiguren analysieren selbstbewusst vorgegebene Rollenbilder und suchen sich ihren eigenen Weg.“

Mit YogiTea konnte ein Sponsor gefunden werden, der jedoch auch eine Bedingung stellte: Die Preisträgerin soll in ihrer Heimat einen Schreibworkshop durchführen. „Jetzt wirkt die Auszeichnung auch noch in das Land hinein“, freute sich Djafari.

„Das Anliegen von Faribā Vafīs Roman ist es, Vorurteile abzubauen und Wahrnehmungsmuster zu verändern“, sagte die Litprom-Geschäftsführerin. Tarlan beschreibt das Outcoming einer jungen Frau kurz nach der Revolution, der Schah hat abgedankt, das Land ist im Umbruch. Veröffentlicht wurde das Buch 2006 im Iran und ist 2015 im Sujet Verlag Bremen auf Deutsch erschienen.

Die Laudatio hielt der iranische Schriftsteller SAID. Er begrüßte Faribā Vafī auf Aserbaidschanisch. „Diese Sprache trennt uns nicht“, fügte er hinzu – die LiBeraturpreisträgerin schreibt in Farsi.

Die deutsche Öffentlichkeit habe ein festes Bild vom iranischen Leben, doch keine Spur davon sei in Vafīs Büchern zu finden. Ihre Protagonistin will Polizistin werden, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Aber eigentlich ist es ihr innerster Wunsch, ein Dichter wie Nâzım Hikmet zu werden. „Flucht in die Literatur ist eine alte iranische Tugend“, erklärte SAID. Fünf Millionen Iraner haben ihre Heimat schon verlassen in der Zeit, in der die Geschichte spielt, Tarlan flieht nicht. Vafī schildert in ihrem Buch den Umbruch im Land. Während Tarlan eine harte Ausbildung in einer rauen Atmosphäre durchlebt, liest sie Der stille Don von Michail Scholochow und findet dort Kraft.

„Über Politik fällt in Vafīs Roman kein Wort. Aber sie fängt die Atmosphäre akribisch ein, wertet nicht. Schweigen ist Teil des Schreibens – zumindest für eine iranische Schriftstellerin“, sagte SAID. Es sei jedoch kein Schweigen aus Angst, sondern eines aus Rücksicht auf andere. Faribā Vafī passe weder in die europäische, noch in die iranische Schublade. „Die deutsche Buchmesse ist im übrigen gut bestückt mit Büchern geflohener Iraner“, fügte SAID hinzu.

Faribā Vafī habe neue Wege gefunden, ihre Perspektiven geändert, sagte sie in ihrer Dankesrede. „Ich wollte mein Leben selbst in die Hand nehmen“, äußerte die 55-Jährige, „ich habe es auf die Autorenliste geschafft und war stolz.“

Im anschließenden Gespräch unterhielten sich Faribā Vafī, ihre Übersetzerin Jutta Himmelreich und Barbara Wahlster. Auf Deutsch ist neben Tarlan 2012 Faribā Vafīs Roman Kellervogel im Rotbuch-Verlag Berlin erschienen.

JF

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