„Kartographien des Weiblichen“ im Fokus Die Litprom-Literaturtage in Frankfurt am 26. und 27. Januar

2018 steht ein Jubiläum an: Der LiBeraturpreis wird im 30. Jahr verliehen. Dieser runde Jahrestag gab den Ausschlag für die Gestaltung der siebenten Litprom-Literaturtage, die am 26. und 27. Januar 2018 im Literaturhaus Frankfurt unter dem Motto Ausgezeichnet: Kartographien des Weiblichen stattfinden.

Barbara Stang, Anita Djafari, Juergen Boos

„Wir wollen dieses Jubiläum auf besondere Weise begehen“, erklärte Litprom-Geschäftsführerin Anita Djafari auf der heutigen Pressekonferenz.

1987 rief die Initiative LiBeraturpreis die Auszeichnung für Autorinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika ins Leben. Der Publikumspreis zeichnet jährlich einen besonders beliebten Titel aus. Als erste Autorin erhielt 1988 Maryse Condé aus Guadeloupe den Preis – der Titel Segu wurde 2012 im Unionsverlag Zürich erneut aufgelegt und ist so wieder verfügbar.

Die zweite Preisträgerin, die Algerierin Assia Djebar, wurde im Jahr 2000 zudem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Der LiBeraturpreis bewirkt Aufmerksamkeit, die Auflagen der Bücher steigen.

Als der LiBeraturpreis ins Leben gerufen wurde, stand ein großes ehrenamtliches Engagement dahinter. Rund 20 Jahre später wurde darüber diskutiert, ob der Preis noch zeitgemäß sei und weiterhin vergeben werden soll. Litprom setzte die Tradition mit Unterstützung der Frankfurter Buchmesse fort. 2013 wurde der LiBeraturpreis zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse im Zentrum Weltempfang verliehen, er ist nun mit 3000 Euro dotiert.

Seit 2014 sind die Titel von Autorinnen, die im Vorjahr auf eine der vier Weltempfänger-Bestenlisten gewählt wurden, automatisch für den LiBeraturpreis nominiert, seit 2016 ist das Voting öffentlich. Für 2018 stehen acht Titel aus den Bestenlisten 2017 zur Auswahl.

2017 kam das Unternehmen Yogi Tea mit an Bord. Das Sponsoring knüpft sich an die Bedingung, dass in der Heimat der ausgezeichneten Autorin Schreibwerkstätten oder Alphabetisierungskurse für Mädchen und Frauen stattfinden. „Faribā Vafī, die im Oktober 2017 den LiBeraturpreis entgegennahm, verwirklichte bereits mehrere solcher Projekte“, erläuterte Djafari.

Wie sich zeigt, hat der LiBeraturpreis nichts an Aktualität eingebüßt und ist leider immer noch notwendig.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, bestätigte, dass 70 Prozent der auf der vergangenen Messe vertretenen Autoren Männer waren. Frauen seien nicht nur in der Literatur in Asien, Afrika, Lateinamerika und im arabischen Raum zu wenig präsent – aber in diesen Regionen besonders. Für Boos war die Unterstützung des LiBeraturpreises eine wichtige Angelegenheit.

„Und ich finde es immer wieder interessant, was es auf den Weltempfänger-Bestenlisten zu entdecken gibt“, fügte Boos hinzu.

Zu den siebenten Literaturtagen sind zwölf Frauen eingeladen: Raja Alem, geboren in Saudi-Arabien, in Dschidda und Paris lebend, LiBeraturpreisträgerin 2014; Ken Bugul aus dem Senegal; Meena Kandasamy, Indien/London; Anna Kim, Südkorea/Österreich; Lina Meruane, Chile/New York; Mayra Montero, Kuba/Puerto Rico; Yvonne Adhiambo Owuor aus Kenia, Laksmi Pamuntjak aus Indonesien, LiBeraturpreisträgerin 2016; Claudia Piñeiro aus Argentinien, LiBeraturpreisträgerin 2010; Madeleine Thien, malaysisch-chinesischer Abstammung und in Kanada lebend, LiBeraturpreisträgerin 2015; Faribā Vafī aus dem Iran und aus Deutschland Zoë Beck – Krimiautorin, Regisseurin, Übersetzerin und Verlegerin.

Die Literaturtage, eine interaktive Veranstaltung, bieten Podiumsdiskussionen, Lesungen, Werkstattgespräche, Filme und erstmals zum Abschluss eine Konzert-Party mit der Frauen-Band Kick La Luna um Anne Breick.

Zur Förderung der Literaturtage durch das Frauenreferat Frankfurt meldete sich Beate Herzog zu Wort: „Der LiBeraturpreis ist immer noch relevant. In Deutschland gibt es ein Drittel weniger Romane von Frauen, in der Kunst- und Kulturbranche arbeiten zwar 80 Prozent Frauen, aber die Spitzenpositionen besetzen Männer. In dieser Branche ist der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern am größten und beträgt 24 Prozent.“ Linda Kagerbauer, ebenfalls Frauenreferat, verweist auf das Abschlusspodium am 27. Januar unter dem Titel We should all be feminists!/Feminismus für alle?: „Wir sollten alle mehr Feminismus wagen, wie es die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie fordert. Gerade in einer Welt, in der zunehmend rechte Tendenzen bemerkbar sind.“

Anita Djafari, Linda Kagerbauer, Beate Herzog, Juergen Boos

Die siebenten Literaturtage, die durch ihre Internationalität und die Werkstattgespräche Alleistellungsmerkmale aufweisen, werden von Litprom veranstaltet, von der Frankfurter Buchmesse und 2018 zudem vom Frauenreferat Frankfurt unterstützt. Kuratorin ist Claudia Kramatschek. Bei der Öffentlichkeitsarbeit hilft Barbara Stang mit ihrer PR-Agentur. Die Buchhandlungen Land in Sicht und Internationale Buchhandlung Südseite sind mit Büchertischen vertreten.

Das Programm ist unter Litprom nachlesbar, der Vorverkauf über den Kooperationspartner Literaturhaus Frankfurt hat begonnen.

JF

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