Bahnhofsbuchhandel Jahreshauptversammlung der Bahnhofsbuchhändler in Berlin

Heute fand im Hilton Hotel am Gendarmenmarkt in Berlin die erste Jahreshauptversammlung des Verbands Deutscher Bahnhofsbuchhändler (VDBB) unter der Leitung von Peter Obeldobel, dem neuen Vorsitzenden des Verbands statt. Obeldobel begrüßte rund 300 Führungskräfte aus Medienunternehmen und dem Pressevertrieb. Durch die Veranstaltung führte Alexandra Borchardt, Chefin vom Dienst der Süddeutschen Zeitung.

Alexandra Borchardt und Peter Obeldobel

Für das vergangene Geschäftsjahr konnte der Bahnhofsbuchhandel eine positive Umsatzentwickelung melden. Kleiner Wermutstropfen: In den Kernsortimenten ging der Umsatz zurück. Während der Buchverkauf fast auf dem Niveau des Vorjahres lag, sank der Umsatz im Pressebereich um drei Prozent. Das Plus im Gesamtumsatz von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist vor allem auf Convenience-Produkte zurückzuführen.

Sorgen bereiten Obeldobel die rückläufigen Umsätze in den ersten Monaten des Jahres 2017. Vor allem die Zeitschriften in den Segmenten Frauen, Hobby und Kultur entwickelten sich negativ, während das Interesse an politischer Presse zunehme. „Wir brauchen gemeinsame Anstrengungen um gegenzusteuern“, sagte Obeldobel. Von den Zeitschriftenverlagen wünscht er sich trotz etlichen Neugründungen mehr Innovationsfreude – sowohl in der Produktentwicklung als auch in der Vermarktung am Point of Sale. Im Buchbereich sieht er noch Potenzial bei den Preisen. „Wir wünschen uns, dass die Preise risikofreudiger werden“, sagte er. Im digitalen Geschäft regte Obeldobel eine stärkere Zusammenarbeit, etwa in Form von unternehmensübergreifenden Prepaid-Karten an.

„Nirgendwo ist das Pressesortiment so groß und so lebendig wie in unseren Bahnhofsbuchhandlungen. Unsere Geschäfte sind Hotspots der Kommunikation“, betonte Obeldobel, der heute auch die Ergebnisse einer aktuelle Kundenumfrage des VDBB mit mehr als 3.000 Teilnehmern präsentierte. Die Endkunden haben jeweils in 10-minütigen Interviews über Beweggründe, Verhalten und Wünsche gesprochen.

„Einige Fakten: Die Mitglieder des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler betreiben mehr als 450 Verkaufsstellen an Bahnhöfen und Flughäfen, die jährlich von rund 200 Millionen Kunden besucht werden. Davon gehen 85,4 Prozent nur in die Buchhandlung und besuchen kein anderes Geschäft. Besonders auffällig: Ein Drittel der Kunden kommen in die Bahnhofsbuchhandlung, obwohl sie nicht verreisen. Eine Tatsache in der Obeldobel eine Riesenchance zur Frequenzsteigerung sieht. 80,5 Prozent der Befragten gaben an, die Fachkompetenz im Bahnhofsbuchhandel zu schätzen. Auch die Angebotsvielfalt sei den Kunden sehr wichtig, so Obeldobel. „Die Filalen haben je nach Standort bis zu 8.000 Magazine und Zeitschriften im Angebot. Wir sind ein Garant für Pressefreiheit und Pressevielfalt.“

Hotspots der Kommunikation lautet auch der Titel einer neuen Imagebroschüre des Verbands, die heute ebenfalls vorgestellt wurde. Die Broschüre gibt es als hochwertig gestaltetes Printprodukt und auf der Website des VDBB zum Download.

Heiner Geißler

Ein weiterer Höhepunkt der Hauptversammlung war der Auftritt von Bundesminister a.D. Heiner Geißler, der einen Ausflug durch die Weltgeschichte unternahm. Er sprach über ethische Intelligenz und kritisierte die Gier nach Geld und die Ökonomisierung der Gesellschaft. Buchhandlungen könnten einen Beitrag dazu leisten, dass in der Bevölkerung das Bewusstsein für eine Ethik der Politik wächst, betonte Geißler. In den Bahnhofsbuchhandlungen vermisse er allerdings Regale mit der Überschrift Religion oder Ethik. „Buchhandlungen sind ein Zentrum der Geistesfreiheit einer Demokratie“, so Geißler.

Auf der Jahrestagung sprach außerdem Jan Bayer, Vorstand Bild- und Welt Gruppe in der Axel Springer SE über die Zukunft der gedruckten Medien und welche Rolle sie in der digitalen Welt spielen. Ungeachtet des eigenen Anspruchs, der führende digitale Verlag zu werden, investiere Axel Springer auch in neue Printmedien. „Das unterstreicht unser klares Bekenntnis zu Print. Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft.“ An die Adresse der Buchhändler richtet er den Appel, die Produkte gut sichtbar zu platzieren. „Nur was man sieht, das kauft man. Print darf am Point of Sale nicht den Süßigkeiten weichen.“

Mit einem fulminanten Vortrag des Management- und Persönlichkeitstrainers Jörg Löhr ging die Tagung zu Ende. Die Teilnehmer nahmen Anregungen mit in die Mittagspause, wie sie ihre bequeme Komfortzone verlassen und zu neuen Ufern aufbrechen können.

Bei einer Messe im Panoramafoyer stellten auch in diesem Jahr wieder 35 Verlage ihre Produkte aus.

ml

 

 

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