„Wir finden, das geht gar nicht!“ Initiatoren des Vorlesetags nehmen Stellung zu Einladungen an AfD-Mitglieder

„AfDler sollen an Schulen vorlesen“ – so lautete die Überschrift eines taz-Artikels von Christoph Schmidt-Lunau vom 2. August. Demnach sind von der Stiftung Lesen Einladungen an alle gewählten Landtagsabgeordneten – inklusive der AfD-Vertreter – verschickt worden, am diesjährigen Vorlesetag am 17. November teilzunehmen. Dieses Vorgehen stößt auf Kritik. So postete der Klett Kinderbuchverlag auf Facebook diesen Kommentar: „Wir finden, das geht gar nicht! Man darf diese gefährlichen Verführer nicht dazu einladen, Kindern etwas vorzulesen. Unser Verband, die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, ist im Stiftungsrat der Stiftung Lesen vertreten. Als Mitglied der avj finden wir es unerträglich, dass unser Verband somit an der Einladung mittelbar beteiligt ist. Das wollen wir nicht! Wir haben daher gemeinsam mit anderen Kinder- und Jugendbuchverlegern gegen diese Einladung protestiert und fordern unseren Verband avj auf, sich entsprechend klar gegen sie zu positionieren und sich als Stiftungsratsmitglied dafür stark zu machen, dass rechtsradikale Personen wie Höcke, Gedeon oder Dörr wieder ausgeladen werden.“

Inzwischen liegen dazu Stellungnahmen sowohl von den Initiatoren des Vorlesetags als auch von der avj vor, die wir hier im Wortlaut wiedergeben:

Das gemeinsame Statement der Initiatoren des Bundesweiten Vorlesetags:

„Der Bundesweite Vorlesetag ist eine gemeinsame Initiative von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung. Er wird von mittlerweile mehr als 135.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern getragen, vor allem Eltern, Ehrenamtlichen und pädagogischen Fachkräften. Sie werben für das Lesen als Basis eines selbstbestimmten Lebens.

Auch zahlreiche Prominente und Politiker/innen engagieren sich und verstärken die Sichtbarkeit für das Thema Lesen. Die Teilnahme steht jedem Bürger und jeder Bürgerin offen, ebenso die Registrierung einer Aktion auf der Website vorlesetag.de. Die Initiatoren des Vorlesetages steuern die Leseaktionen nicht. Leiter/innen von Kitas und Schulen üben ihr Hausrecht aus und entscheiden selbst, welche Vorleser/innen in ihre Einrichtungen kommen und lesen.

Gewählte Abgeordnete werden durch einen nicht personalisierten Flyer auf den Vorlesetag hingewiesen. Dieser Flyer formuliert auch Werte, die durch das Vorlesen gestärkt werden und für die die Initiatoren sich einsetzen: Menschlichkeit, Fantasie und Bildungschancen, auch Medienkompetenz und Mehrsprachigkeit.

Die drei Initiatoren nehmen die Kritik an dem breiten Verteiler für Politiker ernst. Sie beobachten die politische Entwicklung, besonders der AfD, und werden ihr Vorgehen 2018 überprüfen. Grundsätzlich gilt: Der Vorlesetag ist keine politische Plattform, sondern weckt die Begeisterung am Lesen und Vorlesen. Im Mittelpunkt stehen Kinder und Jugendliche sowie das Thema Bildungschancen für alle. Setzen wir dafür am 17. November gemeinsam ein Zeichen!“

Die Stellungnahme der avj:

„Der Bundesweite Vorlesetag ist ein herausragender Termin im Jahreskalender der Leseförderung. Die Mitgliedsverlage der avj begrüßen ausdrücklich die größtmögliche Beteiligung aller gesellschaftlichen Kräfte an den diversen Veranstaltungen dieses Tages.

Dies vorausschickend äußern Mitglieder und Vorstand der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. ihr Befremden über die unkritische bzw. undifferenzierte Einladung aller gewählten Politiker (m/w), die nur die der NPD ausschließt. Einzelne – gewählte – Abgeordnete der AfD sind wiederholt mit Äußerungen in die Öffentlichkeit getreten, die nicht mit den Grundwerten unserer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung in Einklang stehen.

Antisemitische, rassistische Äußerungen disqualifizieren diese Mandatsträger, zum Bundesweiten Vorlesetag eingeladen zu werden.

Dr. Edmund Jacoby (Verlagshaus Jacoby & Stuart) bringt die Besorgnis der avj-Mitgliedsverlage auf den Punkt: ,Ich glaube, dass es in [diesem] Fall darum geht, Sensibilität dafür zu wecken, dass die Maßstäbe der öffentlichen Moral auch in der Kulturszene sich schleichend zu verschieben beginnen und dass das unsere Aufmerksamkeit erfordert.’

Vorstand und Mitglieder der avj fordern deshalb die drei Initiatoren des Bundesweiten Vorlesetags auf, die ergangene Einladung an besagte Abgeordnete der AfD zurückzuziehen und für künftige Aussendungen kritischere Maßstäbe anzusetzen.“

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