Diskussionen, Lesungen und Filme zu einem "Ex-Junkie, Krimi-Autor, sensiblen Dichter und Blechtrommel-Kritiker" Im Literaturhaus München wurde gefeiert: Der 75. Geburtstag Jörg Fausers

Gestern wurde im Literaturhaus München der 75. Geburtstag Jörg Fausers mit Lesungen und Filmvorführungen gefeiert. Der „deutsche Bukowski“ starb nach einer nächtlichen Geburtstagssause auf der Autobahn bei München 1987. Die erweiterte Gesamtausgabe bei Diogenes sorgt nun für Wiederentdeckungen der Werke des erfolgreichsten Rebellen gegen die etablierte deutsche Nachkriegsliteratur.

Friedrich Ani, Katja Kullmann und Franz Dobler (c) Nicola Bardola

Fauser, Ex-Junkie und erfolgreicher Krimi-Autor, sensibler Dichter und Blechtrommel-Kritiker lässt sich jedes Jahrzehnt in der sich wandelnden Bundesrepublik neu lesen. Darauf machte auf dem Podium vor allem Katja Kullmann aufmerksam: „Zu Lebzeiten vom Feuilleton als Unterhaltungsschriftsteller verachtet, wächst nun sein Ruhm ständig“, so Kullmann. Sie las aus einem Artikel Fausers für das Berliner Stadtmagazin tip von 1983, in dem Fauser den Stern und seine Geschäfte rund um die Affäre der gefälschten Hitler-Tagebücher scharf kritisierte. Kullmann führte Vereinnahmungsversuche der neuen Rechten ad absurdum und schloss: „Alles Braune war ihm zuwider“.

Franz Dobler las mehrere Songtexte Fausers, die von Achim Reichel vertont worden waren. Dobler begeisterte das zahlreich erschienene Publikum, das in Bar-Atmosphäre die vielen Getränketische gerne nutzte mit seinem Beatnik-Rap. Auch Friedrich Ani schlug den Bogen zur Gegenwart: Er umrahmte das Programm zunächst mit einer Auftaktlesung aus Fausers frühem München-Roman Alles wird gut und am Ende mit dramatischen Gedichten Fausers, denen er zwei eigene hinzufügte, die deutlich machen, wie stark Fauser heute noch auf seine Leser wirkt. Der Regisseur Christoph Rüter zeigte seine 45-Minuten-Fauser-Dokumentation „Rohstoff“ von 2006 und fast gleichzeitig sendete der Bayerische Rundfunk eine neue 6-Minuten-Doku „Jörg Fauser oder die Erfindung der deutschen Popliteratur“ von Andreas Ammer. Der „Asphaltdichter“ sorgt dafür, dass in Bayern das Fauser-Fieber wieder ausgebrochen ist. An der Sprecherstrasse in Zürich, wo Diogenes arbeitet, grassiert es schon längst. Die Planungen für den Herbst mit Fauser-Veranstaltungen im gesamten deutschsprachigen Raum sind in vollem Gange.

Nicola Bardola

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