Aus der Werkstatt der Verlage (XXII) Hejo Emons: „Die Welt da draußen braucht uns und wartet sehnsüchtig auf unseren Stoff. Jetzt mehr als sonst“

Die Verleger-Blicke auf ihre jeweiligen neuen Programme und auf die Branche derzeit in den Editorials der Herbstvorschauen wollen wir hier in loser Folge mit Ihnen teilen. Den Anfang machte Christoph Links, darauf folgten die Editorials von Lucien Leitess, Daniel Kampa, Lothar Schirmer, Christian Strasser, Sebastian Guggolz, Gerhard Steidl, Joachim von Zepelin und Christian Ruzicska,  Constanze Neumann, Gregory C. Zäch, Dr. Stephanie Mair-Huydts und Steffen RübkeHeike Schmidtke und Kilian Kissling, Katharina Eleonore Meyer, Peter Haag, Jochen JungKlaus Kehrer, Jörg SundermeierJulia Eisele, Armin Gmeiner, Christian Rotta und Ulrich Hopp. Heute das Editorial von Hejo Emons:

Hejo Emons: „Wir als Buchbranche sind und bleiben gefragt. Auch und gerade in diesen Tagen. Denn je größer die Unsicherheit bei den Menschen ist und je unklarer die Zukunft erscheint, umso wichtiger sind gute Bücher. In Momenten, in denen der Welt die Ideen ausgehen, verfügen Autorinnen und Autoren über eine unschätzbare Gabe. Mit Kreativität und Phantasie gelingt es ihnen immer wieder, eine Wendung zu finden, um eine Geschichte, die für einen Augenblick ausweglos erscheint, fortzuschreiben und zu einem guten Ende zu bringen“

Liebe Kolleginnen und Kollegen im Sortiment,

während ich darüber grübele, wie ich diesmal mein Editorial beginnen soll, steht die Welt dort draußen kopf. Corona hat uns fest im Griff, zwingt die Menschen in ihre Wohnungen und unseren Verlag ins Homeoffice. Wenn in diesen Tagen nun auch noch landauf und landab die Buchhandlungen schließen, kann einem das naturgemäß die Laune verderben. Nach dem vom Börsenverein erfundenen Leserschwund und der doch recht realen KNV-Insolvenz steuert die Buchbranche nun also durch die Corona-Krise. Eins steht fest: Langweilig wird es auch 2020 nicht werden.

Natürlich sind es auch jetzt wieder die Trumps, Orbáns und Bolsonaros dieser Welt, die am lautesten schreien, natürlich ohne eine Lösung parat zu haben. Viren scheinen offenbar immun gegen rechten Populismus zu sein – tun wir es ihnen in diesem Punkt nach und gehen auch in Zukunft die Aufgaben, die sich stellen, gemeinsam an.

Wir als Buchbranche sind und bleiben gefragt. Auch und gerade in diesen Tagen. Denn je größer die Unsicherheit bei den Menschen ist und je unklarer die Zukunft erscheint, umso wichtiger sind gute Bücher. In Momenten, in denen der Welt die Ideen ausgehen, verfügen Autorinnen und Autoren über eine unschätzbare Gabe. Mit Kreativität und Phantasie gelingt es ihnen immer wieder, eine Wendung zu finden, um eine Geschichte, die für einen Augenblick ausweglos erscheint, fortzuschreiben und zu einem guten Ende zu bringen. Diese Kreativität und diesen Optimismus brauchen wir und nicht die marktschreierischen Parolen eines amerikanischen Immobilienverkäufers. Wir alle – die Autorinnen und Autoren, Sie und wir –, wir verkaufen Geschichten. Die Welt da draußen braucht uns und wartet sehnsüchtig auf unseren Stoff. Jetzt mehr als sonst.

Kommen wir also endlich zu unseren Büchern. Natürlich haben wir auch im Herbst spannende Krimi-Novitäten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Programm. Darunter so verlässliche Erfolgsautorinnen und -autoren wie Hannes Nygaard, Heike Denzau, Corinna Kastner, Helmut Vorndran und Jutta Mehler, die uns in Nord und Süd bestens unterhalten. In Österreich erfreut uns Beate Maly wieder mit einem ihrer wunderbar fein gesponnenen Kriminalromane, in der Schweiz legen Peter Beutler, Philipp Gurt und Bestsellerkönigin Silvia Götschi nach. Besonders die Schweiz macht uns Freude – die Bestsellerlisten werden regelmäßig von unseren Autorinnen und Autoren angeführt.

Und wir haben einen regionalen Neuzugang: Mit Stephan Haas‘ Debüt »Belgische Finsternis« bespielen wir erstmals den spannenden Schauplatz Belgien.

Auch Leserinnen und Leser historischer Stoffe werden bei uns glücklich: Petra Reategui nimmt einen authentischen Hintergrund als Folie für ihren so exakt recherchierten wie stimmungsvollen Roman »Der Grenadier und der stille Tod«. Bettina Lausen lässt in der Fortsetzung »Das Geheimnis der Reformatorin« ihre Heldin ein zweites Mal ermitteln.

Durch Klick auf Abbildung zu den insgesamt vier (!) Herbstvorschauen

Unser Sachbuchprogramm erweitern wir ab diesem Herbst mit einer schönen neuen Städtereihe. »Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen«: Das sind außergewöhnliche Aktivitäten und individuelle Orte für gemeinsame Stunden. Ob mit dem Partner, der Freundin, dem Kumpel, als Eltern-Kind-Gespann oder Geschwisterpaar – unsere Autorinnen haben sich auf die Suche nach Erlebnissen abseits der bekannten Hotspots gemacht. Und sie sind fündig geworden. Nachzulesen in den ersten sechs Bänden, mit denen wir die Reihe starten.

In gewohnter Weise gibt es natürlich auch einen großformatigen Bildband; dieses Jahr widmen wir uns Zürich in den 1970er Jahren. Darüber hinaus schicken wir den zweiten Band unseres Bestsellers »111 Porsche-Stories, die man kennen muss« ins Rennen sowie die »111 Harley-Stories« und jede Menge spannender Kinderorte in Düsseldorf, Wiesbaden, Potsdam/Brandenburg, Zürich oder Heidelberg. Außerdem noch die 111 besten Skipisten in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz und nicht zuletzt 111 Dinge, die man über Schweine wissen muss.

Sie sehen: Wir haben uns einiges überlegt, damit uns und Ihnen im Herbst nicht der Lesestoff ausgeht. Und wie immer gilt – wenn Sie Ideen oder Wünsche haben, wenn Ihnen etwas in unserem Programm besonders gut gefällt oder Sie etwas vermissen: Melden Sie sich bei uns. Der Austausch mit Ihnen ist für uns die wertvollste Rückmeldung, die wir bekommen können.

Und eh ich’s vergesse, bestellen Sie unsere Bücher. Sie stärken damit einen völlig unabhängigen Verlag, und Sie machen keinen Fehler, wir sind einer der Verlage mit der geringsten Remissionsquote. Wenn es wieder losgeht, sind unsere Bücher die ersten an Ihrer Kasse.

Nun muss ich Schluss machen. Ich bin mit meinen alten Freunden Jürgen, Klaus und Karl zum Stammtisch verabredet – über Skype, wie es sich in diesen Tagen gehört. Aber das geht auch vorbei, und bald schon treffen wir uns alle wieder persönlich. Bis dahin hören und lesen wir uns. Und das ist ja im Grunde auch nicht das Schlechteste.

Bleiben Sie uns gewogen

Ihr

Hejo Emons

 

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