Gerhard Beckmanns Meinung – Wer ist’s, der dem deutschen Buchhandel mit dem Danaer-Geschenk des Jahres einen Schritt weiter zum Grabe tragen könnte? Achtung: Elmar Krekeler lässt in der Literarischen Welt seiner Wut über die Branche freien Lauf

Wie jedes Jahr bringen Zeitungen und Zeitschriften auch in diesen Wochen wieder ihre Listen mit Empfehlungen von Büchern als ideales Weihnachtsgeschenk.

Verlage und Buchhändler freut’s. Es ist ja auch kostenlose Werbung.

Aber was bringt’s?

In der angelsächsischen Welt feiern sie besonders fröhliche Urständ – über Seiten und Seiten und Seiten. Da hat die New York Times Book Review für die diesjährige Ausgabe am kommenden Wochenende schon mal Kürzungen angekündigt.

Und vor einer Woche hat der langjährige Literaturchef des britischen Guardian eine volle Salve gegen die Gewohnheit der Blätter geschossen, möglichst viele prominente Namen zusammen zu trommeln, die…

…ja, was für Bücher empfehlen sie eigentlich?

Immer dieselben Titel, erklärt Stephen Moss da nach einer aktuellen Analyse, von meist älteren etablierten prominenten Autorinnen und Autoren.

Oder Autoren empfehlen das neueste Werk eines einflussreichen prominenten Freundes bzw. Kollegen, der wiederum ihre Neuerscheinung als sein bestes, liebstes, schönstes Buch des Jahres über den grünen Klee lobt.

Und „es gibt keinerlei Hinweise darauf“, sagt der erfahrene Literaturjournalist, „dass irgendwelche Leser solche eitel selbstzufriedenen Ergüsse lesen“.

Hier zu Lande sind dergleichen Empfehlungslisten meist kurz und bündig, manchmal gar bloß Nennungen ohne jeden Kommentar, in der Regel von hauseigenen Redakteuren plus herausragenden freien Mitarbeitern.

Also alles in Butter?

Doch wohl kaum, wenn Elmar Krekeler in seinem Editorial der Literarischen Welt von Samstag betonen zu müssen meint, dass in der Liste dieses Blattes „ausschließlich im Selbstversuch getestete Druckwerke“ stehen.

„Geschenkwarnung“ hat er sein bitterbös witziges Editorial überschrieben. Und auch bei ihm wird heuer ein gewisser Widerwille gegen die alte Praxis spürbar. Er hat offenbar die Nase voll, als Journalist Bücher zum Kauf zu empfehlen, wenn die Buchbranche Bücher verschenkt.

„Ein Blumenladen bietet nämlich im Internet für unter 20 Euro einen Strauß gelber Rosen zum Verschenken an, dem gratis (von einem Internet-Händler) eine SZ-Ausgabe von Umberto Ecos ‚Der Name der Rose’ beigelegt ist. Für alle, die nach dem Verblühen der Rosen nicht wissen, wohin mit dem Plunder: Ein bisschen warten und die welken Blätter dann ins Grab für den deutschen Buchhandel werfen.. Das muss nämlich im kommenden Jahr ausgehoben werden, wenn diese Form von Scheingeschäften Schule macht.“

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

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