Veranstaltungen Frankfurter Buchmesse: Nicht noch eine Aktion! Buchhändler und Verleger diskutieren

Jürgen Kron, Dieter Dausien, Sewastos Sampsounis, Daniel Lager

Gestern Nachmittag fand unter dem Titel Nicht noch eine Aktion! Sind Buchhändler vom Marketing der Verlage überfordert? im Forum Börsenverein eine Diskussion mit Jürgen Kron, Droste Verlag Düsseldorf und Sprecher der IG Regionalia, Dieter Dausien, Buchhandlung am Freiheitsplatz, HanauSewastos Sampsounis, Größenwahn Verlag Frankfurt, und Daniel Lager, Bücherstube am Krohnstieg, Hamburg und Sprecher der IG Unabhängiges Sortiment statt.

„Wir wollten einen Wettbewerb Schaufenster NRW ins Leben rufen, bekamen jedoch nur acht Anmeldungen. Der Aufwand lohnte sich unserer Meinung nach nicht, also haben wir die Aktion abgeblasen. Machen die Verlage tatsächlich zu viel Marketing?“, fragte Kron. Dieter Dausien antwortete: „Es ist tatsächlich ganz schön viel. Das Meiste geht an uns vorbei. Verlage machen kein falsches Marketing, aber Buchhändler sind Individualisten. Und Verlage wollen in die Breite. Das ist für uns nicht kompatibel. Wir bieten in unserer Buchhandlung keinen Mainstream, sondern ein eigenes Programm.“ Das Geheimnis liege in einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Verlag und Buchhändler. Dausien berichtete als Beispiel vom Verlag Hermann Schmidt Mainz. Die Kooperation habe sich über Jahre entwickelt. „Nun planen wir 2018 eine Veranstaltung mit der Verlegerin“, äußerte Dausien. Er verkaufe Bücher dieses Verlages „nicht in Stapeln“, aber für die Stadt Hanau schon in einer beachtlichen Zahl. „Ich empfehle genau zugeschnittene Konzepte“, riet Dausien. Er habe sich an der Aktion Schaufenster Hessen nicht beteiligt, weil er mit einem Hanauer Regionalverlag gut zusammenarbeite. „Man hat viele Baustellen und kann nicht alle bewältigen“, begründete der Hanauer Buchhändler.

„Ich kann die Frustration der Buchhändler verstehen, habe aber selbst einen kleinen Verlag, der von den Autoren gefragt wird, warum die Bücher nicht in den Läden zu finden sind. Auch ich stehe unter Druck“, sagte Sewastos Sampsounis. Den Wettbewerb Schaufenster Hessen gäbe es schon einige Jahre. „Wir als Regionalverlage haben uns gefragt, wie wir unsere Bücher besser in die Buchhandlungen bekommen. Prominente unterstützen die Aktion. Buchhändler beteiligten sich – allerdings nicht in der erwarteten Zahl. Aber die Aktion war und ist trotzdem erfolgreich, weil sich die Verlage auf die Buchhandlungen zu bewegt haben. Und es wurden in den Orten Synergien mit anderen Einzelhändlern erreicht.“ Rezepte für ein erfolgreiches Marketing gäbe es nicht. Doch der Besuch von Buchhandlungen stehe für Sampsounis weiter auf der Agenda, selbst wenn das aufwändig sei: „Ich werde sie also weiter nerven …“, gestand der Verleger und wurde von Jürgen Kron korrigiert: „Sagen wir doch besser: persönlich betreuen.“ Es wäre schön, wenn die Buchhändler ein Regal unabhängigen Verlagen zur Verfügung stellen könnten, schlug Sampsounis vor und forderte: „Mehr Mut!“

„Das ist zwar eine schöne Idee, aber unser Umsatz spricht dagegen“, äußerte Daniel Lager. „Mit kleinen unabhängigen Verlagen kann man kein Geld verdienen.“ Das käme natürlich auch auf die Ortslage und das Umfeld der Buchhandlung an. „Ich finde die Bücher der Indies auch schön, kann sie aber nicht verkaufen“, erläuterte Lager, gestand allerdings, dass er Regionalia ganz gut umsetze. Besser wäre es, Aktionen gemeinsam zu entwickeln: „Kommunikation und Vernetzung sind die einzigen Rezepte. Wir müssen aufeinander zugehen, aufeinander hören und aufeinander achten.“ Aktionen passe er auf seinen Bedarf an, er könne nicht alle zwei Tage die Schaufenster neu gestalten. Natürlich biete er trotz aller Zwänge auch Bücher der Unabhängigen an. „Aber es gehört Mut dazu, in diesen Zeiten eine Buchhandlung zu eröffnen und zu erhalten“, unterstrich Lager. Eine solche Diskussionsrunde mache Mut. Auch den Verlegern: Jürgen Kron wird 2018 noch einmal versuchen, einen Wettbewerb Schaufenster NRW ins Leben zu rufen.

JF

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