Frankfurt: Buchhändler-Abend mit dem Secession Verlag

Gestern Abend hatte Adrienne Schneider mit ihrem Literaturbetrieb zu ihrem ersten Verlagsabend als selbstständige Dienstleisterin für die Buchbranche eingeladen. Zu Gast waren die Verleger Christian Ruzicska und Joachim von Zepelin, Secession Verlag Zürich mit Dependance in Berlin, sie hatten außerdem ihren Autor Steven Uhly mitgebracht.

 

Joachim von Zepelin (l.) und Steven Uhly (r.) im Gespräch

 

Zur Namensfindung für die 2009 gegründete Edition äußerte Ruzicska: „Es war schwierig. Wir wollten etwas Anderes machen, schöne Bücher, interessant gestaltet.“ „Manche Buchhändler rufen an, wenn sie die Verlagsvorschau sehen, und meinen: ‚Die ist verdruckt’, weil das obere Stück des Verlagsnamens fehlt. Das führt mitunter auch nach sieben Jahren noch zu Irritationen“, sagte Zepelin. Doch nach vielen bereits vorhandenen zweisilbigen Verlagsnamen hatten sich die Gründer für einem dreisilbigen entschieden. Das größte Problem dabei ist die Abgrenzung zu einer rechten Zeitung. Die anwesenden Buchhändler haben damit allerdings keine Schwierigkeiten.

„Wir sind ein in der Schweiz gegründeter Verlag, der in Berlin existiert. Von der Schweiz bekommen wir aus diesem Grund keine Förderung. Und in Deutschland ist uns der Beitritt zur Kurt Wolff Stiftung verwehrt“, stellte von Zepelin am Rande fest.

Im ersten Programm 2010 hatte der Verlag Bücher von Magda Szabó (Die Elemente), Ludwig Lewisohn (Der Fall Crump), Hélène Bessette (Ida oder das Delirium) – und Steven Uhly (Mein Leben in Aspik) veröffentlicht. „Als ich Steven Uhlys Manuskripte gelesen hatte, wusste ich: Damit kann man einen Verlag machen“, meinte Ruzicska.

Auf Adrienne Schneiders Frage, was den Secession Verlag ausmache, antwortete von Zepelin: „Buchhändler und Kunden bestätigen, dass wir unglaublich schöne Bücher machen. Wir arbeiten experimentell und reagieren auf das Unmögliche, beispielsweise mit Blumen für Otello von Esther Dischereit. Das Buch ist mit vier verschiedenen Papieren in deutscher und türkischer Sprache erschienen und beschäftigt sich mit den Opfern des NSU.“ „Leider bleibt die türkische Gemeinde in Deutschland in dieser Auseinandersetzung sehr zurückhaltend“, fügte Ruzicska hinzu.

„Ein anderes Beispiel ist die Flüchtlingsdebatte, die weitgehend ohne Beteiligung der Flüchtlinge selbst passiert. Deshalb haben 2016 wir die Anthologie Weg sein – hier sein mit 19 Autoren herausgebracht“, fügte von Zepelin hinzu.

Als kleiner Verlag bauen Ruzicska und von Zepelin weniger auf großformatige Anzeigen als vielmehr auf eine gute Zusammenarbeit mit den Buchhandlungen. Rezensionen seien ebenfalls hilfreich. „Wir nehmen die Werkzeuge, die die Branche bietet, in die Hand“, drückte es Ruzicska aus.

Außerdem gestaltet seit 2015 Erik Spiekermann die Bücher für den Verlag, weil er vom Konzept des Editionshauses überzeugt ist.

Besonders erfolgreich waren Glückskind von Steven Uhly (2012) und Unorthodox von Deborah Feldman (2016). „Als Glückskind da war, riefen viele an und wollten Filme machen“, erzählte Ruzicska. „Aber einig geworden sind wir uns mit Michael Verhoeven. Er sah das Hauptmotiv darin, dass Hans Scholz aktiv wurde und sich um das Baby kümmerte. Das hat Verhoeven gefallen und uns überzeugt“, ergänzte der Autor.

Im Hinblick auf Künftiges kam die Frankfurter Buchmesse zur Sprache. „Frankreich ist ein tolles Buchmesseland“, sagte Ruzicska. „Leider war der Austausch von deutschen und französischen Intellektuellen aber schon einmal stärker“, fügte von Zepelin hinzu.

Der Verlag plane eine Wochenendklausur mit den Autoren, daraus soll ein Buch entstehen.

Zum Abschluss las Steven Uhly aus einem noch unbeendeten Manuskript über einen der vielen spanischen Erbfolgekriege, der Roman spielt im Jahr 1836. „Spanien war immer mein zweites Zuhause. Und der moderne Realismus wurde schon mit Autoren wie Miguel de Cervantes in Spanien begründet.“ Auf die Frage, wann mit dem Erscheinen des Romans zu rechnen sei, antwortete Uhly: „Ich kann erst im Herbst daran weiterarbeiten. Zunächst muss ich für den Secession Verlag übersetzen.“

Der Verlag hatte für die Buchhändler nicht nur Bücher mitgebracht, sondern auch ein schönes Geschenk: signierte Gedichtzeilen von Steven Uhly auf einem Bogen, von Hand gesetzt und gedruckt.

Ein gelungener Abend, drei weitere mit dem Secession Verlag werden in Deutschland noch folgen, verriet Adrienne Schneider nach ihrer Premiere.

JF

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