Veranstaltungen Finale des forum:autoren beim Literaturfest München: „Ein Wort gibt das andere – ein Ton gibt den anderen“

 

Am Samstagabend ging im Münchner Literaturhaus das forum:autoren mit einem furiosen Finale zu Ende. Das Duo Scollo con Cello zeigte, wie vielsprachig Musik sein kann, wie sie Zeit und Raum überspringt und ungeahnte Kombinationen erzeugt: Etta Scollo, eine umwerfend temperamentvolle Sängerin mit Gitarre, und Susanne Paul, die ihrem Cello ungeahnte Töne und Rhythmen entlockte. So haben sie ein Gedicht des arabischen Dichters Ibn Hamdis aus dem 11. Jahrhundert vertont, in dem er seine Trauer über die Vertreibung aus seinem geliebten Sizilien ins Exil nach Spanien beklagt. Und wer hätte sich vorstellen können, dass man Gedanken des in Algerien geborenen französischen Dekonstruktions-Philosophen Jacques Derrida oder Gedichte von Joachim Sartorius in musikalischer Form vortragen kann? Bei diesem forum:autoren hat es immer wieder überraschende Verbindungen von Worten und Tönen gegeben – diese Dimension kann man jetzt als gelungene Erweiterung des Spektrums bezeichnen.

Zum Schluss zeigte das Duo noch seine Improvisationskunst: Spontan setzten sie aus dem Publikum zugerufene Worte („El fiore!“ – „Die Grazie der Welt“) in Gesang und Cellotöne um. Eine strahlende Literaturhauschefin Tanja Graf drückte den beiden Musikerinnen und der Kuratorin Blumensträuße in die Hand.  Toll ausgedacht, toll gemacht, Elke Schmitter!Nach acht Tagen Hochdruckeinsatz konnte Elke Schmitter glücklich von der Bühne abtreten – mit dem Schlusswort: „Mit zwei Frauen haben wir das Forum eröffnet, Herta Müller und Swetlana Alexeijewitsch, und nun schließen wir es auch mit zwei Frauen ab.“

Etta Scollo rief dem begeisterten Publikum zu, nachdem sie mit Susanne Paul über tanzende Buchstaben musikalisch improvisiert hatte: „Tanzen Sie immer – auch in Gedanken! Das tut gut.“

Ulrich Störiko-Blume

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