Veranstaltungen Festivalkongress in Frankfurt: Rückenwind für die Lyrik

Am Donnerstag, 7. März, startete der Festivalkongress Fokus Lyrik mit Die Ideale Eröffnung – ein Phantasma in fünf Stimmen in der Evangelischen Akademie auf dem Frankfurter Römerberg. Heute Mittag endete der vom Kulturamt der Stadt Frankfurt und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt verantwortete und von der Kulturstiftung des Bundes unterstützte Veranstaltungskomplex. Rund 125 Akteure aus allen Bereichen beteiligten sich an 18 Podien, an Abendveranstaltungen, Matineen und an nichtöffentlichen Roundtables.

Zum Auftakt am Donnerstag begrüßte Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig die Gäste in der Evangelischen Akademie: „In den letzten 15 Jahren ist auf dem Feld der Lyrik spürbar etwas in Bewegung geraten.“ Außerdem wolle der Festivalkongress der voranschreitenden sprachlichen Verrohung etwas entgegensetzen.

Festivalleiterin Sonja Vandenrath verwies auf die Entwicklung seit der Jahrtausendwende vor allem in Berlin, Lyrik sei nicht im stillen Kämmerlein, sondern in regem Austausch entstanden: „Die neue Lyrikszene versteht sich als Labor.“ So euphorisch dieses Geschehen betrachtet werden kann, so prekär sind die Bedingungen für die Lyrik Schaffenden.

Zwei Lyrik-Experten kuratierten den Festivalkongress; Monika Rinck war für das künstlerische Programm zuständig, Tristan Marquardt für die Podien und Panels.

Friederike Tappe-Hornbostel, Leiterin Kommunikation der Kulturstiftung des Bundes, bemerkte, dass Lyrik einen Boom erlebe und in die Zukunft greife, sie sei so vernetzt wie keine andere Sparte und stecke, gemessen an den Unterhaltsbedingungen der Lyriker, noch im 19. Jahrhundert bei Spitzwegs Armem Poeten. So habe Lyrik den Spagat zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert zu bewältigen.

Monika Rinck erinnerte daran, dass die Festivalkongress-Idee vor über zwei Jahren geboren wurde. Ziel war es, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen.

Von der Empore des Saales in der Evangelischen Akademie erklang ein Saxophon, gespielt von Angelika Niescier – die erste der fünf angekündigten Stimmen.

Anschließend äußerte Barbara Köhler Gedanken zum Anfang und zum Anfangen. Magnus William-Olsson kam in vier Abschnitten einer Sonate von der Eröffnung bis zur Lautmalerei – die deutsche Übersetzung des auf Schwedisch gehaltenen Vortrags konnte jeder Gast mitlesen.

Hungrig trat Steven J. Fowler auf die Bühne, ordnete Blumenarrangements neu, probierte die Pflanzen und sammelte Essbares aus dem Publikum. Viele Zweifel und Provokationen wurden in den Raum gestellt, begleitet von Erläuterungen und Hintergründen auf einer Leinwand.

Die Philosophin Christiane Voss machte sich anschließend Gedanken zum bevorstehenden Festivalkongress: „Eröffnungen setzen Schnitte in Raum und Zeit.“

Rund 60 Stunden später zogen Friederike Tappe-Hornbostel, Sonja Vandenrath, Tristan Marquardt und Monika Rinck Bilanz im Hessischen Literaturforum im Mousonturm: „Fokus Lyrik hat eindeutig gezeigt, dass es ein großes öffentliches Interesse an Gegenwartslyrik gibt. Die Lyrikszene hat sich geöffnet, die Podien waren rege besucht“, sagte Vandenrath. Das habe sich auch am gut frequentierten Büchertisch der Buchhandlung Wendeltreppe gezeigt. Der Festivalkongress gibt Rückenwind, es soll etwas bleiben davon, Vorschläge sollen weiterentwickelt werden. Lyrik soll mehr Raum und mehr Förderung erhalten.

„Fokus Lyrik macht Hoffnung, die Energie dieser Tage sollte aufgenommen und genutzt werden. Der Festivalkongress ist ein Meilenstein in der Fördergeschichte der Kulturstiftung des Bundes“, äußerte Tappe-Hornbostel.

Monika Rinck erwähnte die „öffentliche Meta-Diskussion über Jury-Arbeit“, die „fair, gerecht, interessant, klug und originell“ geführt wurde. Den erstmals vergebenen Frankfurter Lyrik-Preis erhält Sebastian Unger für seinen Band Die Tiere wissen noch nicht Bescheid, 2018 bei Matthes & Seitz erschienen.

An neun Roundtables diskutierten Experten über die Themen Autoren/Autorinnen, Übersetzung, Veranstaltung, Verlage, Buchhandel, Schule, Universitäten, Kritik und Zeitschriften. Die Ergebnisse dieser Debatten wurden in den Frankfurter Positionen zur Lage und Zukunft der Lyrik gebündelt.

So streben Lyriker/Lyrikerinnen eine faire Entlohnung und ein Mindesthonorar von 500 Euro netto pro Auftritt an. Gleiches gilt für Übersetzer, die zu Veranstaltungen auftreten. Übersetzer fordern zudem ein einheitliches Zeilenhonorar von mindestens drei Euro netto. Zur besseren Vernetzung von Lyrikern und Übersetzern sollte eine Datenbank literarischer/lyrischer Übersetzer – ähnlich der beispielsweise in den Niederlanden bereits existierenden – aufgebaut werden.

Verlage möchten einen eigenständigen Förderfonds für Lyrik. Anzustreben ist eine vermehrte Präsenz von Lyrik in Bibliotheken und Literaturhäusern.

Der Buchhandel fordert:

  • Lyrik-Veranstaltungen im Buchhandel sollten durch die öffentliche Hand gefördert werden.
  • Benötigt wird eine bundesweite digitale Vernetzungs-Plattform, über die Lyriker, Übersetzer, Verlage und Buchhandlungen miteinander in Verbindung treten können – ähnlich der, die es für Illustratoren schon gibt.
  • Zwischenhändler sollten kuratierte Lyrik-Pakete zur Verfügung stellen, so wie es solche auch in anderen Genres gibt.
  • Lesen von Lyrik und das Verständnis von Lyrik sollten in der Buchhändler-Ausbildung verankert werden.
  • Erstrebenswert sind Aktionstage für Lyrik, die sich am Erfolg des Indiebooksdays orientieren.

Detaillierte Ergebnisse der Roundtables werden in Kürze auf fokuslyrik.de bekanntgegeben.

JF

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