Buchtage Berlin Fachgruppentagungen: Quo vadis, Branche?

Auf den Buchtagen fanden heute Nachmittag die Fachgruppentagungen statt. Bevor jede Sparte später einzeln tagte, berichtete Jana Lippmann in der gemeinsamen Fachgruppenversammlung von den positiven Entwicklungen nach der Studie „Buchkäufer – Quo vadis?“, die sie vor einem Jahr präsentiert hatte. Danach habe „der Geist von Berlin, der Geist der Branche geweht“, viele Buchhandlungen hätten Aktionen gestartet, um dem Verlust von Buchkäufern entgegenzuwirken. Im vergangenen Jahr verzeichnete man ein Plus von 300.000 Buchkäufern, auch sei in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ein deutliches Umsatzplus erzielt worden: „Wir sind auf einem guten Weg“, betonte sie.

Stephanie Lange

Stephanie Lange stellte die Task Force Orientierungssystem im Börsenverein vor. Orientierung schaffe Relevanz und Sicherheit, sagte sie. „Wir wollen einen Standard für eine Branchenlösung schaffen.“ Man wolle den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Dazu sollen zunächst die Bedürfnisstrukturen der Kunden analysiert werden und die Aggregation der Einzelbedürfnisse soll zu Kategorien „Themenwelten“ zusammengeführt werden. Ziel ist es, durch verbesserte Orientierung mehr Kaufimpulse und dadurch positive Absatzeffekte zu erreichen.

Tobias Wahl

Anschließend gab Insolvenzverwalter Tobias Wahl einen Überblick in Sachen KNV-Insolvenz. Die Betriebsfortführung laufe erfreulich. Bei der Lieferfähigkeit des Barsortiments sei der Zustand vor der Insolvenz erreicht, und auch von der Umsatzseite her sei er zufrieden. „Wir sind durchfinanziert, mindestens bis zum Ende des Jahres“, so Wahl. Die Verbindlichkeiten gegenüber den Verlagen betrugen 45 Millionen Euro, wobei ein Drittel der Summe im Zuge des Eigentumsvorbehaltes bereits getilgt sei. Auf die Verlagsauslieferung habe sich die Insolvenz operativ nicht negativ ausgewirkt. Das Vertrauen der Verlage sei groß, die Logistik laufe, und unternehmensintern herrsche gute Stimmung. „Ich spüre, dass die Mitarbeiter alle an einem Strang ziehen.“ Anstehende Termine: Bis 18. Juli können Verlage noch ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden. Am 25. Juli findet die erste Gläubigerversammlung beim Amtsgericht Stuttgart statt – der Bericht sei danach online verfügbar, so dass eine Anreise nicht nötig sei.

Und wie geht es weiter? Namen von potenziellen Investoren für KNV wollte Wahl nicht nennen. Der Bieterprozess laufe auf Hochtouren: „Wir sind dabei, auf die Zielgerade einzubiegen.“ Es ist geplant, dass die Verhandlungen noch im Juni abgeschlossen werden, wobei man nur mit Interessenten im Gespräch sei, die das ganze Unternehmen übernehmen wollen. Dies würde auch den Erhalt aller Standorte – Stuttgart, Erfurt und Leipzig – bedeuten.

Peter Kraus vom Cleff, Nadja Kneissler, Christian Schumacher-Gebler

In der anschließenden Sitzung der Fachgruppe Verlage wurde Christian Schumacher-Gebler, Geschäftsführer der Deutschen Bonnier-Gruppe, – nachrückend für Frank Sambeth – einstimmig in den Vorstand gewählt. Grusche Junker, verlegerische Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Random House wurde ebenfalls einstimmig neu in den Vorstand gewählt. Außerdem stellte sich der Verleger Hugo Setzer aus Mexiko-City als neuer Präsident der International Publishers Association (IPA) vor. „Die Freiheit des Verlegens ist unentbehrlich, sagte er.

In der Fachgruppenversammlung Zwischenbuchhandel stellte Stephan Schierke die Logistikumfrage für den Printbereich vor. Besorgniserregend sei, dass der Lagerumschlag sich weiter verschlechtere, der Lagerbestand je Titel sei aber nicht die Ursache, denn die Druckauflagen seien rückläufig. Die Ursache sei eher, dass der einzelne Titel sich schlechter verkaufe.

Was die Rechnungspositionen angeht, verzeichne man 2018 im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 2,74 Prozent. Nur jede dritte Rechnungszeile sei größer als zwei Exemplare. Die Bestellstruktur sei aus logistischer Sicht „katastrophal“, denn mehr als 50 Prozent der Rechnungspositionen betragen laut Umfrage ein Exemplar, entspricht damit also einer Privatkundenbelieferung. Auslöser seien große Kunden, die jeweils ein Stück nachbestellten, sobald ein Stück verkauft sei, sowie eine allgemeine Zurückhaltung, größere Mengen zu ordern und damit größere Risiken einzugehen. Auf die Logistikkosten wirke sich diese Entwicklung „extrem nachteilig“ aus. „Ein übermütiges Bestellverhalten scheidet als Remissionsgrund jedenfalls aus“, so Schierke.

Jens Klingelhöfer sprach über die Logistikumfrage im Digital-Bereich. Demnach lag der Gesamtumsatz Digital der Teilnehmer der Umfrage 2018 bei 162,8 Mio. Euro, was einem Plus von 3,98 Prozent entspricht. 64,3 Prozent der Formate sind EPUBS, 21,4 Prozent Mobipockets  und 34,6 Prozent PDFs. Der Digitale Handel habe einen Umsatz-Anteil von 83,9 Prozent, Digitale Verleihmodelle wie Bibliotheken liegen bei 10,93 Prozent, 6.01 Prozent sind Endabnehmer.

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