Veranstaltungen „Erregung“ steht beim zehnten literaTurm im Mittelpunkt

Julia Clou, Ina Hartwig, Sonja Vandenrath

Im Kulturamt Frankfurt stellten heute Kulturdezernentin Ina Hartwig, Festival- und Programmleiterin Sonja Vandenrath und Julia Cloot, stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, das Programm zum zehnten literaTurm, der vom 23. bis zum 29. März stattfindet, vor. Das Thema des biennalen Festivals lautet „Erregungen“. Titelgebend sei mit das Buch Die große Gereiztheit von Bernhard Pörksen gewesen, 2018 im Hanser Literaturverlag erschienen.

„In den letzten Jahren sind Sachbücher immer beliebter geworden, das Leseverhalten hat sich geändert. Mit dem Literaturfestival greifen wir aktuelle Themen auf, es ist mit den Jahren zunehmend politischer geworden“, sagte Hartwig.

„Eigentlich ist heute Weiberfastnacht und Beginn des Straßenkarnevals. Aber angesichts der nächtlichen Ereignisse in Hanau mit elf Toten spricht das eher gegen eine faschingsfröhliche Programmpräsentation“, erklärte Vandenrath. Sie verwies auf das Buch Die rechte Mobilmachung von Patrick Stegemann und Sören Musyal, das im Januar im Ullstein Buchverlag publiziert wurde. Das Buch zeige, wie die rechte Szene funktioniere und wer sie unterstütze. Gleichzeitig stellte die Programmleiterin fest: „Wir wollen an den sieben Festivaltagen nicht anheizen, sondern aufdecken.“ Eher verstehen sich die Programmverantwortlichen in Annäherung an den Verein Lauter Leise. Kunst und Demokratie in Sachsen, der 2016 ins Leben gerufen wurde. Im Credo des Vereins heißt es: „Das Bestreben, Zeitströmungen sichtbar zu machen, verlangt nach einer wertfreien Beobachtung und Zurückhaltung im Urteil. Diese leise Eigenschaft der Kunst ist ein wichtiges Korrektiv zu Selbstgerechtigkeit, Hetze und Gewalt.“

Zum Thema des diesjährigen Festivals fügte Julia Cloot hinzu: „Erregte Debatten prägen deutsche Geschichte in zyklischen Wellen.“

Bereits im Zauberberg von Thomas Mann ist zu lesen: „Was lag da in der Luft? – Zanksucht. Kriselnde Gereiztheit. Namenlose Ungeduld. Eine allgemeine Neigung zu giftigem Wortwechsel, zum Wutausbruch, ja zum Handgemenge.“

Bücher zu einzelnen Themenkreisen

In 43 Veranstaltungen mit über 100 Autoren, Wissenschaftlern und Journalisten an über 20 Orten wird über Sachbücher und Romane gesprochen werden. Es geht um Klimawandel, Kunst und Moral, den neuen Feminismus, um den Rechtsruck in Ostdeutschland, um die Spannungen zwischen Ost und West, um die Verbreitung von Hass und Hetze im Internet. Neben den bekannten Hochhäusern in Frankfurt wie den OpernTurm und den Turm von ODDO BHF sind neue Locations wie der Marienturm, der Space Omniturm, der Taunusturm, die Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter und das Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum hinzu gekommen.

„Erregung hat sich in ein Kollektivsyndrom verwandelt, das von den sozialen Medien getriggert wird“, stellte Vandenrath fest. Sie zitierte die Soziologin Elke Wagner, die bemerkt, dass Argumente verhandelbar sind, Emotionen dagegen nicht.

Im Eröffnungspodium am 23. März in der Deutschen Nationalbibliothek werden Ferda Ataman, László F. Földényi, Bernhard Pörksen und Ingo Schulze mit Moderatorin Insa Wilke diskutieren.

„Wir haben sehr viel Wert auf Diversität gelegt und auf Gendergerechtigkeit“, bemerkte Vandenrath zum Gesamtprogramm.

Es gibt zudem einen Abend mit den unabhängigen Lesereihen books without covers, Salon Fluchtentier und Hafenlesung. Das Frankfurter Veranstalterkollektiv text&beat sorgt für musikalische Akzente.

literaTurm findet nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Darmstadt, Bad Vilbel, Offenbach, Bad Soden, Hanau und Hochheim am Taunus statt und ist somit in der Rhein-Main-Region präsent, ein besonderes Anliegen des Kulturfonds.

Erstmals wird am Wochenende 28. und 29. März im Struwwelpeter-Museum in Frankfurt ein kuratiertes Kinderprogramm mit vier Veranstaltungen angeboten.

Die Tickets bei literaTurm kosten zwischen vier und zwölf Euro und sind bei Adticket sowie an der Abendkasse erhältlich. Das aktuelle Programm wird auf literaturm.de veröffentlicht.

JF

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