Veranstaltungen Eröffnung des Literaturfests München

»Ich habe Literaturfestivals immer gehasst«, bekennt Christoph Ransmayr in einem Kürzestfilm des Druckfrisch-Filmemachers Andreas Ammer. Solche und andere provokante Meinungen machten am Donnerstagabend die Eröffnung des Literaturfests und der Münchner Bücherschau im Münchner Kulturzentrum Gasteig zu etwas Besonderem.

Klug moderiert von Luzia Braun (ZDF-aspekte) wurden über die Leinwand Raoul Schrott, Christoph Ransmayr und Jane Gardam dazugeschaltet. Zu einem kurzen Gespräch persönlich auf die Bühne kamen Bachtyar Ali (Der letzte Granatapfel), Sabine Gruber (Daldossi oder Das Leben des Augenblicks) und Hanns-Josef Ortheil (Was ich liebe und was nicht).

Bachtyar Ali legte auf ruhige und zugleich erschütternde Weise dar, warum man dem Orient, der sich seit einem Jahrhundert mehr oder weniger im Kriegszustand befindet, „mit normalem Realismus nicht beikommt“. Und warum er die gegenwärtigen Fluchtbewegungen als „die andere Seite der Globalisierung“ sieht. Sabine Gruber sagte: „Literatur ist Einübung in die Empathie“ – weshalb sie ihren Roman über den Kriegsfotografen, den seine Bilder nicht mehr loslassen, ohne jedes Foto ausgestattet hat.

Die Schriftstellerin und Spiegel-Autorin Elke Schmitter kuratiert das forum:autoren unter dem Motto „ein wort gibt das andere“. Am Beispiel der Tatsachenaussage „Es regnet heute in München“ erläuterte sie, dass es in der Sprache der kalifornischen Pomo-Indianer für diesen simplen Satz vier verschieden grammatikalische Formen gibt; eine davon bringt mit zum Ausdruck, woher man diese Informationen hat. Wenn alle Aussagen, die zum Thema Brexit oder bei der US-Präsidentenwahl gefallen sind, ihre Quellen hätten belegen müssen, wäre uns manches erspart geblieben – so viel zum Wert der vielen vom Aussterben bedrohten Sprachen dieser Welt.

Für eine davon, das Maori, engagiert sich Hinemoana Baker, Tochter eines Maori-Vaters mit bayerischen Wurzeln mütterlicherseits. Sie sang zur Gitarre mit klarer Stimme ein Lied in dieser klangvollen Sprache und erläuterte im anschließenden Gespräch, was alles mit einer Sprache verlorenginge: Gedichte, Geschichten, Lieder, Weisheiten, Erkenntnisse – und: „Sprachenlernen schützt vor Rassismus“.

Hanns-Josef Ortheil improvisierte über das Thema „Ein Schriftsteller ist dazu verdammt, auf einem Stuhl an einem Tisch zu sitzen“ – und genau das tat er dann auch und erläuterte unter großer Heiterkeit im Publikum, welche Art von Liebesromanen er schätzt und welche nicht. Christoph Ransmayr wird übrigens am 15. November im Literaturhaus auftreten, seit ihm mit Hilfe der Vorstellung, mit jedem Buch sei ein Mensch verbunden, ein Literaturfest „nicht vertraut, aber erträglich“ ist. Das Programm des Literaturfests verspricht 18 anregende Tage.

Mehr unter www.literaturfest.muenchen.de

Ulrich Störiko-Blume

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