200 Gäste aus über 50 Ländern Eröffnung des Internationalen Literaturfestivals Berlin

Mit einer Rede von Eva Menasse wurde gestern Abend im gut besuchten Haus der Berliner Festspiele das 18. Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) eröffnet.

Das diesjährige Programm des Festivals, das auch als „Berlinale der Literatur“ bezeichnet wird, lade zur Auseinandersetzung mit den eigenen Prägungen und den politischen, sozialen und kulturellen Situationen anderer ein, betonte Thomas Oberender, der Intendant der Berliner Festspiele, in seiner Begrüßung. „Festivaldirektor Ulrich Schreiber hat ein Händchen dafür, aktuelle Themen und Debatten aufzugreifen.“

Festivaldirektor Ulrich Schreiber

Elf Tage lang, vom 5. bis zum 15. September, werden insgesamt 200 Gäste aus über 50 Ländern nach Berlin kommen. Neben vielfältigen Lesungen, Diskussionen und Filmen prägen fünf Themenschwerpunkte das Programm: „Decolonizing Wor:l:ds“, „Nature Writing“, „The Art of Cooking“, „The Politics of Drugs“ und „Die Evolution der menschlichen Kultur“ sowie ein Kongress zur Zukunft des Nationalstaates. Auf dem Programm stehen zudem zahlreiche Buchpremieren, beispielsweise von Sebastian Barry (Irland), Zaza Burchuladze (Georgien/Deutschland), Rachel Cusk (Großbritannien), Jennifer Egan (USA), Dmitry Glukhovsky (Russland), Olivier Guez (Frankreich), Francesca Melandri (Italien), Michael Ondaatje (Kanada) und Vivek Shanbhag (Indien). Ermöglicht wird die Programmfülle auch dank des Hauptstadtkulturfonds‘, der das Literaturfestival bis 20121 mit jährlich 600.000 Euro, statt bisher 350.000 Euro, fördert. Insgesamt werden 30.000 Besucher erwartet.

Eva Menasse

Eva Menasse beleuchtete in ihrer bewegenden Eröffnungsrede die aktuelle Lage und warnte vor einem Druck digitaler Gespenster, unter dem sich die Mechanismen der institutionellen Politik auflösen. Zwar habe die Digitalisierung den Zugang zu und den Austausch von Informationen maximal erleichtert und damit dem Weltwissen ganz neue Dimensionen eröffnet, doch gleichzeitig habe sie aus den Menschen Lemminge gemacht. „Die digitale Welt steigert den Wunsch, dazuzugehören, nicht abzuweichen, kein schwarzes Schaf zu sein, als anonymer Wolf im Shitstorm mitzuheulen, aber niemals sein Opfer zu werden“, sagte sie und sprach von einem „Tsunami der Vereinfachungen“. Daumen rauf, Daumen runter, mache all das Verwirrende einfacher, „aber es macht eine vormals liberale Gesellschaft deutlich enger und inquisitorischer“.

Eva Menasse möchte weiterhin an die Kraft des kleinen Schrittes glauben. Schweigen sei jedenfalls keine Alternative. „Sagen soll man es, nicht schreien. Schreiben soll man es, nicht twittern.“

Die Rede von Eva Menasse wird in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 9. September abgedruckt.

Auch heute lohnt sich der Gang zum Kiosk. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlicht die Rede der schwedischen Schriftstellerin Frida Nilsson, die bereits gestern Vormittag vor rund 250 Schülerinnen und Schülern die Sparte „Internationale Kinder- Und Jugendliteratur“ eröffnete. Kindheit sei mehr als ein Vorspann für das weitere Leben, sagte sie. „Kindheit ist die Blüte, nicht die Saat.“ Frida Nilsson plädierte dafür, Kinder spielen zu lassen, sie nicht zu hetzen und mit immer neuen Anforderungen zu stressen. Mit dem Argument dass, wenn die Kinder heute nicht lesen, wir morgen keine lesenden Erwachsenen haben, würden die Kinder immer wieder zum Lesen aufgefordert. Doch: „Erwachsene lesen zum Spaß. Erwachsene gönnen sich das Vergnügen einer guten Geschichte, weil eine gute Geschichte den Geist anregt und den Leser oder die Leserin auf Abenteuer schickt. Lesen macht Spaß, Lesen macht froh. Warum sollen Kinder nicht aus demselben Grund lesen? Warum müssen sie immer die Bürde des Werdens mit sich herumtragen?“

Frida Nilsson und Christoph Rieger, Programmleiter der Sparte „Internationale Kinder- und Jugendliteratur“

Im Anschluss an die Rede stand eine Lesung aus Frida Nilssons Siri und die Eismeerpiraten auf dem Programm. Als internationale Premiere wird die Autorin zudem ihren neuen Roman Ich und Jagger gegen den Rest der Welt vorstellen. Beide Bücher sind im Gerstenberg Verlag erschienen. Insgesamt werden in der Sektion Internationale Kinder- und Jugendliteratur rund 30 Gäste aus aller Welt erwartet.

Flankiert wird das Festival von mehreren Ausstellungen. So ist im Foyer des Hauses der Berliner Festspiele wieder die Ausstellung „Das außergewöhnliche Buch“ zu sehen, für die jeder Gast der Sektion „Internationale Kinder- und Jugendliteratur“ jeweils ein außergewöhn­liches Buch für Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene nominiert hat.

Den Büchertisch gestaltet in diesem Jahr wieder die Buchbox. Dort gibt es auch den Katalog des Festivals, der im Verlag Vorwerk 8 erscheint.

ml

 

 

 

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