„Oreo“ von Fran Ross erschien erstmals 1970, auf der Höhe der Black Power Bewegung dtv: Buchpremiere mit Pieke Biermann in Berlin

Gestern Abend fand in der Berliner Buchhandlung und Galerie Geistesblüten, die Buchpremiere von Fran RossOreo statt. Im Gespräch mit Buchhändler Christian Dunker machte die Übersetzerin Pieke Biermann das Publikum mit dem Roman der afroamerikanischen Autorin bekannt, die 1985 mit nur 50 Jahren starb. Vor Kurzem wurde sie in den USA wiederentdeckt, 2015 kam ihr Roman Oreo im englischsprachigen Raum auf den Markt. Dank Pieke Biermann können wir ihn nun auch auf Deutsch lesen. Ihr sei eine Meisterleistung gelungen, lobte Christian Dunker.

Lektorin Hella Reese, Pieke Biermann und Audrey Boateng in den Geistesblüten

Oreo erschien erstmals 1970, auf der Höhe der Black Power Bewegung der Sechziger und Siebziger Jahre und ist heute wieder hochaktuell. Erzählt wird die Geschichte von Christine, Tochter einer schwarzen Mutter und eines jüdischen weißen Vaters, die durch alle Maschen rutscht. Weil sie den einen zu weiß und den anderen nicht schwarz genug ist, wird sie als „Oreo“ verspottet, der Keks dunkel, die Creme innen hell. Fran Ross spiele mit diesen beiden Identitäten, so Pieke Biermann über eine Autorin, die keine Grenzen kenne und dabei doch überraschend warmherzig und komisch schreibe. Als der Roman erstmals erschien, fand er wenig Beachtung. Er sei damals wohl zwischen den Büchern von Autoren wie Toni Morrison und Alex Haley zerquetscht worden.

„Aber jetzt ist Fran Ross wieder da“, betonte Pieke Biermann. Die traut sich was, sei ihr erster Gedanke bei der Lektüre von Oreo gewesen. „Bei dieser Autorin darf die Übersetzerin nicht feige sein.“ Das Publikum bekam einen Eindruck, mit welcher Leidenschaft und Lust sie zu Werke ging. Dennoch: „Diese Übersetzung hat mich herausgefordert“, gab Pieke Biermann zu. „Gleich im ersten Kapitel ‚Mischpoche‘ geht’s um Oreos Background mitsamt dessen unverblümt vorgetragenen Rassismen, in einer irrwitzigen Polyphonie aus Englisch, Jiddisch und schwarzen Idiomen, Tabellen über Hautfarben inklusive“, schreibt sie im Geistesblüten –Magazin.

Audrey Boateng, Hamburgerin mit ghanaischen Wurzeln, las Passagen aus dem Roman. Die junge Schauspielerin, die gerade Abitur gemacht und eine Hilfsorganisation für ghanaische Kinder gegründet hat, habe dafür die richtige Haltung, so Christian Dunker.  „Sie hat Chuzpe wie Fran Ross und scheut ebenso wie Pieke Biermann keine Herausforderung“, so Christian Dunker.

ml

 

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