Veranstaltungen Dietmar Bär las zum Festival-Abschluss in Frankfurt

Nach 14 ereignisreichen Tagen mit mehr als 90 Veranstaltungen ging die achte Auflage von Frankfurt liest ein Buch mit Benjamin und seine Väter von Herbert Heckmann im Mittelpunkt am Sonntag zu Ende.

Im Künstlerhaus Mousonturm begrüßte Björn Jager, Geschäftsführer des Hessischen Literaturforums, die Gäste zur Matinee.

Björn Jager

Schauspieler Dietmar Bär las vom Besuch Benjamins in der Frankfurter Kleinmarkthalle. Der Junge „wurde vor einen Stand gestoßen, wo hinter riesigen Pyramiden von Orangen, Äpfeln und Zitronen ein dickbäuchiger, fischäugiger Mann, laut gestikulierend, die Qualität seiner Ware pries“. Benjamin „griff eine Orange aus der untersten Reihe der Pyramide“ und schlüpfte davon. Keine gute Idee, die Pyramide kam ins Rutschen, der Händler schrie: „Ein Verbrecher!“ Bär sprach dieses Wort hessisch aus.

Zum Glück trifft der Junge Dr. Groß, ein Freund seines Ersatzvaters Jonas, in der Kleinmarkthalle. Dr. Groß kaufte ein, und Benjamin, davon angesteckt, wollte auch etwas kaufen – er erstand für zehn Pfennige das Herz eines Hahnes. Er schenkte es am Abend Jonas; „Delikatessen waren für Benjamin noch ein Greuel“. Aber: „Der Griff nach der Orange blieb Benjamin in Erinnerung.“ Er hatte einen Diebstahl, eigentlich „ein Diebstählchen“ begangen.

Vierzehn Tage später war die Sache fast vergessen. Der Junge, der Baron genannt wurde, traf Benjamin auf der Straße und fragte ihn nach dem Vater. „Seit einigen Monaten war es das erstemal, daß Benjamin wieder an seinen Vater erinnert wurde … Wie auch immer, Benjamin hatte seinen Vater unter einem Berg von Enttäuschungen begraben. Aus dem ehemaligen Helden, der schwer an seinen Auszeichnungen trug, war ein Drückeberger geworden, ein Hasenfuß, ein Feigling, ein Niemand, ein Nichts.“ Der Baron wollte den niedergeschlagenen Jungen auf andere Gedanken bringen und sagte: „Hast du Mut?“ So kam es, dass Benjamin einem über und über tätowierten Mann, den die Kinder „das Bilderbuch“ nannten, seinen Hut samt Almosen stahl. Denn ein Feigling wollte er auf keinen Fall sein. Und wieder nagten Angst und das schlechte Gewissen an Benjamin. Er ging in die Josefskirche zur Beichte, der Pater trug ihm auf, das gestohlene Gut zurückzubringen, zehn Vaterunser und Gegrüßest-seist-du-Maria als Buße aufzusagen und erteilte dem Jungen die Absolution. Benjamin beschäftigte sich allerdings noch sehr lange mit dieser Tat.

Dietmar Bär

Nach der Lesung erhielt Dietmar Bär viel Applaus und entschuldigte sich: „Leider kann ich keine Zugabe liefern, ich muss zurück zum Dreh nach Marokko.“

Klaus Schöffling

Verleger Klaus Schöffling sprach zum Abschluss des Lesefestes und zog eine positive Bilanz: Etwa 12.000 Menschen besuchten Ausstellungen, Lesungen, Opern-, Theater-, Film-, Schul- Tanz- und Museumsveranstaltungen und begaben sich auf Spaziergängen auf Benjamins Spuren.

Schöffling blickte schon auf das nächste Jahr: „Valentin Senger, mit dem Frankfurt liest ein Buch 2010 begann, würde 2018 seinen 100. Geburtstag feiern.“

Mit dem Lesefest würden Bücher zurück ins literarische Bewusstsein zurückgeholt, die beinahe vergessen waren. So sei beispielsweise Silvia Tennenbaums Roman Straßen von gestern, der 2012 im Mittelpunkt stand, in den Niederlanden ebenfalls ein großer Erfolg gewesen.

Der Verleger zitierte seinen Kollegen Siegfried Unseld: „Nicht alles Neue ist gut, aber das Gute ist immer neu.“

JF

 

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.